Bochum

»Widerliche Zerstörungswut«

Die Outdoor-Wanderaustellung mit den lebensgroßen Bildern jüdischer Sportler wurde bereits 2017 in Frankfurt gezeigt. Foto: picture alliance / Frank Rumpenhorst/dpa

Die nordrhein-westfälische Antisemitismusbeauftragte Sabine Leutheusser-Schnarrenberger hat die Beschädigung einer Ausstellung zu jüdischen Sportstars in Bochum als judenfeindliche Tat kritisiert.

»Das ist nicht Vandalismus, das ist widerliche Zerstörungswut aus antisemitischer Überzeugung«, erklärte die frühere Bundesjustizministerin (FDP) Ende vergangener Woche in Düsseldorf. Es sei folgerichtig, dass nun der Staatsschutz ermittelt.

Pogromnacht Unbekannte hatten in der Nacht vom 9. auf den 10. November zwei Figuren der Outdoor-Ausstellung »Zwischen Erfolg und Verfolgung – Jüdische Stars im deutschen Sport bis 1933 und danach« zerstört. Die lebensgroßen Plexiglasfiguren zeigten die Leichtathletin Lilli Henoch und die Turnolympiasieger Alfred und Gustav Felix Flatow.

Bereits in den Wochen zuvor seien die Figur von Walther Bensemann beschädigt und die Stele der Brüder Flatow mit antisemitischen Parolen beschmiert worden, erklärte der Deutsche Fußball-Bund (DFB). Die Wanderausstellung befand sich seit dem 7. Oktober für einen Monat in der Huestraße zwischen Hauptbahnhof und Dr.-Ruer-Platz in Bochum.

Auch Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) hatte die Beschädigung der Ausstellung am 82. Jahrestag der Pogromnacht verurteilt. Übergriffe wie diese zeugten von einer menschenverachtenden Haltung und seien nicht hinnehmbar. Mit der Pogromnacht am 9. November 1938 waren die Nationalsozialisten zur offenen Gewalt gegen Juden übergegangen. Juden wurden misshandelt und Synagogen sowie jüdische Geschäfte und Wohnungen zerstört.

olympischer sportbund »Diese feige Tat trifft ganz Sportdeutschland«, kommentierte Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), den Anschlag auf die Outdoor-Ausstellung in Bochum.

»Wir verurteilen die hinterhältigen Angriffe auf das wichtige Andenken unserer Sportkameraden Lilli Henoch, Alfred und Gustav Felix Flatow und Walther Bensemann auf das Schärfste. Zugleich stehen wir solidarisch mit unseren Mitgliedsverbänden DFB und Makkabi Deutschland und all denen, die sich für die Werte des Sports aktiv einsetzen«, erklärte er auf der Seite des DOSB.

Die Ausstellung feierte 2015 in Berlin Premiere und war seither unter anderem in Frankfurt, Leipzig, Nürnberg, Dortmund und Osnabrück zu sehen. Sie wird vom Zentrum deutsche Sportgeschichte und den Universitäten Potsdam und Hannover verantwortet. epd/dpa/ja

Reaktionen

Zwischen Sorge und Hoffnung

Jüdinnen und Juden mit iranischen Wurzeln verfolgen intensiv die Nachrichten – sie bangen mit den Israelis und hoffen, eines Tages wieder in den Iran reisen zu können. Wir haben uns umgehört

von Katrin Richter, Christine Schmitt  04.03.2026

Thüringen

Doppelkonzert eröffnet Jüdisch-Israelische Kulturtage

Nach stornierten Flügen gelingt dem israelischen Sharon-Mansur-Trio aus Haifa doch noch die Anreise nach Deutschland. Jetzt starten die Jüdisch-Israelischen Kulturtage Thüringen gemeinsam mit israelischen und iranischen Künstlern

 04.03.2026

Daniel Grossmann

»Wir bleiben sichtbar«

Der Münchener Dirigent erhält die Wilhelm-Hausenstein-Ehrung

von Esther Martel  04.03.2026

München

Verbunden aus Überzeugung

Die IKG ehrte Personen, die sich für die jüdische Gemeinschaft einsetzen

von Esther Martel  04.03.2026

Bedrohung

»Abstrakte Gefährdungslage«

Wegen des Kriegs im Nahen Osten sind die jüdischen Gemeinden in Deutschland alarmiert. Zugleich geht der Zentralrat davon aus, dass der Kampf gegen die Mullahs langfristig Sicherheit schafft

von Helmut Kuhn  04.03.2026

»Schir Haschirim« in Berlin

Acht Kapitel Geheimnisse

In der Synagoge Pestalozzistraße wird das Hohelied Salomos in einer Vertonung des israelischen Komponisten Daniel Akiva uraufgeführt

von Christine Schmitt  04.03.2026

Programm

Kleine Großstadtdektive, ein musikalischer Golem und Gespräche: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 5. bis zum 12. März

 03.03.2026

Berlin

Zentralrat der Juden: Das Ende des Mullah-Regimes liegt in unserem nationalen Interesse

Zentralratspräsident Josef Schuster sieht in den militärischen Angriffen der USA und Israels auf den Iran die Chance, das Mullah-Regime endlich zu beenden

von Jürgen Prause  02.03.2026

WIZO

Venedig am Neckar

Purim, Frauentag und gutes tun: der erste Maskenball in Stuttgart

von Brigitte Jähningen, Helmut Kuhn  02.03.2026