Israels erste Indoor-Skihalle

Drinnen ist Winter

von Sabine Brandes

Israelis lieben den Winter. Den richtig kalten mit Schnee und Eis, versteht sich. Kaum sind die Sonnenschirme und Strandliegen weggepackt, kramen sie ihre Schals und Mützen hervor, wickeln sich ein, dass man meinen könnte, Nahost läge direkt neben Sibirien. Dabei sinkt das Quecksilber selten unter zehn Grad, und Schneeflocken sind fast ausschließlich auf den Golanhöhen zu bewundern. Damit die weiße Pracht zukünftig das ganze Jahr über genossen werden kann, plant die Gilboa-Region jetzt die erste Indoor-Skianlage Israels. In diesem Jahr schon soll sie ihre Pforten öffnen.
Es mag merkwürdig für die Wüsten-
region anmuten, doch Skifahren ist für Is-
raelis nichts Außergewöhnliches. Viele pa-cken Jahr für Jahr ihre supermodernen Ausrüstungen in die Flugzeugbäuche und machen sich auf nach Österreich, Italien oder die Schweiz. Ein, zwei Wochen die Hänge herunterwedeln ist für sie das Größte. In der Schule zählt das Wort »Skiferien« allein als gültige Entschuldigung, das von Lehrern und Direktoren lediglich mit einem wissenden Lächeln bedacht wird. Jene Skifans, die für einen Urlaub im Ausland nicht über das nötige Kleingeld verfügen, machen sich zwischen Januar und März auf in den hohen Norden der Heimat.
Der Berg Hermon, der zu den Golan-
höhen an der Grenze zu Syrien gehört, hat sich mittlerweile zu einem kleinen, aber feinen Skigebiet gemausert. Es lockt auf etwas über 2000 Metern mit 45 hervorragend präparierten Pistenkilometern, diversen Lifts, Restaurants, Skischule und vielen weiteren Annehmlichkeiten, über die auch renommierte Wintersportorte in Europa verfügen. Ziegelgedeckte Pensionen rund um den Hermon können die ausgekühlten Gäste einkehren und sich an bollernden Holzöfen wärmen, ganz wie im europäischen Winter. Doch die Saison ist kurz und die Autoschlangen sind lang. Maximal acht Wochen liegt genügend Schnee, um sich die Skier unterzuschnallen oder die Rodelbahnen herunterdüsen zu können. Vor wenigen Tagen rieselten zwar bereits einige Flocken, doch nicht genug, um die Hänge zu vorzubereiten.
Bald schon sollen die skihungrigen Israelis nicht mehr so lange darben müssen. Die Gilboa-Anlage wird zwölf Monate im Jahr in Betrieb sein, ob Sonnenschein oder Regen vor der Tür. Eigentlich ist diese Region des Jisrael-Tals unweit der Stadt Bet Schean für ihre liebliche Flora be-
rühmt. Im Frühling erwacht die gesamte Blütenpracht, darunter die naturgeschützte purpurfarbene Gilboa-Iris, die einzig an diesem Ort blüht. Danni Atar, Gilboa-Land-
kreisvorsitzender, gibt sich begeistert über das Vorhaben in seiner Region: »Es wird eine einzigartige Attraktion sein. Ich bin mir sicher, dass sie ein absolutes Highlight unseres Landes werden wird.« Wo derzeit noch alles grünt, soll also schon bald das Weiß des Winters dominieren.
Am vergangenen Mittwoch erteilte das Innenministerium die endgültige Genehmigung, 20 Millionen Dollar Baukosten liegen bereit. Die Indoor-Anlage mit Namen »Sha’ar Ha’Gilboa«, Tor zum Gilboa, wird auf etwa 1.500 Metern Höhe gebaut und insgesamt anderthalb Quadratkilometer umfassen. Wann genau sie eröffnet, ist unklar, lediglich das Jahr 2009 wurde als angepeiltes Datum angegeben.
Ein Sessel- und Schlepplift wird dann Skifahrer und Snowboarder den Hügel hinauf transportieren, runter geht’s auf 320 Metern gerader Piste für Anfänger und Fortgeschrittene. Natürlich werden auch Skischule, Restaurants, Cafés und Geschäfte nicht fehlen. Geplant sind zudem beleuchtetes Nachtfahren und ein Touris-tenzentrum mit wechselnden Attraktionen. Hypermoderner Kunstschnee, importiert aus Europa, wird das künstliche Skivergnügen das ganze Jahr über garantieren.
Atar ist sicher, dass die hervorragende Lage, nur eineinhalb Stunden von Tel Aviv entfernt, zahllose Besucher, vor allem aus dem Zentrum, anlocken wird. Aber nicht nur Israelis werden erwartet. Der Politiker will auch ausländische Gäste sehen und hat deshalb bereits Plänen zugestimmt, diverse Pensionen rund um den Komplex zu errichten. »Sha’ar Ha’Gilboa wird der Welt eine weitere erstklassige Skimöglichkeit bieten. Und im Gegenzug wird es unserer Region einen großen Tourismusboom bescheren«, ist er überzeugt.
Itamar Mohr, Snowboardlehrer während der Saison auf dem Berg Hermon, ist genauso enthusiastisch. »Viele Menschen hier lieben das Skifahren, aber leider fällt viel zu wenig Schnee, das ist schade, denn es ist ein toller Sport. Eine Anlage, die immer geöffnet ist, hat Israel wirklich gefehlt. Ich kann es gar nicht abwarten und freue mich wahnsinnig darauf, endlich die Hügel runterzufahren.« Dass eine Anlage wie diese die relativ unberührte Schönheit des Gilboa-Berges und seiner einzigartigen Natur verschandeln oder sogar langfristig bedrohen könnte, wird nicht erwähnt, sollte es Umweltbedenken geben, werden diese geflissentlich ignoriert.
Während Mohr und seine Skifreunde noch auf Schnee warten, können Eisläufer in Tel Aviv schon längst ihre Runden drehen. In der neuen Eishalle gegenüber des Hayarkon-Parks unweit des Zentrums herrscht seit Eröffnung vor wenigen Wo-
chen reger Andrang. Neben dem Kanada-Zentrum in Metulla ist es die zweite Eishalle im Land. In wattierten Jacken mit Handschuhen an den Fingern drehen sie ihre Runden und wärmen sich an heißem Tee oder Glühwein. Gleich nach dem Eislauf locken zahlreiche nahe gelegene Straßencafés, in denen man sich bei 20 Grad oder mehr die Sonne auf die Nase scheinen lassen kann – Wintervergnügen auf israelisch.

New York

Trump ruft Staaten zu Austritt aus Strafgerichtshof auf

Die USA erkennen den IStGH nicht an, der unter anderem gegen Israels Ministerpräsidenten Netanjahu einen Haftbefehl erlassen hat. Jetzt legt der amerikanische Präsident nach

 23.09.2026

Sanktionen

Iran will weiter internationale Ziele anfliegen

Ab Mittwoch sollen iranische Airlines nach Worten der US-Regierung internationale Ziele nicht mehr anfliegen können. Die zivile Luftfahrtbehörde in Teheran widerspricht

 23.09.2026

Gideon Joffe, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin

Berlin

Gideon Joffe: »Mit Elif Eralp wird Geis zur Gärtnerin gemacht«

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde mahnt, dass die Hauptstadt vor massiven Herausforderungen stehe

 22.09.2026

Washington D.C.

USA wollen Saudi-Arabien 48 moderne F-35-Kampfjets verkaufen

Die Tarnkappenjets gelten als die aktuell modernsten Kampfflugzeuge. Im Nahen Osten waren sie bislang dem US-Verbündeten Israel vorbehalten. Nun zeichnet sich ein geplanter Deal mit Saudi-Arabien ab

 18.09.2026

Magdeburg

AfD will FPÖ-Erfahrungen in Sachsen-Anhalt nutzen

»Von den politischen Erfahrungen der FPÖ können wir sicherlich profitieren«, sagt der Parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Landtagsfraktion

 18.09.2026

Kolumne

Fastenkurse im Bordbistro

Wieder mal Spaß gehabt mit der Deutschen Bahn: Über die Katastrophe eines Weltkonzerns

von Maria Ossowski  16.09.2026

Sachsen-Anhalt

BSW will AfD-Landtagspräsidenten mitwählen

Bundesweit ist es der AfD noch nie gelungen, das Amt eines Parlamentspräsidenten zu übernehmen – auch wenn sie die stärkste Partei war. Das könnte sich in Sachsen-Anhalt jetzt ändern

 08.09.2026

Bayern

Innenminister Herrmann geht von Brandanschlägen auf Rüstungsunternehmen aus

Nach einer Brandattacke auf eine Münchner Baustelle geht Bayerns Innenminister Herrmann von einem Anschlag mit politischem Hintergrund aus - und sieht ein größer werdendes Risiko

 03.09.2026

Berlin

Chabad-Gemeinde feiert 30-jähriges Bestehen

Musik, Street-Food und ein Festakt: Die jüdische Chabad-Gemeinde in Berlin hat ihr 30-jähriges Jubiläum gefeiert. Dabei gab es auch einen virtuellen Ausblick auf ein großes Bauprojekt, das nächstes Jahr starten soll

 30.08.2026