Heimattreue Deutsche Jugend

Völkisch gesinnt

von Olaf Sundermeyer

Mit dem Verbot der rechtsextremen völkischen »Heimattreuen Deutschen Jugend« (HDJ) hat sich Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) in dieser Woche fast unverblümt an die Adresse der NPD gewandt. Denn die Jugendorganisation, die »rassistisches und nationalsozialistisches Gedankengut verbreitet«, so der Minister, ist tatsächlich eine Umfeldorganisation der NPD, die zu verbieten die Bundesregierung vor große juristische Probleme stellt.
Erst 2003 war man mit einem Verbotsantrag vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe gescheitert. Die Opferrolle brachte der NPD Auftrieb und einen starken Mitgliederzulauf, der sich auch in Gruppierungen wie der HDJ darstellte, wenngleich die HDJ offiziell ein unabhängiger Verein ist.
Nunmehr setzen die Behörden darauf, die NPD strukturell zu bekämpfen: Über eine stärkere Kontrolle ihrer desolaten Finanzen sowie über die Einschränkung ihrer Agitationsmöglichkeiten. Und genau dort setzt das HDJ-Verbot an.
Denn die HDJ gehört als Kaderschule für Kinder und Jugendliche zu den Instrumenten, mit denen führende Mitglieder der NPD das politische Vorfeld beackern: Über Zeltlager, Sonnenwendfeiern und Musikabende sollen junge Leute begeistert werden. »In speziellen Schulungen werden bereits Kinder im Grundschulalter gezielt in sogenannter Rassenkunde unterrichtet. Sie werden dazu angehalten, für die Blutreinheit und das Fortbestehen des deutschen Volkes einzutreten. Ausländer und Juden werden als Bedrohung für das deutsche Volk dargestellt«, sagt Uwe Schubert von der mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus in Erfurt. Schäuble sprach von »militärischem Drill«, der in der HDJ herrsche, das erinnere an die Hitler-Jugend.
Die völkische Idee entspricht der NPD-Linie, die Udo Pastörs, der Fraktionsvorsitzende im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern, so formuliert: »Der Erhalt des deutschen Volkes besitzt absolute politische Priorität, dem hat sich alles andere unterzuordnen.« Nirgendwo sonst sind die personellen Verflechtungen zwischen der HDJ und der NPD so augenscheinlich wie im Schweriner Schloss. Die beiden NPD-Abgeordneten Stefan Köster, der gleichzeitig NPD-Landesvorsitzender ist, und Tino Müller aus Ueckermünde in Vorpommern organisieren sich und ihre Familien ebenso in der HDJ wie der Berliner Landeschef Jörg Hähnel, ebenfalls ein Mitarbeiter der Fraktion.
Gerade dort, wo die NPD gemeinsam mit der radikalen Kameradschaftsszene um eine völkisch geprägte Vorherrschaft in der Alltagskultur ringt, ist die HDJ mit ihren heidnischen Bräuchen beliebt.
Die Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, begrüßte das Verbot der HDJ: »Es unterbindet eine organisierte Vergiftung der Jugendlichen mit menschenverachtendem und rassistischem Gedankengut.«

Holocaust-Gedenken

Mendel und Wagner kritisieren Yad-Vashem-Entscheid

In Deutschland sollen zwei Niederlassungen der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem entstehen. Der jüdische Wissenschaftler Meron Mendel und der Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Jens-Christian Wagner, sehen das in Teilen kritisch

 29.05.2026

Reisen

Kein Parkplatz am Ben-Gurion-Flughafen

US-Militärjets blockieren 70 Prozent des Flughafens. Flüge fallen aus, Airlines bleiben weg und kurz vor dem Sommer herrscht große Unsicherheit

von Sabine Brandes  29.05.2026

Diplomatie

Israels Präsident begrüßt ersten Botschafter Somalilands

Als weltweit erstes Land hatte Israel vor einem halben Jahr die muslimisch geprägte Region im Norden Somalias als unabhängigen Staat anerkannt. Jetzt kommt der erste Botschafter nach Israel

 18.05.2026

Internationaler Strafgerichtshof

Bericht: Geheime internationale Haftbefehle gegen Ben-Gvir und andere

»Haaretz« berichtet über mögliche neue Schritte gegen mehrere israelische Minister und Militärvertreter

von Sabine Brandes  17.05.2026

Stuttgart

Die Vorfreude steigt

Die Jüdische Allgemeine berichtet weiterhin live von der Jewrovision. Die Jugendzentren sind inzwischen nach und nach angekommen, das Madrichim-Team empfängt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor Ort. Die Vorfreude auf die Show steigt!

 15.05.2026

Genf

Döpfner fordert beim World Jewish Congress entschlossenen Kampf gegen Antisemitismus

Mit Blick auf die Hamas-Massaker vom 7. Oktober kritisiert der Springer-Chef die Reaktion: »Unmittelbar nachdem die Bilder der Opfer zu sehen waren, begann die Verharmlosung.«

 12.05.2026

In eigener Sache

Wir suchen Verstärkung

Wir suchen zum 1. Juli 2026 einen Politik-Redakteur (m/w/d) in Vollzeit

 07.05.2026

Jerusalem

Israel fordert von Großbritannien mehr Einsatz gegen Antisemitismus

Nach einem weiteren Terrorangriff auf Juden wirft Jerusalem London vor, die Lage nicht mehr unter Kontrolle zu haben. Präsident Herzog: »Es ist an der Zeit, dass die Welt aufwacht.«

 30.04.2026

Polen

Israel fordert Konsequenzen nach Eklat mit Hakenkreuz-Flagge

Im Parlament hatte ein rechtsradikaler Abgeordneter eine israelische Flagge mit einem Hakenkreuz an Stelle des Magen David gezeigt

 22.04.2026