Festival

Warum Berlin Israelis anzieht

Berlin ist heute genauso wichtig wie London, Paris und New York, meint Ohad Ben-Ari, Leiter des ID-Festivals. Foto: dpa

Das ID-Festival im Berliner Radialsystem will vom 16. bis 18. Oktober deutsch-israelische Identität hinterfragen. Die Idee dazu hatte der Pianist Ohad Ben-Ari. Sie entstand bei einem Besuch in der Berliner Philharmonie. Ben-Ari war fassungslos, wie viele Musiker aus Israel er dort wiedererkannte. »Ich wollte mit all diesen Israelis ein gutes Orchester gründen – das war meine ursprüngliche Idee«, erzählt der ID-Festivalleiter.

Er hatte Glück: Alle sagten zu, laut Ben-Ari »nicht nur die Crème aus Berlin, sondern aus ganz Deutschland«. Am Ende entstand aus der Idee ein Festival, das mit über 100 Künstlern verschiedener Genres aufwarten kann. In Konzerten, Tanzstücken, Kabarett, Ausstellungen, Filmen und Diskussionen wollen die Künstler dem Status quo der deutsch-israelischen Identität auf den Grund gehen.

image Der Untertitel des Festivals »Auf der Suche nach neuen Traditionen deutsch-israelischer Identität« lässt vermuten, dass sich nicht nur die Anzahl der in Deutschland lebenden Israelis verändert hat, sondern auch deren Einstellung gegenüber ihrer neuen Heimat. Gründe für deren Zuzug sieht Festivalleiter Ben-Ari nicht nur in den finanziellen Vorteilen oder den vergleichsweise geringen Lebenshaltungskosten hierzulande, sondern auch in Berlins Image.

»Berlin war bis in die 30er-Jahre eine Kulturhauptstadt – das ist die Stadt jetzt wieder«, meint der Pianist. Heute sei Berlin genauso wichtig wie London, Paris und New York. Insbesondere für klassische Musiker gebe es die Verbindung zur deutschen Kultur und zu deutschen Komponisten. Das spiegelt sich auch im Programm des Festivals wider, bei dem nicht etwa die Werke israelischer, sondern vor allem deutscher Komponisten erklingen.

Dieser Sinneswandel ist vor allem in den letzten zehn Jahren eingetreten. So gelte etwa Wagner zwar noch immer als politisch inkorrekt, ihn zu spielen, sei aber längst kein Tabu mehr. Um Geschichtsvergessenheit oder finanziellen Opportunismus handelt es sich nicht, wenn Deutschland so positiv gesehen wird. Vielmehr hat sich das »Land der Täter« zum »weltoffenen Staat« gewandelt, der sich seiner finsteren Vergangenheit stellt, meint der Festivalleiter. Dagegen werde Israel von der jungen Generation, bei aller Heimatliebe, nicht mehr nur durch die rosarote Brille gesehen.

ID-Festival: 16. bis 18. Oktober, Radialsystem V, Holzmarktstraße 33

www.idfestival.de

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