Etrog-und-Lulav-Markt

Drum prüfe, wer sich etwas bindet

von Peter Bollag

Die beiden Sukkot sind schon vor Tagen im Hof der Baseler Synagoge aufgebaut. Aber die zweite große Mizwa des Laubhüttenfestes, der Einkauf der Arba Minim, der vier Arten – Etrog, Lulav, Hadassim und Arawot, die dann zum Feststrauß zusammengebunden werden, die kann erst wenige Tage vor Sukkot erledigt werden. Denn erst jetzt sind die vier Zutaten aus Israel eingetroffen.
Nicht nur Orthodoxe nehmen das Auswählen von Lulav und Etrog sehr genau. Ist es doch ein Beispiel dafür, dass man eine Miwza nicht nur einfach ausführen kann, sondern sich darum bemüht, dieses Gebot besonders genau zu befolgen. »Hidur et hamizwa«, eine Mizwa zu verschönern, ist hier das Motto.
Zwei Tage vor Jom Kippur versammeln sich nach dem Abendgebet im Hof der Synagoge rund 60 Jungen und Männer sämtlicher religiösen Schattierungen. Einige Jeschiwa-Schüler aus Kriens bei Luzern haben Etrogim und Lulavim auf Tischen, Bänken und in Körben ausgebreitet. Für die Studenten bedeutet der alljährliche Verkauf eine kleine Nebeneinnahme. Zugute kommt ihnen, dass es auch eine »Hidur et hamizwa« ist, freiwillig etwas mehr zu bezahlen als nur den Mindestpreis. Frauen sind bei diesem Geschäft nicht dabei.
In mehreren Schweizer Städten organisiert seit einigen Jahren auch Chabad einen Etrog-Lulav-Verkauf. Mit umgerechnet rund 60 Euro zahlt der Kunde dort für einen Feststrauß etwas weniger als bei den Jeschiwa-Bocherim. Doch weil die Nachfrage groß genug ist, werden beide Anbieter ihre Produkte los. In Basel gehen pro Jahr einige Hundert Feststräuße über die Theke. Das hat auch damit zu tun, dass in orthodoxen Familien meist jedes der männlichen Mitglieder einen eigenen Strauß haben möchte.
Die Auswahl des Etrog beschäftigt die meisten Käufer am längsten. Ein Mann mittleren Alters, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, nimmt sich mehr als 20 Minuten Zeit, um den richtigen Etrog zu finden. Laut Midrasch solle man darauf achten, dass die Frucht keine schwarzen Punkte habe, sagt der Mann, der über die Smicha eines Rabbiners verfügt, den Beruf aber nicht ausübt. Trotz der Vorbereitungen auf Jom Kippur scheint er an diesem Abend alle Zeit der Welt zu haben. »Das könnte auch ein Insekt sein, das wäre problematisch.« Er betrachtet den Etrog von allen Seiten. Erst der vierte, eine ausgereifte und leuchtend gelbe Frucht, findet Gnade vor seinen Augen. Es soll schon Menschen gegeben haben, die die Etrogim mit der Lupe untersuchen, bevor sie sich zum Kauf entscheiden. In Basel tut das an diesem Abend keiner.
Auch beim Lulav gelten strenge Kriterien: Die Doppelblätter dürfen nicht eingerissen sein und auch nicht angetrocknet. »Ein Lulav sollte wie ein Mensch ein Rückgrat haben und leicht gekrümmt sein«, erklärt der Rabbiner, die Brille auf die Stirne zurückgeschoben. Mehrere Male streicht er prüfend über den rutenähnlichen Lulav, dreht und wendet ihn mehrere Male.
Aber auch der penibelste Käufer muss seine Auswahl irgendwann beenden. Denn schon nach einer Dreiviertelstunde beginnen die Jeschiwa-Schüler, ihre Stände wieder abzubauen.

Holocaust-Gedenken

Mendel und Wagner kritisieren Yad-Vashem-Entscheid

In Deutschland sollen zwei Niederlassungen der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem entstehen. Der jüdische Wissenschaftler Meron Mendel und der Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Jens-Christian Wagner, sehen das in Teilen kritisch

 29.05.2026

Reisen

Kein Parkplatz am Ben-Gurion-Flughafen

US-Militärjets blockieren 70 Prozent des Flughafens. Flüge fallen aus, Airlines bleiben weg und kurz vor dem Sommer herrscht große Unsicherheit

von Sabine Brandes  29.05.2026

Diplomatie

Israels Präsident begrüßt ersten Botschafter Somalilands

Als weltweit erstes Land hatte Israel vor einem halben Jahr die muslimisch geprägte Region im Norden Somalias als unabhängigen Staat anerkannt. Jetzt kommt der erste Botschafter nach Israel

 18.05.2026

Internationaler Strafgerichtshof

Bericht: Geheime internationale Haftbefehle gegen Ben-Gvir und andere

»Haaretz« berichtet über mögliche neue Schritte gegen mehrere israelische Minister und Militärvertreter

von Sabine Brandes  17.05.2026

Stuttgart

Die Vorfreude steigt

Die Jüdische Allgemeine berichtet weiterhin live von der Jewrovision. Die Jugendzentren sind inzwischen nach und nach angekommen, das Madrichim-Team empfängt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor Ort. Die Vorfreude auf die Show steigt!

 15.05.2026

Genf

Döpfner fordert beim World Jewish Congress entschlossenen Kampf gegen Antisemitismus

Mit Blick auf die Hamas-Massaker vom 7. Oktober kritisiert der Springer-Chef die Reaktion: »Unmittelbar nachdem die Bilder der Opfer zu sehen waren, begann die Verharmlosung.«

 12.05.2026

In eigener Sache

Wir suchen Verstärkung

Wir suchen zum 1. Juli 2026 einen Politik-Redakteur (m/w/d) in Vollzeit

 07.05.2026

Jerusalem

Israel fordert von Großbritannien mehr Einsatz gegen Antisemitismus

Nach einem weiteren Terrorangriff auf Juden wirft Jerusalem London vor, die Lage nicht mehr unter Kontrolle zu haben. Präsident Herzog: »Es ist an der Zeit, dass die Welt aufwacht.«

 30.04.2026

Polen

Israel fordert Konsequenzen nach Eklat mit Hakenkreuz-Flagge

Im Parlament hatte ein rechtsradikaler Abgeordneter eine israelische Flagge mit einem Hakenkreuz an Stelle des Magen David gezeigt

 22.04.2026