Ungarn

Judenfeindlichkeit in Ungarn

Herr Schönberger, vor Kurzem hat der Oberbürgermeister der nodostungarischen Ortschaft Edelény, Oskár Molnár, behauptet, in Israel würde Ungarisch gelehrt, weil die Juden bald Ungarn übernehmen wollten. Wird der Mann nicht ausgelacht?
Leider nimmt ein immer größer werdender Teil der ungarischen Gesellschaft solche Aussagen tatsächlich ernst. Die jüdische Gemeinschaft selbst hat es in den letzten Jahren nicht geschafft, die Menschen über das Judentum zu informieren. Der Umgang des staatlichen Bildungswesens mit der Geschichte der Juden und der Roma war wenig verantwortlich. Wenn jemand so einen unfassbaren Blödsinn erzählen kann, dann müssen wir wirklich darüber nachdenken, was in unserem Land los ist.

Molnár sitzt für die größte ungarische Oppositionspartei Fidesz im Parlament. Haben wir es hier mit einer neuen Qualität von Antisemitismus zu tun?
Es gibt genug Menschen in der ungarischen Gesellschaft, die sehr ungebildet sind. Sie wissen fast nichts über die Gemeinschaft der Juden und der Roma und sind deshalb sehr offen für Aussagen, die ihnen eine verständliche Antwort geben. Das ist sicher nicht die Mehrheit , aber es ist auch keine sehr geringe Anzahl. Viele davon wählen die rechtsradikale Partei Jobbik, die ein Wählerpotenzial von derzeit rund 400.000 Menschen hat.

Molnár warnt vor dem jüdischen Kapital, das »Ungarn verschlingen will«. Kann man sich als Jude in Ungarn überhaupt noch wohl fühlen?
Wir müssen einen Unterschied zwischen verbalen Entgleisungen und physischer Aggression machen. Es gibt keine physische Gewalt gegen Juden, deshalb glaube ich nicht, dass wir hier in Gefahr sind. Nichtsdestotrotz sind die Aussagen von Molnár ein sehr schlechtes Zeichen. Es ist vielleicht das Schlimmste, was bislang gesagt wurde.

Welche Rolle spielt dabei eigentlich die Partei Molnárs, der Fidesz, die die kommenden Wahlen im Frühjahr 2010 sehr wahrscheinlich gewinnen wird?
Das Problem ist, dass die Partei Molnár nicht zum Rücktritt gedrängt hat. Der Fidesz hat sich nicht wirklich von Molnárs Aussagen distanziert. Die Partei möchte die Wahlen gewinnen und braucht deshalb auch die Stimmen der radikalen Rechten. Aber sie steht auch in der Pflicht, die Sicherheit der Minderheiten in Ungarn zu gewährleisten, wenn sie dieses Land regieren wird.

Waren Molnárs Aussagen also schon Teil der Kampagne für die Parlamentswahlen im Frühjahr nächsten Jahres?
Ja, das war sozusagen der Prolog für den Wahlkampf. Es wird sehr spannend sein zu sehen, wie sich der Fidesz im weiteren Verlauf verhalten wird.

Hat das etwas mit dem politischen Rechts-Links-Schema zu tun?
Das rechte Lager versucht immerzu Kritik als politische Kampagne der sozialistischen Partei hinzustellen. Deshalb ist es nahezu unmöglich, mit diesen politischen Kreisen offen über solche Aussagen zu sprechen, auch wenn sie extrem sind.

Gibt es denn keine Bewegungen in Ungarn, die sich gegen diese antisemitischen Strömungen stellen?
Es ist doch so, dass wir es hier nicht nur mit judenfeindlichen, sondern auch mit rassistischen Strömungen gegen die Minderheit der Roma zu tun haben. Allerdings gibt es keine relevanten Gegenbewegungen in der ungarischen Gesellschaft. Ich denke, dass das einmal auf die Tagesordnung der Gesellschaft kommen wird. Bislang gibt es natürlich auf Seiten der jüdischen Gemeinschaft und der Roma Gruppierungen, die sich für deren Belange einsetzen. Aber insgesamt gesehen machen die Befürworter von Minderheitenrechten nur einen sehr geringen Teil der Gesellschaft aus.

Mit dem Geschäftsführer des jüdischen Vereins Marom sprach Andreas Bock.

Washington D.C.

USA wollen Saudi-Arabien 48 moderne F-35-Kampfjets verkaufen

Die Tarnkappenjets gelten als die aktuell modernsten Kampfflugzeuge. Im Nahen Osten waren sie bislang dem US-Verbündeten Israel vorbehalten. Nun zeichnet sich ein geplanter Deal mit Saudi-Arabien ab

 18.09.2026

Magdeburg

AfD will FPÖ-Erfahrungen in Sachsen-Anhalt nutzen

»Von den politischen Erfahrungen der FPÖ können wir sicherlich profitieren«, sagt der Parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Landtagsfraktion

 18.09.2026

Kolumne

Fastenkurse im Bordbistro

Wieder mal Spaß gehabt mit der Deutschen Bahn: Über die Katastrophe eines Weltkonzerns

von Maria Ossowski  16.09.2026

Sachsen-Anhalt

BSW will AfD-Landtagspräsidenten mitwählen

Bundesweit ist es der AfD noch nie gelungen, das Amt eines Parlamentspräsidenten zu übernehmen – auch wenn sie die stärkste Partei war. Das könnte sich in Sachsen-Anhalt jetzt ändern

 08.09.2026

Bayern

Innenminister Herrmann geht von Brandanschlägen auf Rüstungsunternehmen aus

Nach einer Brandattacke auf eine Münchner Baustelle geht Bayerns Innenminister Herrmann von einem Anschlag mit politischem Hintergrund aus - und sieht ein größer werdendes Risiko

 03.09.2026

Berlin

Chabad-Gemeinde feiert 30-jähriges Bestehen

Musik, Street-Food und ein Festakt: Die jüdische Chabad-Gemeinde in Berlin hat ihr 30-jähriges Jubiläum gefeiert. Dabei gab es auch einen virtuellen Ausblick auf ein großes Bauprojekt, das nächstes Jahr starten soll

 30.08.2026

Westjordanland

Auslandspresseverband in Israel fordert Schutz für Journalisten

Gewalttätige Siedler attackieren US-Journalisten im Westjordanland – der Auslandspresseverband warnt vor einem gefährlichen Trend

 30.08.2026

Antisemitismus

Ire in Frankreich verhaftet, nachdem er gedroht hatte, jüdisches Paar zu ermorden

Nachdem der Australier und seine Frau aus dem Tunesien-Urlaub zurück waren, gingen sie zur Polizei

 27.08.2026

Desinformation

Was steckt hinter dem International Burke Institute?

Die KI-Firma OpenAI hat nach eigenen Angaben eine verdeckte russische Beeinflussungskampagne aufgedeckt, die sich als israelisch inszeniert haben soll

 26.08.2026