Meron Mendel

Demokratie muss ihre Feinde kennen

Meron Mendel Foto: picture alliance/dpa

Erika Steinbach ist keine Demokratin, auch wenn sie das behauptet. Seit ich zurückdenken kann, zündelt die frühere CDU-Scharfmacherin an unseren demokratischen Grundfesten und mittlerweile sogar aus prominenter Position heraus – nämlich als Vorsitzende der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung. Ein Blick auf deren Programm und Personal zeigt, dass die Stiftung den gesellschaftlichen Diskurs ständig weiter radikalisieren und bislang unsagbare Positionen – etwa im Hinblick auf die Schoa oder den humanitären Umgang mit Schutzsuchenden – als legitime Haltungen etablieren will.

Jetzt fordert Steinbach sechs Millionen Euro aus dem Bundeshaushalt. Und zwar aus dem Budget, das der Staat für die Finanzierung politischer Stiftungen zur Verfügung stellt und das er damit – eigentlich – der demokratischen Willensbildung und dem Ausbau gesellschaftlicher Vielfalt widmet. Leider besteht das Risiko, dass die Stiftung diese Summe tatsächlich erhält. Denn es existieren keine gesetzlichen Regelungen, keine inhaltlichen Kriterien für die Vergabe dieser Gelder.

PRESSEKONFERENZ Erika Steinbach bewies am Mittwoch vergangener Woche im Interview mit Tilo Jung und einen Tag später in der Bundespressekonferenz in brutaler Offenheit, dass ihr demokratische Prinzipien egal sind. Sie verharmloste rechten Terror mit dem Kommentar, es müsse doch nicht zu Jahren Haft verurteilt werden, wer »irgendeinen Böller auf eine Moschee oder eine Synagoge schießt«.

Steinbach präsentierte Fake News, als sie sagte, dass ihr die staatliche Förderung automatisch zustehe. Denn das ist nicht der Fall.

Von Tilo Jung zum Erasmus-Kuratoriumsmitglied Marc Jongens befragt, der unter Beobachtung des Verfassungsschutzes steht, kommentierte Steinbach dessen antipluralistische Äußerungen: »Das ist eine im Sinne der Meinungsfreiheit zulässige Meinung.« Und sie präsentierte uns Fake News, als sie sagte, dass ihr die staatliche Förderung automatisch zustehe. Denn das ist nicht der Fall.

Der Philosoph Karl Popper warnte davor, unbeschränkte Toleranz gegenüber Intoleranten führe dazu, dass die Toleranten selbst vernichtet werden. Wir waren als Gesellschaft zu lange nachgiebig oder einfach zu gleichgültig gegenüber Steinbachs gezielten Attacken auf die Demokratie. Die Demokratie muss ihre Feinde kennen und glasklar benennen. Wir dürfen für Erika Steinbachs Worte keine Toleranz aufbringen und vor allem nicht ihre Stiftung finanzieren. Wir brauchen ein Stiftungsgesetz – jetzt!

Der Autor ist Direktor der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt.

Westjordanland

Netanjahu schreibt Siedlergewalt einer »Handvoll Kids« zu

Nach Kritik der Trump-Regierung an Israels Vorgehen in der Westbank wiegelt Israels Premierminister ab - und zieht noch mehr Kritik auf sich

 01.01.2026

Israel

Israel führt Gedenktag für marokkanische Juden ein

Die Knesset hat beschlossen, einen Tag zur Erinnerung an die marokkanisch-jüdische Einwanderung zu schaffen

 31.12.2025

Gaza

37 Hilfsorganisationen in Gaza und im Westjordanland droht Lizenz-Entzug

Israel will sich vor Terrorverbindungen in Hilfsorganisationen schützen. Die Einrichtungen warnen vor humanitären Konsequenzen

 31.12.2025

Bulletin

Terrorangriff in Sydney: 20 Verletzte weiter im Krankenhaus

Fünf Patienten befinden sich nach Angaben der Gesundheitsbehörden in kritischem Zustand

 17.12.2025

Terror

Polizei: 9 Tote bei Angriff in Sydney

Was bislang bekannt ist - und was nicht

 14.12.2025

Sydney

Jewish organizations decry the »scourge« of antisemitism

This time the focus is on Australia. It is hosting a conference of the international Jewish initiative »J7.« The group is presenting figures on Jew-hatred on the continent – and speaks of historic highs.

von Leticia Witte  03.12.2025

Kino

Blick auf die Denkerin

50 Jahre nach Hannah Arendts Tod beleuchtet eine Doku das Leben der Philosophin

von Jens Balkenborg  02.12.2025

Thüringen

Verfassungsschutz-Chef schätzt AfD-Jugend als rechtsextrem ein

Die Mitglieder der »Generation Deutschland« würden in ihren ersten Auftritten »weder eine Mäßigung noch eine Distanzierung oder gar Wandlung« zeigen, so Kramer

 02.12.2025

Tel Aviv-Jaffa

Shimon-Peres-Preis wird erstmals in Israel verliehen

60 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen Deutschland und Israel sind der Anlass: Zum ersten Mal wird der Shimon-Peres-Preis für gemeinsame demokratische Vorhaben in Israel feierlich übergeben

von Alexander Riedel  01.12.2025