Musik

So war das Konzert von Kiss in Berlin

Gene Simmons gibt es nur einmal – das Original am Bass mit der langen Zunge. Auch Paul Stanley, Eric Singer und Tommy Thayer sind einmalig. Außer natürlich, die Vier geben ein Konzert, dann kann es schon mal sein, dass beim Karte-Vorzeigen, am Getränkestand oder einfach neben einem plötzlich sehr dünne, sehr geschminkte Männer in sehr hohen Plateauschuhen stehen, die darauf warten, endlich ihre optischen Vorbilder zu sehen – und vor allem zu hören.

So geschehen auch am Donnerstagabend in der Max-Schmeling-Halle – beim letzten Berliner Konzert von Kiss. Am Tag zuvor waren die Hardrocker zum ersten und letzten Mal in Dresden, nun stehen die Musiker auf der Bühne im Prenzlauer Berg.

Pyrotechnik Und dort knallt es, pufft es, rockt es: Das letzte Konzert sollte kein leiser Abschied werden, sondern ein akustisches und pyrotechnisches Knallbonbon. Hits wie »Detroit City«, »Rock and Roll All Nite«, »Lick it up«, »Shout it Out« oder »War Machine« spielen sie – »I was Made for Lovin‘ you«, auch.

Die Fans waren selig, das Make-up sabberte sich von den Gesichtern der Musiker und dank Pyrotechnik wirkte der heiße Berliner Sommerabend draußen wie ein kühler Herbsttag.

Anekdote Stanley hatte nicht zu viel versprochen, als er zu Beginn sagte: »Let’s have a Rock and Roll party. You people know how to get crazy.« Hochgestreckte Arme, bierschwitzende Menschen in voller Hingabe für ihre Band machten auch etwas klamaukige Dinge à la »und jetzt sagt diese Seite mal ›yeah‹« mit, hörten sich kleine Erzählungen wie die über Stanleys Mutter an, die in Berlin geboren wurde, weswegen der Gitarrist und Sänger, wie er betonte, eigentlich sagen könnte: »Ich bin ein Berliner«, was er auch fast akzentfrei tat.

Aber selbst Rocker wie Kiss brauchen zwischendurch eine kurze Verschnaufpause. Jedoch nur, um dann mit doppelt so viel Kraft weiterzusingen, zu tanzen, und sich nicht wirklich zu schonen – nicht vergessen: Die Herren sind teilweise in ihren 70ern!

Wunder Und da kann man dann doch irgendwie mal zur Ruhe kommen. Obwohl es noch ein paar Konzerte sind, bis das Ende des Weges dann auch wirklich erreicht sein wird. Vor dem Abschlusskonzert am 2. Dezember im Madison Square Garden in New York machen die vier noch in Großbritannien, Australien, Dubai und Kanada musikalische Stopps.

Und dann? Die Plateauschuhe in den Schrank stellen? Die Theaterschminke einpacken, die Zunge einrollen? So richtig vorstellbar ist das nicht. Chanukka beginnt fünf Tage nach ihrem New Yorker Konzert: Vielleicht geschieht ja ein Wunder.

Kiss jedenfalls haben Berlin gerockt – das Grollen der Donner war leise nach dem Abschiedskonzert, die zuckenden Blitze am Nachthimmel keine Konkurrenz zur Pyro-Show. Nur der Regen, der wusch alles ab – selbst die Schminke der Stanleys, Simmons, Thayers und Singers im Prenzlauer Berg.

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