Lindow

Zedern am Wutzsee

Schon auf der Landkarte: der interreligiöse »Garten des Buches« in Brandenburg Foto: Vorland Landschafts- und Freiraumplanung

Lindow im brandenburgischen Landkreis Ostprignitz-Ruppin nordöstlich von Berlin ist ein verträumtes Städtchen, eingebettet in den weitläufigen Naturpark Stechlin-Ruppiner Land. Doch bald schon dürfte es deutlich mehr Besucher als bisher an den Wutzsee ziehen. Denn in Lindow entsteht derzeit ein in der Region bislang einmaliges Projekt: Auf dem historischen Klostergelände direkt hinter der Zisterzienserruine aus dem Jahr 1230 soll es einen »Garten des Buches« als Ort der interreligiösen Begegnung geben.

»Wir wollen hier Pflanzen gedeihen lassen, die gleichermaßen die Bibel, die Tora und der Koran erwähnen«, erklärt Horst Borgmann, Vorsitzender des Stiftkapitels Kloster Lindow, seine Idee hinter dem Projekt. Immerhin würden sich doch alle drei Religionen auf Gründervater Abraham berufen.

mandel Schilder mit Versen aus den heiligen Büchern sollen Pflanzen wie Mandel, Apfel oder Zeder in ihren jeweiligen religiösen Kontext einordnen und erklären. Alle drei Buchreligionen sollen sich willkommen und zu Hause fühlen. »Wir haben so viel gemeinsam«, meint der 75-jährige evangelische Theologe. Aber in den aktuell aufgeheizten Debatten würden immer nur Gegensätze heraufbeschworen.

Der gebürtig aus Dresden stammende Borgmann, der seine Kindheit und Jugend in Lindow verbrachte und inzwischen in Berlin wohnt, hatte die Idee für den Begegnungsgarten. Das Stiftskapitel unterstützte das Projekt von Beginn an und tat sich sogleich nach Finanzierungsmöglichkeiten um. Auch in der Stadtverwaltung von Lindow schätzt und unterstützt man Borgmanns Engagement. Inzwischen sind schon 175.000 Euro zusammengekommen. Damit steht der Begegnungsgarten finanziell auf soliden Füßen.

Der Löwenanteil stammt aus Mitteln eines EU-Programms zur Förderung strukturschwacher ländlicher Räume. Auch Förderer und Sponsoren aus der Region und aus ganz Deutschland unterstützen das Vorhaben. »In Berlin und Brandenburg brauchen wir viel mehr Austausch zwischen den Religionen. Bislang passiert hier eindeutig zu wenig«, meint Theologe Borgmann.

In Berlin entstehe zwar mit dem »House of One« eine überaus symbolträchtige und wichtige interreligiöse Begegnungsstätte. Ihn störe bei dem Projekt aber die Tatsache, dass Christen, Juden und Muslime zwar zukünftig unter einem Dach beten sollen, Kirche, Synagoge und Moschee aber dennoch in getrennten Bereichen des Gebäudes untergebracht sein sollen, erläutert er. »In unserem Garten sind alle drei Religionen zusammen und gleichberechtigt vertreten«, sagt Borgmann überzeugt.

setzlinge Brandenburgs Landesrabbiner Nachum Presman kam im vergangenen Jahr zusammen mit einem Vertreter der muslimischen Gemeinde zum symbolischen ersten Spatenstich nach Lindow. Er findet die Idee »klasse«. »Wir alle sind Kinder von Adam. Wir haben in unseren drei Religionen viele Gemeinsamkeiten, die wir in dem Garten deutlich machen können«, sagt er. Der Dialog mit Menschen verschiedener Herkunft und Religion sei für die jüdischen Gemeinden in Brandenburg sehr wichtig.

Er selbst habe in seiner Arbeit in Potsdam eine Dialog-Initiative mit der muslimischen Community gestartet. Mit den christlichen Kirchen stehe man bereits seit Längerem in regem Austausch. »Juden sollen in Brandenburg frei von Ängsten und gemeinsam mit allen anderen gesellschaftlichen Gruppen in Frieden leben können«, meint Presman. Das Gartenprojekt in Lindow könne mit seinem verbindenden Charakter dazu beitragen. »Ich hoffe, dass Christen, Juden und Muslime in diesem Garten gut zusammenleben können«, sagt Presman.

Wenn mit den Arbeiten alles nach Plan läuft, kann Ende Februar mit der Rodung der Bäume begonnen werden. Ab Herbst sollen Wege angelegt und bepflanzt werden. Die Pflege des Gartens wird die in Lindow beheimatete Salusklinik übernehmen. Im Rahmen des therapeutischen Gärtnerns werden die Klinikmitarbeiter dafür sorgen, dass die jungen Setzlinge gedeihen und wachsen. Anfang 2019 soll der »Garten des Buches« dann seine Pforten für Besucher öffnen. Rabbiner Presman will zu der feierlichen Eröffnungszeremonie auf jeden Fall wieder nach Lindow kommen.

Wahl

»Der Schock sitzt tief«

Jüdinnen und Juden blicken mit großer Skepsis auf eine mögliche Regierungsbeteiligung der Linken. Sie fordern klare Zusagen zum Kampf gegen Antisemitismus

von Christine Schmitt  30.09.2026

Rathaus Neukölln

Berlin

Hillel zieht seine Chanukkia aus dem Rathaus Neukölln ab

Der jüdische Bildungsverein will seine Chanukka-Feier künftig an einem »neutralen Ort« abhalten. Für den scheidenden Bürgermeister Martin Hikel ist die Entscheidung ein Schock

 30.09.2026 Aktualisiert

Programm

Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 1. Oktober bis zum 8. Oktober

 30.09.2026

Chemnitz

Gestohlener Davidstern sichergestellt

Unbekannte hatten laut Polizei in der Dauerausstellung des Lern- und Gedenkortes eine Schautafel beschädigt und den Davidstern mitgenommen

 28.09.2026

Archäologie

Hoffnung auf Latrinen - Grabung legt mittelalterliche Keller frei

Die Funde auf dem Areal der zweiten Jüdischen Gemeinde informieren über das Leben im mittelalterliche Erfurt. Zugleich geben sie Einblicke in die Stadtplanung des 13. Jahrhunderts

von Matthias Thüsing  28.09.2026

Düsseldorf

Attacke auf Juden wird Thema im Landtag NRW

Nach dem antisemitischen Angriff auf einen Juden am vergangenen Dienstag sucht die Polizei weiter nach den Tätern. Nun soll Innenminister Reul (CDU) im Innenausschuss Auskunft geben

 28.09.2026

Architektur

Von Brandenburg nach Haifa

In Finow wird ein historisches Kupfer-Haus restauriert. Einst von Walter Gropius modernisiert, zogen die mobilen, industriell gefertigten Bauten mit ihren Eigentümern bis nach Palästina

von Mark Feldon  27.09.2026

Literatur

Wenn Fiktion zur Geschichtsschreibung wird

Der israelische Bestsellerautor Dror Mishani stellte im Gespräch mit Richard C. Schneider seinen neuen Roman »Nicht« vor

von Nora Niemann  27.09.2026

München

»Ihr Licht ist nicht verloschen«

Die Frauen-Mikwe der Gemeinde trägt seit Kurzem den Namen von Rebbetzin Shoshana Brodman

von Luis Gruhler  27.09.2026