Antisemitismus

»… geben wir euch keine Ruhe!«

Nach dem Brandanschlag auf ihre Synagoge macht sich unter Wormser Juden Angst breit

20.05.2010 – von Martin KraussMartin Krauss und Katrin RichterKatrin Richter

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Die alten Backsteine an der Synagoge in Worms sind pechschwarz. Rußflecken ziehen sich rund um das Gebäude aus dem 12. Jahrhundert. Über einer Holztür ist ein Fenster eingeworfen. Das sind die Spuren des Brandanschlags, der in der Nacht vom vergangenen Sonntag zum Montag auf das Gotteshaus verübt wurde.

»Wir alle sind sehr schockiert«, sagt Stella Schindler-Siegreich, die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Mainz, zu der auch Worms gehört. »Ich war am Montag fast den ganzen Tag vor Ort – auch abends, als sich viele Wormser zu einer spontanen Mahnwache versammelt hatten, um uns zu unterstützen.«
Etwa 100 Menschen waren zur Synagoge gekommen, um ihrer Trauer und Empörung Ausdruck zu verleihen. Das berührt die Gemeindevorsitzende noch immer und lässt sie hoffen. Aber auch ein anderer Gedanke belastet Schindler-Siegreich: Wie wird es weitergehen mit der Sicherheit?

Dunkle Ecke Bis jetzt vertrat die Gemeindevorsitzende eher ein offenes Konzept. »Ich möchte kein jüdisches Leben hinter Mauern führen« – das ist das Motto der 62-Jährigen. Doch am Abend der Kundgebung sprach sie auch mit Gemeindemitgliedern. »Sie haben Angst und fragen nach Überwachungskameras und einer besseren Ausleuchtung – denn nachts ist die Gegend um die Synagoge schon eine dunkle Ecke«, sagt sie. »Unsere Gemeindemitglieder fürchten sich vor Antisemitismus.« Schindler-Siegreich ahnt, dass sich etwas ändern muss. Bis auf Weiteres schützen 30 zusätzliche Polizisten die Synagoge und andere jüdische Einrichtungen vor Ort.

Außerhalb von Rheinland-Pfalz hat der Brandanschlag wenige Reaktionen hervorgerufen. Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, kritisiert dies scharf: »Ich hätte einen Aufschrei erwartet«, sagt sie der Jüdischen Allgemeinen. Der Anschlag wirke wie eine »Randnotiz in der öffentlichen Debatte«. Zwar verurteilte der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Kurt Beck, die Tat umgehend »aufs Schärfste«, und der Wormser Oberbürgermeister Michael Kissel gab zusammen mit dem Vorsitzenden des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Rheinland-Pfalz, Peter Waldmann, und Stella Schindler-Siegreich eine Erklärung ab, in der sie den Brandanschlag »ein niederträchtiges, verabscheuungswürdiges Verbrechen« nennen. Aber nach weiteren Reaktionen sucht man vergebens.


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