Hamburg

Wertvoller Fund

Wurde in einem Antiquitätengeschäft gefunden: die Torakrone aus der 1938 zerstörten Bornplatzsynagoge in Hamburg Foto: dpa

Ein Antiquitätengeschäft bot sie zum Verkauf an: eine seit der Pogromnacht 1938 verschollen geglaubte Torakrone aus der damaligen, von NS-Schergen in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 geschändeten und zerstörten Bornplatzsynagoge. Daniel Sheffer kaufte sie und gab sie der Jüdischen Gemeinde Hamburg zurück, die auch seine Gemeinde ist.

Die silberne Torakrone wiegt 800 Gramm und ist 23 Zentimeter hoch. Sie ist Teil des geraubten und verschollenen Kulturschatzes von Hamburgs ehemaliger Hauptsynagoge, die auf dem heutigen Joseph-Carlebach-Platz neben der Talmud-Tora-Schule stand. Eine Gravur deutet darauf hin, dass die Torakrone dem damaligen Rabbiner Markus Hirsch gewidmet ist.

bornplatzsynagoge Daniel Sheffer stiftete sie der Gemeinde am Montag für die Bornplatzsynagoge, die wiederaufgebaut werden soll. Der 49 Jahre alte Unternehmer verbindet den Fund der Torakrone mit einer Unterschriftensammlung, um den Wiederaufbau der Bornplatzsynagoge zu beschleunigen.

Der Hamburger Senat befürwortete nach dem Attentat auf die Synagoge in Halle 2019 einstimmig den Wiederaufbau von Norddeutschlands damals größter und prunkvollster Synagoge von 1906, nachdem der Bund 600.000 Euro für die Machbarkeitsstudie bereitstellte.

Der Unternehmer Daniel Sheffer initiierte eine Unterschriftenkampagne, um das Verfahren zum Wiederaufbau der Bornplatzsynagoge zu beschleunigen.

Nachdem sie in der Pogromnacht 1938 fast vollständig niedergebrannt war, rissen die Nazis 1939 die restlichen Mauern auf Kosten der Jüdischen Gemeinde ab. Seitdem ist der Platz leer. Zum 50. Jahrestag der Novemberpogrome ließ die Hansestadt ein Bodenrelief mit den Umrissen der Synagoge als Mahnmal auf dem Platz verlegen.

Unterschriftenkampagne Zum 82. Jahrestag der Synagogenschändung beginnen Daniel Sheffer, die Jüdische Gemeinde und die Stadt die Unterschriftenkampagne »Nein zu Antisemitismus. Ja zur Bornplatzsynagoge«.

Bis zum 27. Januar, dem Internationalen Holocaust-Gedenktag, wollen die Initiatoren um Sheffer, Eva Marhenke und Beate Timann vom Evangelischen Kirchenkreis Hamburg-Ost 100.000 Unterschriften für den Wiederaufbau der Bornplatzsynagoge am historischen Ort sammeln, um das Verfahren zu beschleunigen.

Als eine der Ersten unterzeichnete Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank, zuständig für das jüdische Leben in Hamburg, den Aufruf, der das jüdische Leben in Hamburg wieder stärker in den öffentlichen Fokus rücken soll.

»Hamburg hat seit Jahrhunderten eine jüdische Identität. Diese Identität wurde jäh beendet. Das Grindelviertel war das Zentrum jüdischen Lebens, und das Herz des Grindels war die Bornplatzsynagoge. Ihr Fehlen ist eine offene Wunde. Die Bornplatzsynagoge war das Zentrum der jüdischen Gemeinde dieser Stadt und soll es künftig am historischen Ort wieder für alle werden, denn Hamburg hat seit Jahrhunderten auch eine jüdische Identität«, sagte Hamburgs Landesrabbiner Shlomo Bistritzky.

Porträt der Woche

Ich bin dankbar

Svitlana Petrovska überlebte die Nazis – und floh vor Putins Krieg nach Berlin

von Rob Savelberg  06.04.2026

Kahal Adass Jisroel

Platz für die Zukunft

Die Gemeinde in Berlin plant für 26 Millionen Euro ein neues Gemeinde- und Bildungszentrum

von Christine Schmitt  06.04.2026

Schwerin

Ein Denkmal für Willy

Der ehemalige Rabbiner William Wolff wird mit einer Statue geehrt

von Axel Seitz  06.04.2026

»Meet a Jew«

Viele Fragen

Marguerite und Benjamin sind zwei Freiwillige, die im Rahmen des Zentralratsprojektes mit Jugendlichen über das Judentum ins Gespräch kommen. So wie kürzlich in Spandau mit einer Box Mazzot

von Alicia Rust  06.04.2026

Jom Haschoa

Narbe gegen das Vergessen

Wir, die Nachkommen der Zeitzeugen und der Ermordeten, dürfen das Leid unserer Großeltern nicht verstecken – wir müssen dafür sorgen, dass es unseren Kindern erspart bleibt

von Eugene Korsunsky  06.04.2026

Jewrovision

Aller guten Moderatoren sind drei

Jung, dynamisch und schlagfertig: Ein Trio wird im Mai durch die Show führen

von Christine Schmitt  06.04.2026

Neukölln

Rechts und links der Sonnenallee

Ein Stadtspaziergang führt auf jüdischen Spuren durch den ehemaligen Arbeiterbezirk

von Pascal Beck  05.04.2026

Gemeinde

Man kennt sich hier

Die Synagoge Possartstraße bewahrt Traditionen – und richtet sich neu aus

von Esther Martel  04.04.2026

Besuch

»Wir sehen nur die Spitze des Eisbergs«

Daniel Hagari, ehemaliger Sprecher der israelischen Verteidigungsarmee, war in der Jüdischen Gemeinde München zu Gast

von Esther Martel  04.04.2026