Wissen

»Klug und souverän«

Der Historiker Martin Clemens Winter erhält als Erster den Studienpreis des Comité International de Dachau

22.03.2018 – von Helmut ReisterHelmut Reister

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Zum ersten Mal hat das Comité International de Dachau (CID) den im vergangenen Jahr geschaffenen Studienpreis verliehen. Die Auszeichnung erhielt der Historiker Martin Clemens Winter.

Grundlage der Ehrung ist die Dissertation des aus Leipzig stammenden Historikers mit dem Titel Gewalt und Erinnerung im ländlichen Raum: Die deutsche Bevölkerung und die Todesmärsche. Der mit 6000 Euro dotierte Preis kann in mehreren Stufen vergeben werden und wird künftig alle zwei Jahre verliehen. Martin Clemens Winter ist der erste Preisträger überhaupt.

Konzentrationslager Gestiftet wurde die Auszeichnung im Gedenken an die Opfer der nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslager. Das besondere Augenmerk liegt dabei auf dem Konzentrationslager vor den Toren Münchens. Dachau war das einzige KZ, das vom Beginn des Nationalsozialismus bis zu seinem Ende durchgehend bestand, und gilt als Prototyp der Konzentrationslager. Die Wahl des Preisträgers traf eine international besetzte zehnköpfige Jury unter Vorsitz von Sybille Steinbacher, der Leiterin des Frankfurter Fritz Bauer Instituts.

Die Jury kam zu dem Ergebnis, dass es sich bei der wissenschaftlichen Arbeit des Historikers Martin Clemens Winter um eine herausragende Forschung zur NS-Verfolgungspolitik und deren Aufarbeitung handelt. Die 2016 an der Universität Leipzig angenommene Dissertation analysiert die Ereignisstrukturen der Konfrontation des ländlichen Raums mit den Todesmärschen, aber auch die Strafverfolgung und den erinnerungskulturellen Niederschlag der Geschehnisse nach dem Krieg. Die Jury zeigte sich beeindruckt von den Ergebnissen der Arbeit, die sich durch eine »kluge Anlage, eine souveräne Handhabung aktueller methodischer Ansätze und einen klaren, verständlichen Stil auszeichnet«.

Die Preisverleihung fand am Samstag im Auditorium des NS-Dokumentationszentrums statt, das seit wenigen Wochen mit dem Max-Mannheimer-Platz 1 eine neue Adresse (zuvor Brienner Straße) hat. Die Laudatio bei der Preisverleihung hielt das Jury-Mitglied Jürgen Zarusky vom Ins­titut für Zeitgeschichte München-Berlin. Der Preisträger stellte bei der Feier einige zentrale Ergebnisse seiner Studie vor und erntete dafür Anerkennung von allen Seiten.

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