Berlin

Von allem nur das Beste

Seine Kindheit hat Nick Balik zwischen Weißwürsten und Bagels verlebt – zumindest in kulinarischer Hinsicht. Denn der Deutsch-Amerikaner mit jüdischen Wurzeln wuchs zwischen Starnberg und Los Angeles auf. Vor ein paar Jahren zog er nach Berlin und sammelte hier mit einem eigenen Tattoostudio erste unternehmerische Erfahrungen. Nun hat sich der Mittdreißiger im Prenzlauer Berg einen Traum erfüllt, und der heißt »Schlomo’s Bagels«.

Auf den ersten Blick wirkt der Laden mit den schwarzen Wänden nicht unbedingt besonders einladend: Mit knapp 25 Plätzen, die eng auf zwei Ebenen verteilt sind, eignet er sich jedenfalls nicht gerade für ein romantisches Date. Dennoch werden wohl die meisten Gäste, wenn sie erst einmal einen der variantenreichen Bagels probiert haben, gern wiederkommen. Das hat weniger mit dem Lokal an sich, ganz sicher aber mit der Qualität der dargebotenen Speisen zu tun.

brooklyn Ehe Nick den Laden in der Kollwitzstraße aufgemacht hat, reiste er viel durch die Welt, darunter nach New York und Krakau. In der jüdischen Kultur Polens war das Brot mit dem Loch in der Mitte angeblich erfunden worden. Zahlreiche Legenden ranken sich um die Entstehung des »Bajgl«, wie das Nahrungsmittel auf Jiddisch heißt.

In Manhattan und Brooklyn hat sich Balik durch zahlreiche Bagel-Shops gekostet und dabei vor allem eines festgestellt: was man alles falsch machen kann. Die erfolgreichsten Läden seien nicht etwa die billigsten, so sein Fazit, sondern die mit den besten Zutaten. Und weil er gern die besten Bagels in Berlin anbieten will, suchte er nach exzellenten Lieferanten.

Die wichtigste hat er wohl in Laurel Kratochvila gefunden – von ihr bezieht er seine handgemachten Bagels. Die Backwaren verkauft die junge Amerikanerin, die aus einer säkularen jüdischen Bostoner Familie stammt und mit Bagels aufgewachsen ist, bei »Shakespeare & Sons«, dem Buchladen ihres Mannes Roman, auch an Kunden. Wie einst schon die ersten Bagelbäcker in Krakau, kocht Kratochvila die Teigstücke vor dem Toasten. Vor allem aber verzichtet sie auf die Zugabe von Milch.

karamell So kann Nick Baliks jüdische Kundschaft den Bagel auch durchaus mit fleischigen Speisen kombinieren. Darüber hinaus bietet der kleine Bagelladen vegetarische Varianten an: mit Avocado, Hummus, Cream Cheese oder – ganz klassisch – mit Lachs. 20 Lachssorten hat Nick mit Freunden getestet. Am Ende war der beste Lachs auch der teuerste. Alles andere wird in seiner kleinen Küche selbst gemacht: Hummus zum Beispiel oder eingelegter Tofu mit Erdnusssauce, Roter Bete oder Babyspinat als Grundlage von drei veganen Bagelvarianten.

Wer mit Bagels aus New York oder von der amerikanischen Ostküste verwöhnt ist, kommt bei Bagels mit hauchdünnen Pastrami-Scheiben aus geräuchertem Rindfleisch auf seine Kosten, das Nick Balik von einem Biometzger in Berlin-Friedrichshain bezieht. Und wer lieber Süßes mag, findet eine große Auswahl an duftenden Kuchen und Brotsorten – fluffiges Bananenbrot, Kürbiskuchen mit Schoko- und Karamellsauce und, als Klassiker, American Cheese Cake.

Serviert werden die Bagels und Kuchen auf recycelbaren Papptellern, der Kaffee wird in Bechern aus Maispapier verkauft. Manche Leute holen sich die Bagels, um sie zu Hause zu verzehren, andere sitzen auf einer Art Empore und beobachten beim Essen das Treiben unten in der gut einsehbaren offenen Küche. Was Bagels angeht, gibt es in Berlin derzeit wohl kaum eine bessere Adresse.

Programm

Marathon-Mann, Swingende Hermline und ein festliches Triple in Karlsruhe: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 23. Juli bis zum 30. Juli

 22.07.2026

Projekt

Ein Denkmal für gefallene Soldaten und ermordete Juden

Ein Dorf will mit einer Gedenkstätte an die Opfer der NS-Zeit erinnern. Das geplante gemeinsame Gedenken an gefallene Soldaten und ermordete Juden ruft ein unterschiedliches Echo hervor

von Jens Bayer-Grimm  21.07.2026

Berlin

Jüdisch, Queer, Selbstbewusst

Der »Pride-Shabbat« des Vereins Keshet Deutschland zeigt auch in diesem Jahr wieder, dass jüdisches und queeres Leben zusammengehören

von Leon Stork  20.07.2026

Pforzheim

Die vergessene jüdische Geschichte der Goldstadt

Vom Schwarzwald aus verkauften Juden einst Schmuck in die ganze Welt. Erst langsam wird diese Geschichte aufgearbeitet. Sie ist nicht immer glänzend – und auch noch nicht vorbei

von Mascha Malburg  20.07.2026

Porträt der Woche

»Ich wollte zum Ursprung«

Richard Ernst konvertierte zum Judentum, wurde Gärtner und Hobbymaler

von Anja Bochtler  18.07.2026

Würdigung

Im Einsatz für die Demokratie

Minister Georg Eisenreich zeichnete Engagierte in Justiz und Polizei mit dem Fritz-Neuland-Gedächtnispreis aus

von Luis Gruhler  18.07.2026

München

Bücher für alle

Der Literaturwissenschaftler Nathan Cohen sprach im Rahmen der Scholem-Alejchem-Reihe über populäre jiddische Literatur in Osteuropa

von Nora Niemann  18.07.2026

Stadtführung

Tatort Scheunenviertel

Kleinkriminelle, Arbeiter und Ostjuden – der Historiker Dmitry Kudinov zeigt die bewegte Geschichte eines hippen Teils von Berlin, der vor rund 100 Jahren alles andere als gentrifiziert war

von Alicia Rust  17.07.2026

Recklinghausen

Wie der Fußball Eddy rettete

Die Jüdische Gemeinde und Schulen der Region trugen den Emanuel-Schaffer-Cup aus – in Erinnerung an den legendären israelischen Trainer

von Martin Krauß  16.07.2026