Kommentar

Wer kann das noch ernst nehmen?

ZDF-Moderatorin Dunja Hayali Foto: picture alliance/dpa

Dunja Hayali blickt ernst in die ZDF-Kamera. Es geht um den 14-Punkte-Plan zum sogenannten Iran-Abkommen. Ab morgen, so die Moderatorin im »heute journal« in der Halbzeit des Deutschland-Spiels an diesem Samstagabend, solle verhandelt werden, obwohl der Plan nicht eingehalten werde, »insbesondere von Israel. Dessen Regierung hält sich nicht an Punkt 1 der Rahmenvereinbarung«.

ZDF-Reporter Carsten Rüger beginnt seinen Bericht aus dem Libanon in ähnlich anklagendem Ton: »Es sind wohl diese Bomben, die das Fass zum Überlaufen bringen.« Und Israel »greife weiter den Libanon an«.

So viel erst einmal an öffentlich-rechtlichem Wahrheitsgeklitter. Mittlerweile sind wir alle so ausgezehrt von den täglichen malignen Meldungen über Israel, dass ein zügiges Umschalten zum Fußball auf Magenta diesen Halbzeitärger erspart hätte. Aber Anmoderation und Exekution von Unwahrheiten und falschen Fakten vor einem Millionenpublikum sind kein ärgerlicher Ausrutscher, sondern gezielte Agitation.

Lesen Sie auch

Erstens hat Israel keinen 14-Punkte-Plan mit dem Iran unterschrieben – zum Glück. Zweitens hat man häufig genug erklärt, sich nicht an dieses Abkommen gebunden zu fühlen, was Hisbollah und die ganze iranische Terror-Armada anbelangt – zum Glück. Daran ändert auch eine Absichtserklärung zu einem weiteren Versuch der Herbeiführung einer Waffenruhe im Südlibanon nichts.

Israel hatte nach einer Terrorattacke, der fünf Soldaten im Libanon zum Opfer fielen, eine gezielte und begrenzte Gegenoperation gegen die Hisbollah durchgeführt – derlei widerspricht im Übrigen einer grundsätzlichen Waffenruhe nicht.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Das wirklich Empörende an diesen Fake News ist allerdings, dass dem »heute journal«-Zuschauer suggeriert wird, Israel torpediere ein für den Weltfrieden entscheidendes Abkommen. Dass sich Israels Premier Netanjahu nicht einem zweiten Münchner Abkommen zu unterwerfen bereit ist, welches Trump und die Mullahs mithilfe sehr fragwürdiger Adjutanten (Pakistan, Katar) dem Judenstaat oktroyiert haben, das wird Israel auch noch angekreidet.

Einmal mehr und immer klarer zeigt sich: Derlei propagandistisches Unterlaufen der Wahrheit ist für das ZDF nicht nur ein erneuter Tiefpunkt der Israel-Berichterstattung, sondern auch ein weiterer empfindlicher Glaubwürdigkeitsverlust. 

Der Autor ist Journalist und lebt in Hamburg.

Terror

Held von Flug FZ1073: Jetzt spricht erstmals der Flydubai-Pilot

Der bei dem Messerangriff in einer Flydubai-Maschine von Dubai nach Tel Aviv verletzte Flugkapitän äußert sich zu den Vorgängen im Cockpit. Er berichtet auch, was ihm Mut gegeben hat

 02.10.2026

Nahost

Flydubai-Drama: Auch VAE-Vertreter spricht von Terror

Aus Israel kam schon früh die Einschätzung, dass es sich bei dem Vorfall um einen Anschlagsversuch handelte. Nun äußert sich ein emiratischer Regierungsvertreter ähnlich

 02.10.2026

Kibbuz Nahal Oz

Drei Jahre nach dem Hamas-Angriff entsteht die Kollektivsiedlung neu

Der 7. Oktober 2023 hat eine tiefe Wunde in die israelischen Gemeinden entlang des Gazastreifens gerissen. Mittlerweile ist der Wiederaufbau in vollem Gange – mit gemischten Gefühlen

von Andrea Krogmann  02.10.2026

Jerusalem

Herzog über mögliche Linken-Regierung in Berlin: »Das ist äußerst verstörend«

Im ausführlichen Interview mit der WELT spricht der israelische Präsident auch über den »Fly Dubai«-Angriff, den Iran und das britische Embargo gegen sein Land

 02.10.2026

Tel Aviv

Nach Geiselhaft: »Das Leben wird nie wieder dasselbe sein«

Am 07. Oktober 2023 überfielen Terroristen aus dem Gazastreifen Grenzorte in Israel. Sie ermordeten und entführten viele Menschen, darunter auch Deutsche. Wie geht es den ehemaligen Geiseln heute?

von Cindy Riechau  02.10.2026

Besuch

Berlins scheidender Regierungschef reist nach Israel

Israels Botschafter in Deutschland äußerte kürzlich Sorge um die Sicherheit der jüdischen Community in der deutschen Hauptstadt. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner reist nun nach Tel Aviv

 02.10.2026

Kommentar

Fair Play – es sei denn, es geht um Israel

Irlands Nationalspieler verweigern Israelis den Handschlag, diskutieren darüber, ob sie überhaupt gegen sie antreten wollen – und die UEFA schweigt. So funktioniert die schleichende Etablierung von Antisemitismus als Akt des vermeintlichen humanitären Widerstandes

von Dorothea Schupelius  02.10.2026

Tel Aviv

»Es ist viel sicherer, mit einer israelischen Airline zu fliegen«

Der Sicherheitsexperte Eyal Tsir Cohen über den Anschlag auf den »Fly Dubai«-Flug, die aktuelle Terrorbedrohung im Luftverkehr und die Effizienz israelischer Maßnahmen

von Detlef David Kauschke  02.10.2026

Tel Aviv

Co-Pilot aus Oman trotz Einreiseverbot mehrfach nach Israel geflogen

Warum wurden Sicherheitsregeln nicht umgesetzt?

 02.10.2026