Aktion

»Tag der Kippa« in Bonn

Nach Vorbild des Frankfurter »Kippa-Tags« Mitte Mai und Demonstrationen in anderen Städten ruft nun auch Bonn als Zeichen gegen Antisemitismus zu einer Kundgebung auf. Foto: dpa

Nach der antisemitischen Attacke auf einen israelischen Wissenschaftler in der vergangenen Woche im Bonner Hofgarten hat Bonns Bürgermeister Ashok-Alexander Sridharan (CDU) einen »Tag der Kippa« ins Leben gerufen.

»Wir möchten damit ein Zeichen für gesellschaftlichen Zusammenhalt und gegen den wachsenden Antisemitismus setzen«, teilte Sridharan mit. »Niemand, keine Bonnerin und kein Bonner und erst recht kein Gast, sollte sich in unserer Stadt vor Tätlichkeiten fürchten müssen, auch nicht wegen eines religiösen Symbols«, sagte der Politiker.

Marktplatz Die Gedenkstätte Bonn, die örtliche Jüdische Gemeinde und die Arbeitsgemeinschaft der Deutsch-Israelischen Gesellschaft unterstützen die Solidaritätskundgebung am 19. Juli um 15 Uhr auf dem Bonner Marktplatz. Neben Oberbürgermeister Sridharan werden auch die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Margaret Traub, und Martin Frick von den Vereinten Nationen eine Rede auf der Veranstaltung halten.

Traub sagte im Gespräch mit der Jüdischen Allgemeinen: »Ich bin schockiert über den Angriff des palästinensischstämmigen Mannes auf den Kippa tragenden Professor. Seit Jahren sage ich, dass es als Jude zu gefährlich geworden ist, mit Kippa auf die Straße zu gehen – und wurde nicht ernst genommen. Nicht zuletzt dieser Fall zeigt: Wenn wir uns in der Öffentlichkeit als Jude zu erkennen geben, ist die Wahrscheinlichkeit eines Angriffs hoch.«

Über die Solidaritätsaktion der Stadt zeigte Traub sich erfreut: »Das ist genau das richtige Signal. Ich freue mich darüber, dass die Leute Empathie mit der jüdischen Gemeinschaft fühlen.« Künftig komme es aber auch darauf an, jede Form von Judenhass konsequent und entschieden zu bekämpfen.

Vertrauen »Es muss jedem klar sein, dass Antisemitismus und Israelhass in der Gesellschaft geächtet werden«, so Traub. In Bezug auf die Gewalt seitens der Bonner Polizei gegen den Professor sagte Traub: »Ich bin mit den Behörden in regem Austausch. Die Polizei wird aus dem Vorfall zu 100 Prozent die richtigen Schlüsse ziehen. Mein Vertrauen in die Polizei ist groß.«

Am vergangenen Mittwoch war der israelische Hochschulprofessor Yitzhak Melamed nach einem antisemitischen Angriff in Bonn irrtümlich von der Polizei für den Täter gehalten und angegriffen worden. Der Hochschullehrer wirft den Polizisten »brutale Polizeigewalt« und die Verbreitung von Lügen vor.

Die Beamten hätten ihn zu Boden geworfen und ihm mehrmals ins Gesicht geschlagen, sagte der in den USA lebende Philosophieprofessor. Zu dem Vorfall kam es am Mittwoch im Bonner Hofgarten, nachdem ein 20-jähriger Mann mit palästinensischen Wurzeln Melamed die Kippa vom Kopf geschlagen hatte.

Die Polizei gab an, den Wissenschaftler aus Baltimore mit dem Angreifer verwechselt zu haben. Ein Disziplinarverfahren gegen die vier Beamten im Alter von 25 bis 28 Jahren wurde eingeleitet. Der Polizist, der die Schläge gegen den am Boden liegenden Wissenschaftler ausgeteilt haben soll, ist mittlerweile versetzt worden. Aus Neutralitätsgründen übernahm das Polizeipräsidium Köln die Ermittlungen. ja

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