Makkabiade

Viele Medaillen und ein Bär

Der Medaillenturm wurde immer höher. Nach der ersten Wettkampfwoche war er schon größer als bei der Maccabiah vor vier Jahren. Denn da konnten sich die deutschen Sportler noch 19 Edelmetalle erkämpfen. Jetzt blieb er nach zwei Wochen Wettkämpfen bei einer Höhe von 46 aufeinander gestapelten Medaillen stehen.

Auch die Zahl der Fotos, die den Moment verewigen, in denen die Sportler eine deutsche Fahne bei den Siegerehrungen hochhalten und in eine Medaille beißen, nahm ebenfalls zu. Und am Montagabend endete die Maccabiah in Jerusalem mit einer gigantischen Abschlussfeier. Einzige Kritik an den Spielen: Die Bereitstellung eines aktuellen Medaillenspiegels hat nicht funktioniert. Es ist also unklar, an welcher Stelle Deutschland in der Rangliste steht.

Immerhin so viel ist sicher: Goldmedaillen für die deutsche Mannschaft gab es im Tischtennis, beim Fechten, im Schach und beim Golf, Silber für die Tischtennisspieler und Fechter, Schachspieler, Schwimmer, im Squash und Triathlon, und bei Bronze sind auch wieder die Sportarten Fechten, Tischtennis, Schwimmen zahlreich vertreten. Aber auch die Feldhockeymannschaft, Schachspieler und Badminton-Sportler schafften es aufs Treppchen.

Eine besondere Trophäe bekam Fußballerin Sharon Beck überreicht, denn sie hatte mit elf Toren die meisten Bälle im Kasten versenkt und wurde Torschützenkönigin. »Das wichtigste Tor war für mich das 8:0 gegen Argentinien in der 91. Minute«, sagt sie. Zwar hat es letztendlich nicht gereicht, um bei den vorderen Plätzen mitzumischen, aber sie sei mit vielen neuen Erfahrungen und Erlebnissen nach Hause gefahren. »Ich werde die Maccabiah nicht vergessen.«

finanzen »Es gab viele schöne Momente«, sagt auch der Schwimmer Jonathan Ben-Shlomo aus Freiburg, der mit insgesamt fünf Medaillen die meisten für das deutsche Team holte. Darüber freut er sich zwar, aber noch wichtiger ist es ihm, dass die deutsche Mannschaft so gut abgeschnitten hat.

Der 36-Jährige war nicht nur als Sportler im Einsatz, sondern betreute als Trainer noch eine Schwimmerin und fünf weitere Schwimmer, und Ben-Shlomo gehört auch dem Präsidium an; als Volkswirt ist er dort für die Finanzen zuständig. »Ohne die finanzielle Unterstützung des Zentralrats und des Bundesinnenministeriums wäre es kaum möglich gewesen, dass 230 Sportler, Betreuer, Trainer, Funktionäre aus Deutschland an der Maccabiah teilnehmen«, sagt Ben-Shlomo. Mit der Eigenbeteiligung belief sich das Gesamtbudget auf rund eine Million Euro.

Auf die Schwimmwettbewerbe hatte sich Ben-Shlomo in den Mittagspausen seiner Arbeit vorbereiten müssen. Das sei bei den vergangenen Makkabiaden anders gewesen, denn es war nun seine fünfte. 2001 hatte er schon mal eine Medaille gewonnen. »Und vor 20 Jahren sprang ich das erste Mal für Makkabi Deutschland bei der Maccabiah ins Wasser«, sagt der 36-Jährige.

Geschenk Von dem Rahmenprogramm habe er nicht so viel mitbekommen, da er die meiste Zeit in der Halle verbracht habe, erzählt Ben-Shlomo. Als Trainer wollte er schließlich auch seine Jungs und seine Schwimmerin unterstützen. Und dort traf er ja auch etliche Bekannte aus früheren Jahren wieder – und lernte neue kennen. »Aber anstrengend war es schon, ich fühle mich jetzt urlaubsreif.« Eine Medaille werde er seinem Vater schenken, denn der freue sich darüber immer riesig.

Für Ruderer Alex Mirsky aus München hingegen war es die erste Maccabiah. »Aber ich war bei den EMG als Volunteer dabei, und da war ich so begeistert, dass es von da an mein Traum war, hier mitzumachen.« Der Traum ging in Erfüllung. Mirsky mag besonders die Herzlichkeit und das Miteinander. »Es ist einfach genial hier.« In Tel Aviv hatte er die ersten Tage in einem Ruderklub trainiert, danach ging es an den Kinneret, wo er weiter trainierte und schließlich auch startete. »Die Rennen waren hervorragend, aber die Konkurrenz sehr stark«, lautet seine Bilanz. Das schönste Erlebnis war für Mirsky, in einem Vierer zu starten. Mit ihm saßen Ruderer aus Russland, England und Australien im Boot – sie holten gemeinsam den dritten Platz.

vater-tochter Drei Goldmedaillen und eine bronzene hat der Fechter Peter Marduchajew aus Dortmund geholt. Und auch seine Tochter Maria Marduhaev hatte sich qualifiziert, fuhr mit, und nun kommt sie mit zwei Silbermedaillen nach Hause. »Ich kann mir nicht vorstellen, mit jemand anderem zur Maccabiah zu fahren als mit meinem Vater, der mich zum Fechten inspiriert hat«, sagt Maria. Nun seien sie stolz aufeinander. »Die Abschlussfeier war für mich etwas Einzigartiges. Es hat sich nicht wie ein Abschluss von etwas angefühlt, sondern vielmehr das Gefühl, Teil einer großen Mischpacha, einer Familie zu sein, gestärkt.« Ihr nächstes Ziel: die Europäischen Makkabi-Spiele 2019 in Budapest.

Superheiß sei es in dem weiß-blauen Bärenkostüm für ihn gewesen, sagt Semon Shabaev aus Berlin, der als Maskottchen in der ersten Woche immer mit auf den Sportplätzen war. Auch er hat viele neue Menschen kennengelernt. Es war für ihn eine große Ehre, bei der deutschen Delegation dabei sein zu können, so der Schüler. Eines glaubt er allerdings auch: Auf die Ergebnisse hatte seine Anfeuerung keine Auswirkung.

Aber auf die Stimmung schon. Wenn man das Maskottchen sah, bekam man gute Laune, sei ihm immer wieder gesagt worden. »Es kamen ganz viele und gaben mir die Hand und wollten Fotos mit mir machen«, sagt der 17-Jährige. Er war übrigens einzigartig, denn kein anderes Land hatte ein Maskottchen mitgeschickt. »Und mir hat es so viel Spaß gebracht, dass ich in vier Jahren noch einmal in das Bärenkostüm schlüpfen würde.«

Hellerau

Tscheburaschka und WBS70

Die Ausstellung »Jüdische Ossis IV – Räume der Freiheit und des Rückzugs« stellt Fragen nach privater und öffentlicher Identität

von Katrin Richter  22.09.2026

Hillel

»Man fühlt sich bei uns willkommen«

Die neue Geschäftsführerin Liora Jaffe über das Zuhören, Visionen und Aha-Momente

von Christine Schmitt  22.09.2026

Wuppertal

Brandanschlag auf Synagoge: Frauen weggeschickt

Mitten am Tag soll ein 37-jähriger Afghane einen Brandsatz an der Bergischen Synagoge gezündet und sich danach antisemitisch geäußert haben. Vorher soll er zwei Passantinnen weggeschickt haben

 22.09.2026

Deutschland

»Existenzgefahr für Berlins Juden«

Die Linke macht immer wieder mit Judenhass und Forderungen nach der Auslöschung Israels von sich reden. Der Wahlsieg der Partei veranlasst nun den israelischen Botschafter zu einer ungewöhnlich deutlichen Stellungnahme

 22.09.2026

Meinung

Berlin bekommt, was es verdient!

Ein Kommentar von Chefredakteur Philipp Peyman Engel zum Erdrutschsieg der Linkspartei in der Hauptstadt

von Philipp Peyman Engel  20.09.2026

Feiertage

Chatima towa, oder was?

Was von Rosch Haschana über Jom Kippur bis Sukkot die korrekte Grußformel ist

von Rabbiner Yaacov Zinvirt  20.09.2026 Aktualisiert

Porträt der Woche

Damit die Namen bleiben

Jorge Steffen ist Germanist und engagiert sich für den Erhalt von Grabsteinen

von Gerhard Haase-Hindenberg  20.09.2026

Sachsen-Anhalt

Halle: Gemeindevorsitzender hat keine Angst vor AfD-Regierung

Max Privorozki kritisiert in einem aktuellen Interview das Geschichtsbild der AfD in Sachsen-Anhalt. Er wolle jedoch abwarten, »was die Partei tatsächlich umsetzen würde«

 20.09.2026

Wuppertal

Brandanschlag auf Synagoge: Staatsanwaltschaft geht von Judenhass aus

Der 37 Jahre alte mutmaßliche Täter soll aus antisemitischen Gründen gehandelt haben

 18.09.2026