wetter

Entspannte Lage

Wie die Gemeinden mit Schnee, Eis und Kälte zurechtkommen

14.01.2010 – von Elke WittichElke Wittich


Das Kalenderjahr 2010 hat kaum angefangen, da steht einer der Anwärter auf das Wort des Jahres schon fest: Daisy. Auch wenn sich die Warnungen vor dem schneebringenden Tief im Nachhinein als übertrieben entpuppten und das ganz große Chaos ausblieb, brachte Daisy genug Schnee und Eis, um in manchen Regionen für erhebliche Probleme zu sorgen. Bei der jüdischen Gemeinde in Duisburg hatten man sich wegen der Wetterwarnungen bereits Gedanken über die anstehenden Gemeinderatswahlen gemacht. Sollte doch am Sonntag die Sitzung stattfinden, bei der sich alle Kandidaten vorstellen wollten. »Wäre diese Veranstaltung wetterbedingt ausgefallen, hätten wir wo möglich die Wahl verschieben müssen«, erklärte Geschäftsführer Michael Rubinstein.

knappes streugut In Nordrhein-Westfalen war zu diesem Zeitpunkt bereits das Streusalz knapp geworden. »Die Lager sind leer, deswegen werden nur noch die Hauptstraßen gestreut«, hieß es. Kindergartensand, also der Sand, der normalerweise in Buddelkisten kommt, wurde als Alternative empfohlen, und eine solche brauchten die Duisburger auf jeden Fall, denn »der Weg bis zum Eingang ist recht lang, und außerdem müssen unsere Müllcontainer einmal ums Haus gefahren werden. Unser Hausmeister braucht im Moment ganz sicher kein Fitnessstudio, so viel steht mal fest.«

Am Montag dann konnte Rubinstein dann für die bevorstehende Wahl Entwarnung geben. »Die Kandidaten haben sich vorgestellt, niemand musste wegen Wind und Wetter zu Hause bleiben.« Und auch die Gottesdienste konnten stattfinden, »der Minjan kam allerdings mit Ach und Krach zustande, das ist natürlich auch nachvollziehbar, wenn die Leute bei diesen Witterungsverhältnissen auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind.«

Ein großes Problem machen allerdings die Beerdigungen. »Wir hatten leider einen Todesfall«, erzählt Rubinstein. »Nun müssen wir dafür sorgen, dass die Beerdigung stattfinden kann.« Der Friedhof in Mühlheim ist sehr hügelig, »da muss jetzt erst einmal massiv gestreut und geräumt werden, sodass die Wege überhaupt befahrbar und begehbar sind.«

Die Fernsehbilder von der deutschen Ostseeküste hatten beeindruckend ausgesehen, an einigen Stellen drohten sogar die Deiche zu brechen. Das Rostocker Gemeindeleben beeinträchtigte Daisy allerdings kaum. »Die Lage ist entspannt«, berichtet Ilona Jejomin, für die Koordination der sozialen Angebote zuständig, am Montag nach dem Schneesturm. »Das Gemeindezentrum ist gut erreichbar, gerade ist unsere Bibliothek geöffnet, und es sind nicht weniger Leute als sonst da.« Natürlich gebe es wetterbedingt mehr zu tun als sonst im Winter: »Wir streuen, wir räumen, das ist unsere Pflicht. Wenn allerdings noch etwas Unvorhergesehenes passieren würde, wäre das sehr schwer für unseren Etat, denn wir müssen ja jetzt schon jeden Euro vier Mal umdrehen.«



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