Bob Olin

Der unbekannte Weltmeister

von Martin Krauss

Bob Olin wurde nur 48 Jahre alt, er ist nicht gerade reich gestorben, gut ausgesehen hat er auch nicht, und dafür, dass der Mann aus New York Weltmeister im Profiboxen war, kannten ihn erstaunlich wenige Menschen. Ende des vergangenen Jahres wurde Olin aber zusammen mit sechs weiteren Sportpersönlichkeiten in die International Jewish Sports Hall of Fame aufgenommen. Das Museum des jüdischen Sports im israelischen Netanya funktioniert wie die amerikanischen Ruhmeshallen des Sports: Man wird nicht automatisch nach großer Karriere dort aufgenommen, sondern man wird gewählt, quasi auserwählt. Hall of Famer zu sein, bedeutet eine große Ehre.
Bob Olin, geboren 1908, gestorben 1956, hat sie sich verdient. Als halbwegs vorzeigbarer Amateur, der aber nicht für bleibenden Eindruck sorgte, bekam er 1928 einen Profivertrag. Als er sich durchs Leben boxte, war das amerikanische Berufsboxen in einer tiefen Krise, die Kampfbörsen waren niedrig. Allein im Jahr 1929 trat Olin 15 Mal in den Ring und verlor nur einmal – vom Lohn für einen Kampf konnte er nicht einmal einen Monat lang leben.
1934 bekam der Halbschwergewichtler Bob Olin eine große Chance: der Kampf um die Weltmeisterschaft gegen Maxie Rosenbloom. Sowohl Olin als auch Rosenbloom waren Juden, damals galt Boxen als jüdischer Sport – viele junge jüdische Männer versuchten im Ring ihren sozialen Aufstieg. Leo Bodner, früherer Boxpromoter, erinnert sich in dem Buch seines Sohnes Allen When Boxing was a Jewish Sport: »Olin war ein netter Junge. Er wohnte in einem Viertel, wo viele Italiener und Juden lebten, und wenn er in New York boxte, zog er viele Fans an.« Diese Fans waren der Grund, warum Olin, obwohl er sportlich nicht an der Reihe war, 1934 gegen Rosenbloom um den Titel kämpfen durfte.
Rosenbloom, der schon 1984 in die International Jewish Sports Hall of Fame gewählt wurde, hatte 1933 Sportgeschichte geschrieben. Am 10. März 1933 empfing er mit dem Bonner Adolf Heuser erstmals nach der Machtergreifung der Nazis einen deutschen Boxer in New York zu einem Titelkampf. Gerne hätten die NS-Sportpolitiker mit Heuser einen ersten Beweis arischer Überlegenheit präsentiert, aber Ro- senbloom schlug den Deutschen klar. In Deutschland schäumte man. Unter der Überschrift »Ringclown Rosenbloom« wurde der Amerikaner im Fachblatt »Boxsport« als »Backpfeifenweltmeister« beschimpft, der in Europa gewiss keine Gage erhalten hätte. Gegen diesen Maxie Rosenbloom also trat Bob Olin 1934 an – er gewann und wurde Weltmeister.
Der WM-Titel wurde damals von der National Boxing Association (NBA) und der New Yorker Boxkommission vergeben. Auch der europäische Boxverband, die International Boxing Union (IBU), vergab damals Weltmeistertitel, aber in der Praxis erkannte die IBU immer die Titelträger der zwei amerikanischen Verbände an.
Bei Rosenbloom und Olin war der WM-Titel jedoch aus Nazisicht nicht dort, wo er hingehörte: in arischer Hand. Also sorgten führende Boxfunktionäre wie der Leiter des Reichsfachamtes Boxen, Franz Metzner, dafür, dass die europäische IBU mit fadenscheinigen Gründen Bob Olin nicht als Weltmeister akzeptierte.
Auf deutsches Betreiben setzte die IBU eigene WM-Kämpfe an, an denen sich die Deutschen fleißig beteiligten: Im Oktober 1936 verlor der Kieler Adolf Witt gegen den Belgier Gustave Roth, im Januar 1938 unterlag Jupp Besselmann aus Köln gegen Roth, und, endlich, am 25. März 1938 gewann Adolf Heuser in der Berliner Deutschlandhalle den Weltmeistertitel gegen Roth durch K.O. in der siebten Runde. Heuser, genannt die »rheinische Bulldogge«, war damit, mit freundlicher Unterstützung der NS-Sportpolitiker, der zweite deutsche Boxweltmeister nach Max Schmeling. Ein heute nicht ganz zu Unrecht vergessener Titel.
Das peinliche Projekt, rein europäische Weltmeister zu küren, gab die IBU 1938 wieder auf. »Mit meinen Fäusten habe ich mir die Weltmeisterschaft erkämpft«, schimpfte Heuser damals, »am grünen Tisch wird sie mir wieder abgesprochen.«
Bob Olin hatte damit längst nichts mehr zu tun. 1935 verlor er gegen den schwarzen US-Boxer John Henry Lewis seinen Halbschwergewichtstitel. Boxgeschichte hat Olin vor allem geschrieben, weil die Nazis ihn nicht boxen lassen wollten.
In die International Boxing Hall of Fame, die Ruhmeshalle der Boxer im amerikanischen New Jersey, hat man ihn bislang nicht gewählt. Aber mit der Wahl in die Ruhmeshalle des jüdischen Sports wurde Bob Olin posthum eine verdiente Ehre zuteil.
Neben Olin wurden der amerikanische Footballer Lyle Alzado, die körperlich behinderte israelische Schwimmerin Keren Leibowitz, der US-Baseballer Al Schacht, der Basketballschiedsrichter Earl Strom und der Sportjournalist Joe Reichler in die Hall of Fame gewählt.

Die Universität Pennsylvania will nicht auf die Forderung eingehen, Daten jüdischer Mitarbeitenden zu veröffentlichen.

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Die Universität Pennsylvania wehrt sich gegen die Forderung, persönliche Daten jüdischer Mitarbeitender auszuhändigen. Der Fall wird vor einem US-Bundesgericht verhandelt.

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