Hamburg

Wahre Erlebnisse

»Am 9. November 2005, kurz vor meinem 82. Geburtstag und genau 67 Jahre nach dem von den Nazis organisierten antijüdischen Pogrom in Deutschland vom November 1938, bin ich endlich zu dem Entschluss gelangt, meine persönlichen Erlebnisse während der Nazizeit auch auf Deutsch niederzuschreiben«, notiert der gebürtige Hamburger Nathan Ben-Brith. Jetzt ist daraus ein Buch geworden, das er in Hamburg vorgestellt hat: Mein Gedächtnis nimmt es so wahr. Erinnerungen an den Holocaust.

Als Leonhard Nathan Bundheim wurde er 1923 als ältestes von fünf Kindern der Eheleute Ernst Elasar und Johanna Bundheim geboren. Sie »waren jüdische Orthodoxe und deutsche Staatsbürger von Geburt«. Leonard Nathan verlebte »eine glückliche Kinderzeit«. Trotz orthodoxer Erziehung wuchsen die Geschwister in einem modernen und liberalen deutsch-jüdischen Milieu auf. »Als Hitler 1933 zum Kanzler ernannt wurde, änderte sich die Situation der jüdischen Bevölkerung von einem Tag zum anderen ... unsere christlichen Freunde durften uns nicht mehr besuchen und Nachbarkinder nicht mehr mit uns spielen.« Der Vater wurde verhaftet.

Blackout »Diese Ereignisse müssen mit mir einen großen mentalen Schock, einen Blackout, ausgelöst, da ich von der ganzen Zeit fast gar nichts mehr erinnere«, notiert er. Leonard Nathan wurde mit drei seiner Geschwister auf einem Kindertransport nach Belgien geschickt. Die Mutter blieb mit der Tochter Rosel-Noa in Hamburg zurück, um ihren Ehemann aus der Haft freizubekommen.

Als 16-Jähriger wurde er doch noch interniert, deportiert, kam in Konzentrationslager, es folgten Todesmarsch und Überleben wider alle Wahrscheinlichkeit. Er schreibt: »Heute weiß ich, wie es damals war.« Das macht seine sachlich geschriebenen Erinnerungen zu einem eindrucksvollen Zeitdokument. Untermauert wird es durch Fußnoten und das faktenreiche Nachwort der Historikerin Inge Grolle.

Heute lebt Nathan Ben-Brith in Israel. Er kämpfte in der illegalen Hagana und wurde Berufssoldat. »Damit erreichte ich einen unvorstellbaren Höhepunkt: von einem zum Skelett abgemagerten, von den Nazis unterdrückten Muselmann wurde ich zum Verteidiger des unabhängigen jüdischen Staates.«

Nathan Ben-Brith: »Mein Gedächtnis nimmt es so wahr. Erinnerungen an den Holocaust« (Nachwort Inge Grolle). Reihe: Hamburger Selbstzeugnisse, Bd. 01, 21,90 €

Weimar

Trauer um Raymond Renaud

Der französische Überlebende des NS-Konzentrationslagers Buchenwald wurde 102 Jahre alt

 15.01.2026

Antisemitismus

Schriftstellerin Funk lebt lieber in Tel Aviv

Künstlerinnen und Künstler aus Israel klagen seit Langem über Schwierigkeiten in Deutschland

 15.01.2026

Hamburg

Espresso für die Seele

Der Jugendkongress der ZWST und des Zentralrats ist für viele das Highlight des Jahres. Hier findet eine Generation, die gestalten möchte, Impulse, Gespräche und Resilienz

von Eugen El  15.01.2026

Makkabi

Slalom und Schabbat

Rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen in diesem Jahr zur Wintersport Week in die Südtiroler Alpen

von Helmut Kuhn  15.01.2026

Leipzig

»Jeder Hass macht blind«

Das koschere Café »HaMakom« wurde in der vergangenen Woche angegriffen. Was genau ist passiert? Fragen an den Eigentümer

von Katrin Richter  15.01.2026

Mainz

Neue Ausstellung erinnert an Synagogen, Rabbiner und Matzenbäcker

Vom uralten Grabstein bis zum KI-generierten Rabbiner-Avatar reicht die Spannweite. Die Ausstellung »Shalom am Rhein - 1000 Jahre Judentum in Rheinland-Pfalz« im Landesmuseum Mainz präsentiert so umfangreich wie nie das jüdische Erbe im Land

von Karsten Packeiser  15.01.2026

Hessen

Brandanschlag auf Gießener Synagoge: Was bislang bekannt ist

Ein 32-Jähriger setzte vor der Beith-Jaakov-Synagoge einen Papiercontainer in Brand und zeigte den Hitlergruß. Er wurde von der Haftrichterin in die Psychiatrie eingewiesen

von Michael Thaidigsmann  15.01.2026

Thüringen

Juden fordern klare Haltung zu Iran-Protesten

Der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde in Thüringen, Reinhard Schramm, zeigt sich solidarisch mit den Demonstranten im Iran und wirbt für deren Unterstützung

 14.01.2026

Programm

Lesung, Führung, Erinnerung: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 15. Januar bis zum 22. Januar

 14.01.2026