Hamburg

»Wir sind dran!«

Kontakte, Freundschaften, Netzwerke: junge jüdische Erwachsene beim Jugendkongress 2024 in Berlin Foto: Gregor Matthias Zielke

Der Countdown für das erste große jüdische Jugendereignis des Jahres 2025 läuft: Unter dem Motto »Our Turn« (»Wir sind dran«) werden in der Zeit vom 27. Februar bis 2. März in Hamburg junge jüdische Erwachsene zusammenkommen, um ihre Stimme zu erheben und gemeinsam Zukunft zu gestalten. Die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST) organisiert das Event gemeinsam mit dem Zentralrat der Juden für Menschen zwischen 18 und 35 Jahren.

»Der Jugendkongress 2025 soll der jungen Generation gesellschaftliche Perspektiven und Teilhabemöglichkeiten eröffnen«, betont die ZWST in ihrer Ankündigung. In einer Zeit, die von globalen Krisen wie Klimawandel, Antisemitismus und politi­scher Polarisierung geprägt ist, will der Kongress einen geschützten Raum für Dialog und Innovation schaffen.

Ein ambitioniertes Programm

Die Veranstalter haben ein ambitioniertes Programm auf die Beine gestellt, das sowohl intellektuell herausfordert als auch praktische Hilfestellung bietet. Workshops zur Krisenbewältigung, insbesondere zum Umgang mit Antisemitismus und Hassrede in sozialen Medien, stehen dabei im Fokus.

Die Liste der Referenten verspricht inspirierende Begegnungen mit außergewöhnlichen Persönlichkeiten: Yoseph Haddad, ein arabisch-israelischer Journalist und Aktivist, bringt bewegende Erfahrungen mit. Der in Nazareth geborene Christ diente in der Golani-Brigade der israelischen Armee und wurde im Libanonkrieg 2006 schwer verwundet. Nach seiner Genesung gründete er die Organisation »Together – Vouch for Each Other«, die sich für die Integration arabischer Israelis in die israelische Gesellschaft einsetzt. Seine Expertise im Bereich Koexistenz und Dialog zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen macht ihn zu einem wertvollen Impulsgeber für den Kongress.

Ein Highlight verspricht der Auftritt von Igor Levit zu werden.

Mit Aleeza Ben Shalom wird eine Expertin für moderne jüdische Beziehungskultur erwartet. Die amerikanisch-israelische Heiratsvermittlerin, bekannt aus der Net­flix-Serie Jewish Matchmaking, hat bereits über 200 Paare erfolgreich zusammengeführt. Als Autorin des Buches Get Real Get Married: Get Over your Hurdles and Under the Chuppah und internationale Vortragsrednerin verbindet sie traditionelle jüdische Werte mit zeitgemäßen Perspektiven auf Partnerschaft.

Ein Highlight verspricht der Auftritt von Igor Levit zu werden. Der 1987 in Nischni Nowgorod geborene Pianist, der im Alter von acht Jahren nach Deutschland kam, ist nicht nur für seine preisgekrönten Interpretationen klassischer Musik bekannt. Sein entschiedenes Engagement gegen Antisemitismus und für Menschenrechte macht ihn zu einer wichtigen Stimme im gesellschaftlichen Diskurs.

Besonderer Fokus auf der kulturellen Dimension

Die Teilnehmer erwartet in historischer Kulisse ein dichtes Programm aus Diskussionsrunden, in denen unter anderem die Balance zwischen Tradition und Moderne im jüdischen Leben thematisiert wird. Netzwerktreffen bieten die Möglichkeit, Kontakte zu Aktivistinnen und Aktivisten und etablierten Persönlichkeiten aus Politik, Medien und Kultur zu knüpfen. Ein besonderer Fokus liegt auf der kulturellen Dimension: Jüdische Kunst, Musik und Literatur werden als vitale Ausdrucksformen jüdischer Identität präsentiert und diskutiert. Der gemeinsame Schabbat und eine große Party versprechen unvergessliche Momente.

Die Wahl Hamburgs als Veranstaltungsort ist kein Zufall. Die Hansestadt mit ihrer reichen jüdischen Geschichte und ihrer lebendigen Gemeinde bietet einen bedeutungsvollen Rahmen für den Kongress. Die verschiedenen Veranstaltungsorte, darunter Synagogen und kulturelle Zentren, schaffen eine Verbindung von Vergangenheit und Zukunft

Es gibt eine gemeinsame Schabbat-Feier und eine Party.

Der Hamburger Jugendkongress reiht sich in eine bedeutende internationale Tradition ein: Ähnlich wie die Jewish Youth Assembly in den USA oder der European Union of Jewish Students (EUJS) Congress bietet er eine Plattform für länderübergreifenden Austausch. »Gerade die Vernetzung über nationale Grenzen hinweg hat sich in der Vergangenheit als wertvoll erwiesen«, betont die Zentralwohlfahrtsstelle.

Viele ehemalige Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben eigene Initiativen gegründet, die aus den beim Kongress geknüpften Kontakten entstanden sind. Die ZWST, die ebenfalls Programme wie Taglit anbietet, ermöglicht durch die Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern und Förderern bewusst niedrige Teilnahmegebühren. »Wir wollen, dass die Kosten keine Hürde darstellen«, erläutert die Organisation. Die subventionierten Preise – 140 Euro für Übernachtung im Doppelzimmer, 70 Euro ohne Übernachtung, zuzüglich zu tragender Fahrtkosten – beweisen es.

Anmeldung für die Warteliste

Die Bedeutung des Kongresses spiegelt sich in den Erfahrungen früherer Besucher wider. »Die Möglichkeit, jüdische junge Erwachsene aus ganz Deutschland zu treffen, ist einzigartig«, berichtet ein ehemaliger Teilnehmer. Und ein anderer betont: »Ich habe gelernt, wie wichtig es ist, Verantwortung zu übernehmen, nicht nur für mich, sondern auch für meine Gemeinschaft.« Für recht kurz entschlossene Interessenten besteht noch bis zum 6. Februar die Möglichkeit, sich für die Warteliste anzumelden. Die ZWST plant, die beim Kongress entstehende Dynamik auch über die Veranstaltung hinaus zu unterstützen – etwa durch Folgeprojekte und weitere Netzwerktreffen.

Der Jugendkongress 2025 verspricht nicht nur eine Plattform für Dialog und Austausch zu werden, sondern er will auch ein kraftvolles Signal der jungen jüdischen Generation in Deutschland senden. In einer Zeit der Herausforderungen ist dieses Zeichen für Zusammenhalt, Innovation und die aktive Gestaltung der Zukunft umso wichtiger.

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