Stuttgart

Viel los im Ländle

Mitten in der Stadt: die Synagoge in Stuttgart Foto: imago images/Jan Zawadil

»Nach dürren Monaten, in denen der Pandemie wegen die Kultur massiv lahmgelegt war, laden wir in diesem Jahr wieder zur Vielfalt jüdischer Kultur ein«, sagte Barbara Traub, Vorstandssprecherin der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs (IRGW), am Dienstag bei der Vorstellung des Programms für die 18. Jüdischen Kulturwochen in Stuttgart. »Sehr schmerzlich« sei es gewesen, im vergangenen Jahr nach intensiver Vorbereitung Künstlern teilweise oder ganz absagen zu müssen und Veranstaltungen nur online anbieten zu können.

Am Anfang stand thematisch immer wieder die Zuwanderung im Mittelpunkt der Veranstaltungen. »Wir wollten zeigen, wie lebendig jüdisches Leben in Deutschland wieder geworden war und wie wir immer präsenter in der Gesellschaft wurden«, betonte Barbara Traub.

kooperation Bester Beleg dafür: Immerhin 19 Stuttgarter Kulturinstitutionen kooperieren in diesem Jahr mit dem Veranstalter der Kulturwochen, der IRGW. Insgesamt wird zu 30 Veranstaltungen eingeladen, auch die Stadt fördert neben weiteren Sponsoren die Kulturwochen. Eröffnet werden sie am kommenden Montag mit einem Grußwort von Zentralratspräsident Josef Schuster.

Eingeladen wird zu allem, was bildet, unterhält, nachdenklich oder Spaß macht. So etwa zu einer Lesung mit Joshua Sobol ins Literaturhaus, zu einem Symposium ins Haus der Geschichte, Klezmer-Konzerten in den Hospitalhof und in das Ungarische Kulturinstitut sowie zu einem Dokumentarfilm in das Innenstadtkino Cinema. Neuer Veranstaltungsort ist das Kulturwerk Ost. »Dieses Konzert after Work mit DJ Sivan Neumann aus Frankfurt/Main könnte vor allem junge Besucher ansprechen, von denen es im Stuttgarter Osten viele gibt«, so Traub.

Eingeladen wird zu allem, was bildet, unterhält, nachdenklich oder Spaß macht.

1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland zeigt einerseits zurück zu den Anfängen, stellt aber auch die Frage nach der Zukunft, vor allem im Kontext des aktuellen Antisemitismus. »Wir laden zu Kultur- und nicht zu Antisemitismuswochen ein«, stellt Barbara Traub klar. Und trotzdem: Nicht nur Josef Schuster als Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland wird zur Eröffnung im Haus der Wirtschaft klare Positionen formulieren. Kritische Anmerkungen zu 1700 Jahren jüdisch-christlicher Beziehungen werden auch von Christoph Markschies im Haus der Wirtschaft erwartet.

symposium »Judentum in Zeiten der Pandemien«, titelt ein Symposium im Haus der Geschichte mit Robert Jütte, Iris Ritzmann, Kay-Peter Jankrift und Joel Berger. Und letztlich gibt ein Gespräch mit Michael Kashi, Mitglied des Vorstandes der IRGW, im Friedrich-Eugens-Gymnasium Schülern die Gelegenheit, sich mit jüdischen Biografien zu beschäftigen.

»Etwa 5000 Besucher haben wir vor der Pandemie bei den Kulturwochen gezählt«, sagte Susanne Wetterich bei der Vorstellung des neuen Programms. Diese Zahl werde in diesem Jahr nicht erreicht werden, so die Leiterin des Organisationsteams. Gut besucht aber würden sicher wieder die Synagogenführungen und die Abende zu jüdischer Küche und den Speisegesetzen (mit Kostproben) mit Binah Rosenkranz, Stadtrundfahrten, Quartiersführungen und literarischen Spaziergängen auf den Spuren jüdischen Lebens, so Wetterich.

»Unsere Kulturwochen wollen auch intensiver als bisher über die Architektengemeinschaft Bloch & Guggenheimer und ihre Stuttgarter Bauten informieren«, sagte Barbara Traub. Noch bis 14. November sei dazu eine Ausstellung im Stadtarchiv anzusehen.

Weitere Informationen unter www.irgw.de/kulturwochen

Frankfurt/ Main

Einst Provisorium, heute selbstbewusst

Zum 75. Jubiläum beleuchtet ein Almanach die Geschichte der jüdischen Gemeinde nach der Schoa, ihre inneren Konflikte und ihren Weg zu einem festen Platz in der Stadtgesellschaft

von Leon Stork  15.10.2026

Dresden

Tora-Projekt wird verlängert

Mitten in Dresden wird derzeit in aller Öffentlichkeit eine Tora-Rolle geschrieben. Das Projekt soll jüdisches Leben sichtbar machen. Die Schreiberin sitzt in einem gläsernen Pavillon

 14.10.2026

Gedenken

Vier Stolpersteine erinnern in Erfurt an Familie Rosenblüth

Ein Poesiealbum bewahrte die Erinnerung an eine jüdische Mitschülerin über Generationen. Am 9. November werden in Erfurt vier Stolpersteine für Sara Rosenblüth und ihre drei Töchter verlegt

 14.10.2026

Sachsen-Anhalt

Eine Woche voller Eklats

Nach der Wahl des Landtagspräsidiums bröckelt die »Brandmauer« in der CDU weiter. Das Gedenken in Halle bot einen Vorgeschmack auf ein Land unter AfD-Regierung

von André Anchuelo  14.10.2026

Meilenstein

Endlich Batmizwa

Unsere Autorin hatte vor Kurzem ihren großen Tag. Wie sie sich darauf vorbereitet hat, was ihr Dvar Tora war und wie das Motto ihrer Party lautete, das hat sie uns erzählt

von Madeleine Prinz  13.10.2026

München

Einstimmige Zwiesprache

Kunstexperte Konrad Bernheimer stellte seine Familiengeschichte zwischen Südamerika und Deutschland in Briefen an den Vater vor

von Vivian Rosen  13.10.2026

9. November

Bautzen erinnert an Novemberpogrome 1938

Der Bautzener Kornmarkt war Schauplatz der Novemberpogrome von 1938. Eine temporäre Installation soll am authentischen Ort an NS-Opfer erinnern

 13.10.2026

Berlin

Guy Katz mit Margot-Friedländer-Preis ausgezeichnet

Geehrt wurden neben dem Hochschullehrer, eine Europaschule und ein Projekt des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend

 13.10.2026

Frankfurt

Vielfalt an Stimmen

Erstmals wurde der Georg-Stefan-Troller-Preis vergeben - auch an zwei Journalisten der Jüdischen Allgemeinen

von Anja Baumgart-Pietsch  12.10.2026