Kurz vor dem jährlichen Flaggenmarsch vor allem nationalistischer Israelis in der Altstadt von Jerusalem hat der rechtsextreme israelische Minister für nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, am Donnerstag demonstrativ eine israelische Fahne auf dem Tempelberg präsentiert. Dort ließ er sich gemeinsam mit dem Knessetabgeordneten Yizhak Kroizer fotografieren, der wie Ben-Gvir der rechtsextremen Partei »Otzma Jehudit« angehört.
Kroizer schrieb nach diesem Besuch auf dem Areal, das Juden und Muslimen heilig ist, auf Facebook: »Die Zeit ist gekommen, alle Moscheen loszuwerden und dafür zu arbeiten, um den Tempel (wieder) zu erbauen.« In einem Video auf derselben Plattform nahm Kroizer auf den bevorstehenden Wahlkampf in Israel Bezug.
Der zweite jüdische Tempel war im Jahr 70 n.d.Z. von den Römern zerstört worden. Die im Jahr 717 n.d.Z. auf dem Tempelberg eröffnete Al-Aksa-Moschee ist die drittheiligste Stätte des Islam.
Bei Ausschreitungen während des Flaggenmarsches, der traditionell am Vorabend des israelischen Jerusalem-Tags stattfindet – in diesem Jahr fällt dieser auf den 14. Mai, den Tag, an dem im Jahr 1948 Israel gegründet wurde –, wurden unterdessen laut einem Bericht des israelischen Nachrichtensenders »Kan« 13 Menschen festgenommen.
Religiöse Juden riefen israelischen Medien zufolge in der Alstadt anti-arabische Parolen. In einem Videoclip war eine Gruppe zu sehen, die folgenden Gesang anstimmte: »Möge euer Dorf brennen.«
Die Altstadt von Jerusalem war 1948 von Jordanien besetzt und 1967 im Sechstagekrieg von Israel erobert worden. 1980 wurde sie von Israel annektiert. Die Moscheen auf dem Tempelberg werden von der islamischen Religionsbehörde Waqf verwaltet.
Das ultraorthodox geprägte israelische Oberrabbinat verbietet es Juden seit vielen Jahrzehnten, auf dem Tempelberg zu beten, um das Heiligtum nicht zu entweihen. Nationalreligiöse Zionisten stellen diese Position jedoch zunehmend infrage. In den vergangenen Jahren haben immer mehr Juden den Tempelberg zum Gebet aufgesucht. Zu den Moscheen haben seit einigen Jahren nur noch Muslime Zutritt. ag