Yoram Ben-Zeev

Verbindungsmann

von Detlef David Kauschke

Am Montag war Yoram Ben-Zeev Studiogast im ZDF-Morgenmagazin – sein erster größerer Auftritt im öffentlich-rechtlichen deutschen Fernsehen. Thema: die Pariser Geberkonferenz für die Palästinenser. Am Schluss des Gesprächs verwies Moderator Christian Sievers auf die Bemerkung von Kanzlerin Angela Merkel beim Abschied von Ben-Zeevs Vorgänger Shimon Stein, dieser habe es den Deutschen »nicht immer leicht« gemacht. Und auf die Frage, wie er es denn als neuer israelische Botschafter in Berlin halten werde, antwortete Ben-Zeev lächelnd: »Ich bin hier als ein Makler zwischen den beiden Völkern.« Höflich fügte er noch hinzu, dass er sich sehr freue, in Berlin zu sein.
Seit vier Wochen ist der 63-Jährige in Deutschland. Er steht bereits seit 30 Jahren im Dienst des Jerusalemer Außeministeriums und gilt als einer der erfahrensten Diplomaten seines Landes. Zuvor war er unter anderem in Honkong, Manila und Los Angeles im Einsatz. In Jerusalem begleitete er eine Zeitlang die Verhandlungen mit den Palästinensern als Koordinator des Friedensprozesses. Die Stelle in Berlin ist sein erster Botschafterposten.
Am Mittwoch vergangener Woche überreichte er dem Bundespräsidenten sein Be-
glaubigungsschreiben. Horst Köhler empfing an diesem Vormittag gleich vier neue Botschafter; die Vertreter von Laos, San Marino und dem Vatikan kamen ins Schloss Bellevue. Yoram Ben-Zeev machte den Anfang und erlebte einen »herzlichen Empfang«, wie er später berichtete. Der Botschafter sagte dem Staatsoberhaupt, er sehe es als seine Hauptaufgabe an, »unsere beiden Völker einander so nahe wie möglich zu bringen«. Zudem habe er Köhler für die »deutsche Unterstützung Israels seit seiner Gründung« gedankt.
Köhler habe die Themen Rassismus und Antisemtismus angesprochen. Dabei sei man sich einig gewesen, dass das Phänomen entschieden bekämpft werden müsse. Dies sei nicht nur Aufgabe der Politik, sondern Verpflichtung jedes Einzelnen. »Ich bin nicht hier, um Deutschland zu sagen, was es tun soll.« Die deutsche Gesellschaft sei stark, stabil und reif genug, mit diesem Problem fertig zu werden.
»Wir wissen, was Rassismus und Antisemitismus den Opfern antut«, meinte Ben-Zeev, der unmittelbar nach dem Besuch im Schloss Bellevue das Mahnmal »Gleis 17« am Bahnhof Grunewald besuchte (vgl. S. 17). »Wir wissen, wie schnell Menschen dazu kommen können, das einfache Gespür für Menschlichkeit zu verlieren.« Vom Gleis 17 waren Berliner Juden zwischen 1941 und 1945 in die Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert worden. Er sei »sehr, sehr bewegt« gewesen, sagte er danach bei seiner ersten Pressekonferenz. Er habe über den Umstand nachgedacht, dass zwischen »diesem schrecklichen Ort« und der israelischen Botschaft nur fünf Minuten Fahrzeit liegen. »Dabei dachte ich daran, wie grausam Geschichte sein kann.« Wäre Israel nur drei oder vier Jahre zuvor gegründet worden, wäre das Geschehen vielleicht anders verlaufen, so Ben-Zeev. Heute sei Israel die Heimat aller Juden. Es sei seine Heimat, als Sabre in der siebten Generation, und die seiner drei Kinder.
Auf die Zuwanderung russischsprachiger Juden in die Bundesrepublik angesprochen, sagte Ben-Zeev, es sei nicht die Aufgabe des israelischen Botschafters, »etwas über die Größe und das Wachstum jüdischer Gemeinden« zu sagen. Zu den Aufgaben der israelischen Regierungsorganisation »Nativ«, die in diesen Tagen die Arbeit in Deutschland aufnimmt, sagte er: Es sei nicht deren Intention, die Juden, die aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland gekommen sind, aufzufordern, nach Israel auszuwandern. Vielmehr solle »Nativ« in den Gemeinden helfen, einen »Sinn für jüdische Kultur«, etwa durch die Entsendung von Lehrern, zu verbreiten.
Ben-Zeev beherrscht mehrere Sprachen, darunter Arabisch und Chinesisch. Anders als seine Vorgänger spricht er jedoch noch kein Deutsch. Doch er lernt die Sprache und verwendet schon mal die ein oder andere Vokabel, wenn er von »komplizierten issues« oder »german Leute« redet. Mit welchem seiner Vorgänger er sich denn eher vergleichen ließe, wollte ein Journalist von ihm wissen. Ob er eher ein Liebling der Medien, wie Avi Primor, oder eher ein scharfer Kritiker der öffentlichen Meinung hierzulande wie Shimon Stein sein werde? Ben-Zeev lächelte. Beide kenne er sehr gut, schätze sie und habe mit ihnen Kontakt. Und mit einem von ihnen sei er sogar recht eng befreundet. Welcher das sei, wollte er nicht verraten.
Klar ist: Mit beiden teilt er die Liebe zur Kultur. »Berlin ist Europas kultureller An-
ziehungspunkt«, schwärmte er. Es sei eine faszinierende Stadt, mit einem Temperament, das ihn an Tel Aviv erinnere. Außerdem verbindet Ben-Zeev, Stein und Primor die Liebe zum Sport. Wie seine Vorgänger wird er für seinen Job auch viel Ausdauer und gute Kondition brauchen. Die holt er sich beim täglichen Lauftraining. »Mein Mann joggt sehr viel«, verrät Botschafter-Gattin Iris, die ihrem Mann aus Tel Aviv nach Berlin gefolgt ist. »Aber er macht das zu Hause«, sagt sie und weist schmunzelnd auf das Laufband im Privatbereich der Residenz. Und so ist vielleicht die Be-
merkung, die Ben-Zeev am Montag zum Ende des Interviews im ZDF-Morgenmazin machte, im Wortsinne zu verstehen, als er zu seinen Erwartungen für die kommenden Jahre in Berlin sagte: »Ich glaube, es wird gut laufen.«

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

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