Young Jewish Professionals

»Wir wollen eine Lücke schließen«

Die fünf Buchstaben YJPIM sind kein Wort zum Zungenbrechen, sondern die Abkürzung für ein Projekt, das in München vor etwa zwei Jahren gegründet wurde und sich seitdem munter entwickelt. »Young Jewish Professionals in Munich« lautet der volle Name, der bereits erahnen lässt, worum es geht.

Genauere Erklärungen über das, was sich hinter den »Young Professionals«, jungen Berufstätigen, verbirgt, liefert Mimi Kaminski. Sie ist Ärztin, kam vor einigen Jahren aus Berlin nach München und ist zusammen mit Alisa Rubinstein und Roman Sominsky die treibende Kraft hinter den YJPIM. Das Ziel der drei ist es, eine Lücke zu schließen, die von jungen Juden nicht nur in Bayerns Landeshauptstadt wahrgenommen wird.

maßgeschneidert »Es gibt diverse Freizeitangebote für die unterschiedlichsten Altersgruppen, aber kaum welche maßgeschneidert für Gemeindemitglieder, die ihr Studium schon beendet, jedoch noch keine Familie gegründet haben. Auch diese Altersgruppe sucht Kontakte und Netzwerke«, beschreibt Mimi Kaminski das Manko, dem sie und ihre Mitstreiter zu Leibe rücken wollen.

Eine Initiative namens »Young Jewish Professionals«, die die Lücke schließen soll, hatte der Zentralrat der Juden schon vor einigen Jahren ins Leben gerufen, doch die konkrete Umsetzung geschieht vor Ort, in diesem Fall in München. Von IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch werden derartige Bemühungen unterstützt. »Junge Menschen, die mit beiden Beinen schon im Leben stehen und ihre Berufe ausüben, aber die Zukunft noch zu einem großen Teil vor sich haben, sind eine wichtige Gruppe innerhalb der jüdischen Gemeinde. Sie sind dabei, die Gesellschaft von morgen zu formen«, hebt die IKG-Präsidentin hervor.

Für die »Young Jewish Professionals in Munich« ist die Unterstützung durch die zweitgrößte jüdische Gemeinde in Deutschland und deren Präsidentin sehr willkommen. »Dass wir für unsere letzte Veranstaltung das ›Einstein‹ im Gemeindezentrum nutzen durften, war sehr entgegenkommend und hat uns vieles erleichtert«, freut sich Mimi Kaminski über die enge Verbindung, die die »Young Professionals« zur IKG aufbauen konnten.

White Shabbes Die Veranstaltung, von der sie spricht, war der »Summer White Shabbes«, ein kurzweiliger Abend mit einem Drei-Gänge-Menü, Cocktails, A-cappella-Gesang (Diana Goldberg) – und dem Schweizer Bestseller-Autor Thomas Meyer. Er las aus seinem Bestseller Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse und garantierte dadurch ein Feuerwerk jiddischen Humors. »Es war ein toller Abend«, stellte einer der Gäste hinterher kurz und bündig fest.

Der Abend im »Einstein« zeigte aber auch noch, dass die drei an der Spitze der Initiative, Roman Sominsky, Alisa Rubinstein und Mimi Kaminski, in der richtigen Spur zu liegen scheinen. »Das Interesse an unserer Gruppe«, stellen die drei mit Zufriedenheit fest, »wächst beständig. Diesmal waren mehr als 50 Teilnehmer da. Das ist erfreulich und für uns eine Bestätigung, so weiterzumachen.«

Die YJPIM-Initiatoren, die sich eher zufällig über den Weg liefen und das Projekt gegründet haben, kommen aus völlig unterschiedlichen Berufsfeldern. Mimi Kaminski ist Neurologin, Alisa Rubinstein Wirtschaftsreferentin im Israelischen Konsulat, und Roman Sominsky arbeitet als Unternehmensberater für einen großen Versicherungskonzern. Aber beim Projekt YJPIM ziehen alle drei an einem Strang.

Tegernsee So unterschiedlich ihre Berufe sind, so bunt und vielfältig ist das Programm, das sie bisher in die Tat umgesetzt haben, um sich und jüdischen Gleichgesinnten eine passende Plattform zu liefern. Eine Bootsfahrt über den Tegernsee gehörte zum Beispiel dazu, ein Seminar zum Thema Stressbewältigung von Louis Lewitan, ein »Wine tasting« in einer israelischen Bar oder eine Stadtführung durchs jüdische München.

Beliebig, so die Aussage der YJPIM, sollen die Events keinesfalls sein, sondern bestimmte Ansprüche erfüllen. »An Partys wie aus der Studentenzeit sind wir weniger interessiert«, machen sie deutlich. Dafür darf ein anderes Element nicht fehlen: »Unsere Veranstaltungen haben alle einen jüdischen Bezug.«

Plattformen wie die Münchner YJPIM gibt es vor allem in den USA und England schon seit längerer Zeit, in Deutschland erst seit wenigen Jahren und in einem deutlich kleineren Format. Vorerst setzt die Initiative in München auf die Organisation von Veranstaltungen in der Freizeit und nicht auf ein Netzwerk mit beruflichen Hintergrundinteressen. Das kann sich aber auch noch ändern. »Wir schauen, wie sich das entwickelt, und freuen uns primär über junges jüdisches Leben in München«, geben sich die YJPIM-Initiatoren ganz entspannt.

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