Nachdem eine Recherche des »Tagesspiegels« schwere Vorwürfe gegen die Berliner FDP-Politikerin und Aktivistin Karoline Preisler erhoben hatte, meldet sich diese nun zu Wort.
Dem Bericht zufolge soll Preisler nach dem islamistisch motivierten Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day (CSD) einen unbeteiligten Mann fälschlicherweise mit dem Attentäter in Verbindung gebracht haben.
Die 55-jährige Juristin sagte der Jüdischen Allgemeinen auf Anfrage: »Ich wünschte wirklich, der Tagesspiegel hätte mich kontaktiert. Denn seine Behauptung, ich hätte einen Unbeteiligten, konkret Herrn Abdul M., des CSD-Terroranschlags beschuldigt, ist unwahr. Ich habe Herrn Abdul M. zu keinem Zeitpunkt, in keiner Aussage und auch in keinem Posting beschuldigt, Täter des CSD-Terroranschlags vom 25.07.2026 zu sein.«
Auf die Frage, welche Hinweise sie der Polizei gegeben habe, erklärte Karoline Preisler, dass die Polizei ihren Hinweisgeber mehrfach und sie einmal angerufen habe: »Es ging jeweils um die Clips von Abdul M. mit dem weißen Van. Mein Hinweisgeber gab zwei ausführliche Telefonate, schickte Material an die Polizei und ich übermittelte die Dateien dann noch einmal kurz nach 8 Uhr«, sagt Preisler der Jüdischen Allgemeinen. Sie betont: »Den Namen Abdul M. habe ich niemals öffentlich - zum Beispiel auf X oder bei Welt oder bei Schreiber - in diesem Zusammenhang als Täter genannt. Nach unserem Recht gilt die Unschuldsvermutung.«
Sie verwies in dem Zusammenhang auch auf einen ihrer Posts auf X mit einem Bild von Abdul M. (neben einem Bild des mutmaßlich tatsächlichen Täters Abdul B.), in dem sie schreibt: »Nein, das ist NICHT der Mann, nach dem wegen des Anschlags gesucht wird.«
Der Tagesspiegel hatte in seinem Bericht auf einen X-Post Preislers vom Montag verwiesen, als sie auf Nachfrage zu den vermeintlichen Falschbeschuldigungen mit den Worten »Das nehme ich zur Kenntnis« antwortete.
Fatale Verwechslung?
Nach Darstellung des Tagespiegels verbreitete Preisler kurz nach der Tat Hinweise auf einen anderen Mann, den sie mit dem später identifizierten Tatverdächtigen verwechselt habe. Diese Verwechslung habe sich in den sozialen Netzwerken rasant verbreitet. Der betroffene 22-Jährige, nach eigenen Angaben Abdul M., sei daraufhin millionenfach als mutmaßlicher Attentäter dargestellt worden und habe nach eigenen Angaben Drohungen erhalten. In einem Video auf TikTok sagte er: »Es kann nicht sein, dass mein Name genutzt wird und gesagt wird, dass ich der Täter gewesen bin – nur weil ich ein Moslem bin, nur weil ich Abdul heiße und nur weil ich Sachen auf TikTok poste.«
Der Tagesspiegel berichtete weiter, Preisler habe ihre ursprünglichen Äußerungen trotz der zwischenzeitlich veröffentlichten Fahndungsinformationen der Berliner Polizei zunächst nicht öffentlich richtiggestellt. Bei einem Auftritt bei WELT-TV und im Podcast-Interview mit Constantin Schreiber habe sie stattdessen ihre Vorwürfe bekräftigt, wonach Hinweise aus ihrem Umfeld vor der Tat nicht ausreichend beachtet worden seien, und Kritik am Berliner Senat sowie am Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU) geäußert.
»Tatsächlich habe ich im Podcast mit Constantin Schreiber unmissverständlich klargestellt, dass Herr Abdul M. nicht der gesuchte Täter des CSD-Terroranschlags sei«, erklärte Preisler dazu. »Somit habe ich zu keinem Zeitpunkt behauptet, Herr Abdul M. sei der Täter und / oder der Tatverdächtigte des CSD-Terroranschlags.«
Aus Preislers Sicht lag also keine Verwechslung vor, vielmehr sei für sie der Tagesspiegel »falsch abgebogen«. Sie betont: »Gerade weil ich vor dem CSD über Abdul M. berichtete, ist es bereits denklogisch ausgeschlossen, dass ich ihn als Täter benannt haben soll. Ich schrieb über Abdul M. am 24. Juli 2026, das CSD-Attentat durch den Islamisten Abdul B. fand am 25. Juli 2026 statt.«
Karoline Preisler kandidiert bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl 2026 für die FDP. Bekannt wurde die Politikerin und Rechtsanwältin durch ihre stillen Gegenproteste bei israelfeindlichen Demonstationen und ihr Engagement gegen Antisemitismus. ja