Thüringen

Zwischen Purim und Pessach

Tritt in Gera auf: die Band »Folkadu« Foto: Camila Berrio

Thüringen

Zwischen Purim und Pessach

Die Jüdisch-israelischen Kulturtage des Landes finden zum ersten Mal im Frühjahr statt

von Esther Goldberg  09.03.2023 11:57 Uhr

Der Auftakt zu den 31. Jüdisch-israelischen Kulturtagen in Thüringen ist geglückt. Die israelische Sängerin Achinoam Nini alias NOA gab am Mittwoch im Erfurter Zughafen gemeinsam mit dem Gitarristen Gil Dor das Eröffnungskonzert.

Die Sängerin ist vor allem dank ihres Albums »Letters to Bach« in Deutschland bekannt geworden und längst ein Weltstar. Schirmherr des Festivals, das bis zum 23. März stattfindet, ist erneut Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke).

»Wir begehen diese Tage gemeinsam und setzen damit ein deutliches Zeichen gegen Antisemitismus«, erklärte Bodo Ramelow vor der Eröffnung. Dass das älteste jüdische Festival des ostdeutschen Bundeslandes diesmal und auch künftig im Frühjahr stattfindet und nicht wie bisher im Herbst, findet Reinhard Schramm, der gerade erst wiedergewählte Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde, »außerordentlich erfreulich«. »Dass es nun zwischen Purim und Pessach liegt, signalisiert unsere Freude an jüdischem Leben und jüdischer Kultur«, versichert Schramm.

Frühjahr Erst seit dem Jahr 2021 ist die Jüdische Landesgemeinde gemeinsam mit dem Förderverein für jüdisch-israelische Kultur Veranstalter des Events. Und nunmehr das dritte Mal sorgt als Leiter dieses Festivals der Künstler Johannes Gräßer für wachsenden Zuspruch. Gemeinsam mit der Gemeinde, dem Landesrabbiner Alexander Nachama und dem Förderverein hat er die Festtage aus den kalten Herbsttagen ins Frühjahr verlegt.

Insgesamt 50 Veranstaltungen in zehn Städten des Landes zeigen zudem die Vielfalt der Kulturtage, die nunmehr endgültig aus dem Schatten der beiden anderen jüdischen Festivals im Land treten dürften. Vor allem aber sind nun dieses Festival, der Yiddish Summer und die Achava Festspiele gut über das gesamte Jahr verteilt. Angeboten werden Lesungen, Konzerte, Workshops, Rundgänge, Führungen und Talkrunden.

Natürlich nehmen die Kulturtage Bezug auf die Gründung des Staates Israel vor 75 Jahren. Volker Beck, der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, bietet ein Gespräch über »Unsere Freundschaft mit Israel in herausfordernder Zeit« an, Alexander Nachama bittet unter dem Motto »Der Rabbiner lädt ein« in die Synagoge, um über jüdische Feiertage wie Purim und Pessach zu sprechen. Bereits im vorigen Jahr hatte er mit dieser Gesprächsreihe in Thüringen begonnen. Eine Buchvorstellung mit anschließendem Gespräch zur deutschen Justiz zwischen 1943 und 1948 gibt es im »Erinnerungsort Topf & Söhne«.

Nacht Erstmals angeboten wird kommenden Samstag nach dem Schabbat eine »Lange Nacht der Jüdischen Kulturen«. Dafür werden in ganz Thüringen Synagogen und ehemalige Synagogen bis weit nach Mitternacht geöffnet sein. Dort gibt es Führungen, Konzerte und Vorträge. In Erfurt beispielsweise wird der israelische Kalligrafie-Künstler und Sofer Kalman Gavriel Delmoor live zeichnen. Unter dem Motto »Zeichen setzen« geht es in einer Podiumsdiskussion um Erinnerungskultur und neue Gedenkformen für die Opfer des Holocaust.

Jiddische Lieder und Melodien faszinieren Menschen seit Jahrhunderten. Das Duo Alan Bern und Diana Matut bietet die einmalige Gelegenheit, mitzusingen und in die Welt jiddischer Musik einzutauchen. In verschiedenen Konzerten sind auch ukrainisch-jüdische Künstlerinnen zu erleben, wie beispielsweise Kateryna Ostrovska, die ein Programm aus traditionellen Liedern und modernen Vertonungen präsentiert.

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