Potsdam

Jüdische Gelehrsamkeit in berühmter Schlösserlandschaft - Rabbinerseminare im Wandel

Lernen am 1877 gegründeten Rabbinerseminar Foto: László -Mudra

Zur Eröffnung vor fünf Jahren war auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gekommen. Das Europäische Zentrum Jüdischer Gelehrsamkeit an der Universität Potsdam ging am 18. August 2021 an den Start. Steinmeier sprach damals bei dem Festakt von einem Ort, der weit über die Grenzen Brandenburgs und Deutschlands ausstrahle.

Konkret ging es um ein neues Domizil für drei bereits bestehende Einrichtungen: das Institut für Jüdische Theologie der Universität, das Abraham-Geiger-Kolleg für die Ausbildung liberaler Rabbinerinnen und Rabbiner sowie das Zacharias-Frankel-College für die konservative Ausbildung. Hinzu kam eine Synagoge. Das alles vor der Kulisse der Potsdamer Schlösserlandschaft mit Neuem Palais und Park Sanssouci.

Das ist heute immer noch so - könnte sich allerdings verändern, wie die Universität anlässlich des Jahrestages unterstreicht: Denn das Europäische Zentrum auf dem Campus Am Neuen Palais könne künftig eine Stiftung beherbergen. Das hat mit der Neuordnung der Rabbinerausbildung in den vergangenen Jahren zu tun, die von weithin beachtetem Streit und Erschütterungen begleitet war.

Parallelstrukturen in der Ausbildung

Zum Hintergrund: Potsdam ist bundesweit der einzige Standort für die Ausbildung von Rabbinerinnen und Rabbinern der liberalen und konservativen (Masorti) Ausrichtung des Judentums. Letztere ist zwischen liberal und orthodox angesiedelt. Wer sich hierzulande zum orthodoxen Rabbiner ausbilden lassen möchte, macht das - nur wenige Kilometer entfernt - im Rabbinerseminar zu Berlin. Dieses hatte nichts mit der Neuaufstellung in Potsdam zu tun.

Dieser Prozess hatte Parallelstrukturen zur Folge. Bisher bildeten lediglich das Geiger-Kolleg liberale und das Frankel-College konservative jüdische Geistliche aus, als An-Institute der Universität. Hinzu kamen angehende Kantoren und Kantorinnen. Im Zuge der Neuordnung der Ausbildung hatte der Zentralrat der Juden in Deutschland dann im Jahr 2024 die Nathan-Peter-Levinson-Stiftung gegründet. Das ist die, die möglicherweise ein Zuhause im Europäischen Zentrum bekommen soll.

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Die Stiftungsgründung hatte auch damit zu tun, dass der Zentralrat, Dachverband für die Mehrheit der jüdischen Gemeinden in Deutschland, nicht damit einverstanden war, dass die Jüdische Gemeinde zu Berlin Anfang 2023 die Trägerschaft für die bis dahin bestehenden Seminare übernahm. Die Hauptstadtgemeinde und jüdisch-liberale Spitzenverbände, darunter die Union progressiver Juden (UpJ) in Deutschland, kritisierten wiederum die Gründung der Stiftung. Zu den Mitgliedern der UpJ gehört auch das Abraham-Geiger-Kolleg.

Berufspraktische Ausbildung

Innerhalb der Stiftung sind drei neue Seminare entstanden: das Regina-Jonas-Seminar für die liberale Ausbildung, für die konservative das Abraham-Joshua-Heschel-Seminar sowie das Louis-Lewandowski-Seminar für die Kantorenausbildung. Anfang Juli teilte das Brandenburger Wissenschaftsministerium mit, dass die Nathan-Peter-Levinson-Stiftung nun auch ein An-Institut der Universität ist.

»In Zukunft soll die liberale und konservative Rabbinerausbildung ebenso wie die Kantorenausbildung in Potsdam nach dem Willen der Zuwendungsgeber - also des Bundes, der Kultusministerkonferenz, des Landes Brandenburg und des Zentralrats der Juden in Deutschland - allein von der Nathan-Peter-Levinson-Stiftung an der Universität Potsdam getragen werden«, teilt die Universität mit. Dieser Standpunkt war - zum Ärger der jüdisch-liberalen Spitzenverbände und der großen Berliner Gemeinde - bereits in der Vergangenheit von den an der Stiftung Beteiligten geäußert worden.

Die Rabbiner- und Kantorenseminare sind für die berufspraktische Ausbildung zuständig. Sie bereiten die Studierenden auf ihren Dienst in den jüdischen Gemeinden und der Gemeinschaft vor - mit Praktika, Vorlesungen, Gottesdiensten. »Neben der Ausbildung dient das Europäische Zentrum insoweit auch dem Austausch der akademischen Welt mit der Gesellschaft«, so die Universität. Die Jüdische Theologie mit Bachelor- und Masterstudiengängen ist wiederum für die akademische Ausbildung der Studierenden an der Hochschule zuständig.

In den fünf Jahren seit Bestehen des Europäischen Zentrums Jüdischer Gelehrsamkeit ist also viel passiert. Die Universität beschreibt das so: Die Aufgaben des Zentrums hätten sich nicht verändert, sondern »die Umstände« - »an die sich die Universität Potsdam als Dienstleisterin gerne anpasst und gemeinsam mit allen Beteiligten und Partnern Lösungen entwickelt, die dem Gemeinwohl dienen«.

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