Verlag

Tradition neu aufgelegt

Passender hätte der Verlag Hentrich & Hentrich seinen Sitz nicht wählen können: In der Wilhelmstraße, nur wenige Schritte von der Topographie des Terrors und dem Jüdischen Museum entfernt, befinden sich die Büroräume in einer ehemaligen Buchbinderei. Trotz aller sichtbaren Spuren der Vergangenheit will Verlegerin und Verlagsinhaberin Nora Pester den Blick auf Gegenwart und Zukunft richten. »Wir wollen jüdisches Leben in all seinen Facetten abbilden, Inspirationen bieten und Debatten anstoßen«, betont sie.

Die jährlich 50 Neuerscheinungen des Verlags, der sich ausschließlich auf jüdische Themen spezialisiert hat, reichen von der beliebten Reihe »Jüdische Miniaturen« bis hin zu spezialisierten Studien, die die Verfolgung einzelner Berufsgruppen während des Nationalsozialismus beleuchten, von neu aufgelegten Kinderbüchern bis hin zu Erstübersetzungen von Büchern aus Lateinamerika.

Spektrum Das breite Spektrum der Titel war bei Gründung des Verlags nicht abzusehen: 1982 hatte Gerhard Hentrich damit begonnen, Bücher zu jüdischen Themen herauszugeben. Er besaß eine der größten Druckereien Berlins – als Verleger hatte er keine Erfahrungen. Doch aufgrund seiner Erlebnisse während des Zweiten Weltkriegs wollte er anhand von Büchern zeigen, wie lebendig das jüdische Leben einst in Deutschland war. Im Alleingang führte Hentrich den Verlag bis Ende 2009, »ohne Computer«, wie Nora Pester anmerkt.

Am 1. Januar 2010 übernahm sie die Leitung des Verlags – wenige Wochen, nachdem Hentrich gestorben war. Die ausschließliche Behandlung jüdischer Themen empfindet sie nicht als Schwierigkeit, sondern als Alleinstellungsmerkmal.

Veranstaltungen Mit seinem Programm hat sich Hentrich & Hentrich in den vergangenen Jahren als Netzwerk für jüdische Themen etabliert: Auf der Suche nach Kontakten und Personen ist der Verlag mittlerweile eine beliebte Anlaufstelle. Dies kommt nicht zuletzt bei den zahlreichen Veranstaltungen zum Tragen, die entweder allein oder in Kooperation mit Institutionen wie dem Centrum Judaicum, dem Zentralrat der Juden oder jüdischen Gemeinden veranstaltet werden.

Klassische Lesungen sind allerdings selten. »Ich schlafe bei so etwas immer ein«, gibt Pester zu. In Zukunft will der Verlag noch stärker als bisher den Blick über den Tellerrand wagen, indem zum Beispiel über das jüdische Leben im Ausland berichtet wird. Dazu gehört auch, dass noch mehr Titel in Fremdsprachen erscheinen, bislang wurden bereits Bücher auf Englisch, Russisch und Türkisch herausgegeben.

Uckermark

Stille Weite

Alex Stolze ist Musiker und hat sich in einem Dorf unweit der deutsch-polnischen Grenze einen jüdischen Ort in Brandenburg geschaffen

von Katrin Richter  18.01.2026

Berlin

»Meine Überraschung war die Rosenblütenkonfitüre«

Laurel Kratochvila backt Challa, Rugelach und Bagels. Nun hat sie ein Buch über polnische Backkunst geschrieben, das die »New York Times« prämiert hat. Eine Reise in die Familiengeschichte und an den Straßenrand

von Katrin Richter  18.01.2026

Grunewald

Friedhof Heerstraße braucht mehr Platz

Die Gemeinde hofft auf die lang erwartete Erweiterung. 1200 neue Grabstellen sind geplant

von Christine Schmitt  18.01.2026

Porträt der Woche

Action als Lebenselixier

Ruth Frenk ist Gesangspädagogin, lebt am Bodensee und fand im Alter die große Liebe

von Matthias Messmer  18.01.2026

Gelnhausen

»Stopp! So geht das nicht!«

Die Stadt wollte das Rabbinerhaus aus dem 16. Jahrhundert verkaufen. Ein Förderverein schritt ein und entwickelt nun ein Konzept als »Ort des Dialogs«

von Eugen El  18.01.2026

Dessau-Roßlau

Buch zur jüdischen Geschichte Anhalts vorgestellt

Ein neues Buch informiert über jüdische Orte in Anhalt und soll zum Besuch anregen

 16.01.2026

Weimar

Trauer um Raymond Renaud

Der französische Überlebende des NS-Konzentrationslagers Buchenwald wurde 102 Jahre alt

 15.01.2026

Antisemitismus

Schriftstellerin Funk lebt lieber in Tel Aviv

Künstlerinnen und Künstler aus Israel klagen seit Langem über Schwierigkeiten in Deutschland

 15.01.2026

Hamburg

Espresso für die Seele

Der Jugendkongress der ZWST und des Zentralrats ist für viele das Highlight des Jahres. Hier findet eine Generation, die gestalten möchte, Impulse, Gespräche und Resilienz

von Eugen El  15.01.2026