Bildung

»Zu Toleranz und Akzeptanz beitragen«

Platz für Verbesserungen: Sehr viele Lehrbücher stellen das Thema Judentum nur äußerst rudimentär dar. Foto: Getty Images / istock

Im August vergangenen Jahres hatte Zentralratspräsident Josef Schuster harsche Kritik an der Darstellung des Judentums in deutschen Schulbüchern geübt. Es tauchten zuweilen Bilder auf, die von antisemitischen Stereotypen geprägt seien und damit eher an den »Stürmer« erinnerten, als eine sachliche Darstellung zu bieten. Und es gebe sehr viele Lehrbücher, die das Thema Judentum nur äußerst rudimentär aufzeichneten, sagte Schuster.

Überarbeitung Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) pflichtete der Kritik damals zugleich als Präsident der Kultusministerkonferenz (KMK) bei. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) kündigte an, Schulbücher in seinem Land überprüfen und bei einem Treffen des Kabinetts mit den jüdischen Landesverbänden deren Überarbeitung auf die Tagesordnung setzen zu wollen.

Und in München versprach Bernd Sibler (CSU), damals Kultusminister, besondere Achtsamkeit beim Thema Antisemitismus in Lernmitteln. Sollten Nachfragen oder Informationen zu Unterrichtsmaterial mit dem Vorwurf des Antisemitismus im Ministerium eingehen, werde diesen nachgegangen und der entsprechende Verlag zur Korrektur verpflichtet, so Sibler.

Bildungsmedien Auch der Verband der Bildungsmedien, der führende Zusammenschluss professioneller Bildungsmedienanbieter in Deutschland, reagierte. Gemeinsam mit dem Zentralrat der Juden stellte man fest, dass das Judentum in deutschen Schulbüchern oder in Begleitmaterialien für den Unterricht häufig undifferenziert oder gar verzerrt dargestellt werde.

In Text und Bild werde mitunter ein Eindruck vermittelt, der mit der Realität des jüdischen Lebens in Deutschland und mit jüdischer Religion wenig zu tun habe. Mit dem Ziel, die Schulbücher in dieser Hinsicht zu verbessern, entstand die Idee einer vom Zentralrat gestalteten Workshop-Reihe.

Erwartung Zentralratspräsident Josef Schuster formuliert seine Erwartung so: »Wir möchten sowohl eine generelle Sensibilisierung aufseiten der Verlage erreichen als auch die Autoren konkret fortbilden. Wir sehen in den Workshops die Gelegenheit, fehlerhafte und problematische Inhalte zu dekonstruieren, und sehen eine große Chance, dass die Schulbücher die jüdische Religion künftig in ihrer Vielfalt und Authentizität abbilden.«

Dabei gelte es, bei der Darstellung des Judentums bestimmte »Fallstricke« zu vermeiden: »Zum Teil sind das fehlerhafte Darstellungen der Riten und Feiertage, klischeehafte Bebilderung oder dass das Judentum als Negativfolie zur Darstellung des Christentums benutzt wird.«

»Wir möchten eine Sensibilisierung aufseiten der Verlage erreichen.« Zentralratspräsident Josef Schuster

Die Workshop-Reihe beginnt in dieser Woche. Vorgesehen sind sieben Veranstaltungen, die bis März kommenden Jahres in Dortmund, Bamberg, München, Göttingen und Stuttgart stattfinden. Teilnehmen werden Redakteure und Herausgeber von Schulbuchverlagen, darunter Cornelsen, Klett-Auer sowie Vandenhoeck & Ruprecht.

Ethik In den Workshops soll konkret an den bereits erschienenen Religions- und Ethikbüchern gearbeitet werden. So könne konstruktiv auf problematische und fehlerhafte Darstellungen eingegangen und andere vorgeschlagen werden. Im Anschluss solle ein gemeinsames Dokument der Bildungsmedienverlage und des Zentralrats der Juden entstehen.

Darstellung »Es ist das Selbstverständnis der Verlage, Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern qualitativ abgesichertes, differenziertes und gutes Wissen zugänglich zu machen«, erklärte Ilas Körner-Wellershaus, Vorsitzender des Verbandes Bildungsmedien.

Klischees Dazu gehöre auch, immer wieder die Frage zu stellen, wo Verbesserungs- und Überarbeitungsbedarf besteht. »Aus diesem Grund begrüßt und unterstützt der Verband Bildungsmedien die gemeinsamen Workshops seiner Mitgliedsverlage mit dem Zentralrat der Juden in Deutschland sehr, um so zu einer lebendigen Darstellung und Vermittlung jüdischen Lebens, zum Abbau von Klischees und – gerade in aktuellen Zeiten – zu Toleranz und Akzeptanz beizutragen«, so Ilas Körner-Wellershaus weiter in einer gemeinsamen Mitteilung des Verbandes Bildungsmedien und des Zentralrats.

Josef Schuster unterstreicht dabei nochmals, dass in der Bevölkerung das Wissen über das Judentum zum Teil erschreckend gering oder klischeebehaftet sei. Unwissenheit könne jedoch schnell zu Vorurteilen führen. Es sei wichtig – gerade bei jungen Leuten –, dieser Entwicklung entgegenzuwirken.

Religion »Eine fachlich korrekte und sachgerechte Beschreibung der jüdischen Religion im Schulunterricht leistet dazu einen entscheidenden Beitrag. Wir freuen uns daher sehr über die Möglichkeit, mit Unterstützung des Verbandes Bildungsmedien in direkten Kontakt mit den Schulbuchverlagen zu treten«, so Schuster.

Und bei geplanten Neuerscheinungen stehe der Zentralrat auch über die Workshop-Reihe hinaus als Ansprechpartner zur Verfügung. »Konkrete Kooperationsplanungen ergeben sich möglicherweise direkt im Anschluss an die Workshops. Jetzt starten wir erst einmal!« ja

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