Justiz

Verteidiger von Musiker Ofarim fürchten »Schauprozess«

Gil Ofarim Foto: imago/Future Image

Justiz

Verteidiger von Musiker Ofarim fürchten »Schauprozess«

Der Musiker soll sich wegen falscher Verdächtigung und Verleumdung verantworten

 23.09.2022 14:02 Uhr

Vor Beginn des Prozesses gegen den Musiker Gil Ofarim in Leipzig erheben seine Verteidiger schwere Vorwürfe gegen das Landgericht. Eine rechtsstaatliche Wahrheitsfindung stehe nach ihrem Eindruck nicht im Vordergrund, erklärten die Anwälte Alexander Stevens und Markus Hennig am Donnerstagabend in Berlin.

Es sei vielmehr eine »Fortsetzung der bereits erfolgten medialen und politischen Vorverurteilung« zu befürchten. Die Verteidigung vermutet, »dass ein öffentlichkeitswirksamer Schauprozess« gewollt sei. (AZ: 6 KLs 607 Js 56884/21)

Vom Prozessbeginn habe die Verteidigung aus der Presse erfahren, hieß es. Der Beschluss sei bis Donnerstag nicht allen Verteidigern zugegangen. Das Landgericht Leipzig hatte am Mittwoch mitgeteilt, dass der Prozess gegen Ofarim am 24. Oktober beginnen soll.

Der Musiker soll sich wegen falscher Verdächtigung und Verleumdung verantworten. Er soll im vergangenen Jahr wahrheitswidrig behauptet haben, dass ein Mitarbeiter eines Leipziger Hotels ihn aufgefordert habe, seine Kette mit einem Davidstern »wegzupacken«, damit er einchecken könne.

Ofarim hatte dem Hotelmitarbeiter antisemitische Äußerungen vorgeworfen. Die Ermittlungen gegen den Mitarbeiter wurden jedoch eingestellt. Ende März wurde Anklage gegen den Musiker erhoben. epd

Die Hauptverhandlung gegen Gil Ofarim vor dem Landgericht Leipzig beginnt am Montag, dem 24. Oktober, um 9 Uhr. Weitere Termine sind am 25. Oktober, 10. November, 17. November, 21. November, 22. November und 30. November vorgesehen.

Porträt der Woche

»Ich wollte zum Ursprung«

Richard Ernst konvertierte zum Judentum, wurde Gärtner und Hobbymaler

von Anja Bochtler  18.07.2026

Würdigung

Im Einsatz für die Demokratie

Minister Georg Eisenreich zeichnete Engagierte in Justiz und Polizei mit dem Fritz-Neuland-Gedächtnispreis aus

von Luis Gruhler  18.07.2026

München

Bücher für alle

Der Literaturwissenschaftler Nathan Cohen sprach im Rahmen der Scholem-Alejchem-Reihe über populäre jiddische Literatur in Osteuropa

von Nora Niemann  18.07.2026

Stadtführung

Tatort Scheunenviertel

Kleinkriminelle, Arbeiter und Ostjuden – der Historiker Dmitry Kudinov zeigt die bewegte Geschichte eines hippen Teils von Berlin, der vor rund 100 Jahren alles andere als gentrifiziert war

von Alicia Rust  17.07.2026

Recklinghausen

Wie der Fußball Eddy rettete

Die Jüdische Gemeinde und Schulen der Region trugen den Emanuel-Schaffer-Cup aus – in Erinnerung an den legendären israelischen Trainer

von Martin Krauß  16.07.2026

Maccabiah

Momente, Medaillen, Menschen

Nach zwei Wochen ist das größte internationale Sportevent in Jerusalem erfolgreich zu Ende gegangen

von Katrin Richter  15.07.2026

Programm

100 Synagogen, zwei Chemnitzer und ein Eis am Stiel: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 16. Juli bis zum 23. Juli

 15.07.2026

Jahrhundertzeugin

Wie eine Sintiza die Nazizeit überlebte und ihre Heiterkeit rettete

Frieda Daniels ist Hochseilartistin. Sie floh als Sintiza vor der Vernichtung durch die Nationalsozialisten. Als 93-jährige Zeitzeugin war sie nun in Heidelberg zu Gast. Eine außergewöhnliche Lebensgeschichte

von Stefanie Ball  15.07.2026

Interview

Glaubwürdigkeit schaffen

Yuki Ronen Schmidt über die Arbeit von Miphgasch/Begegnung und die eigene Rolle in dem Bildungsarbeitsprojekt

von Pascal Beck  14.07.2026