Chabad

Synagoge auf Rädern

Chabad Berlin hat von nun an eine weitere Synagoge. Während sich das Gemeindezentrum Chabads samt Synagoge im Stadtteil Charlottenburg befindet, wird die neu eröffnete überall auftauchen, denn es handelt sich um eine Synagoge auf Rädern – und zwar die erste in Deutschland.

Das Mitzwa Mobil wurde am Sonntag eingeweiht. Es ist mit einer bequemen Sitzgruppe ausgestattet, auf der man sich hervorragend unterhalten kann, denn Kommunikation spielt eine große Rolle. Die fahrende Synagoge hat selbstverständlich eine eigene Torarolle. Natürlich wurde die Mesusa an der Tür ebenso wenig vergessen.

Miteinander »Hier geht es darum, die Toleranz und das Miteinander zu stärken«, sagte Rabbiner Yehuda Teichtal, der Gründer und Vorsitzende von Chabad Berlin, im Gespräch mit der Jüdischen Allgemeinen. »Viele Menschen trauen sich aufgrund der strengen Sicherheitsvorkehrungen nicht, in Synagogen zu gehen.« Die fahrende Synagoge soll Kontakte und einen Austausch ermöglichen, der sonst eher nicht erfolgt.

»Viele Deutsche wissen, was Antisemitismus ist, aber nicht, wer die Juden sind.«

Rabbiner Yehuda Teichtal

»Hier wird ein doppelgleisiges Ziel erreicht«, so Teichtal. »Menschen jüdischen Glaubens haben die Möglichkeit, das Mitzwa Mobil zu betreten, um sich über bevorstehende Feiertage zu informieren und darüber, wie man diese praktizieren und erleben kann.« Der andere Zweck ist fast noch wichtiger: »Menschen aus der allgemeinen Gesellschaft wird Wissen vermittelt. Wissen bringt Toleranz. Ohne Wissen gibt es häufig viele Vorurteile.«

»Bei der Jüdischen Gemeinde Chabad Berlin versuchen wir, ein lebendiges, positives Miteinander zu sichern«, unterstreicht Teichtal. Es gehe darum, Vertrauen zu schaffen, »für ein lebendiges, jüdisches Leben in Deutschland.« Teichtal zufolge wissen viele Deutsche, was Antisemitismus ist, »aber nicht, wer die Juden sind.« Sichtbarkeit sei das Ziel.

Anfragen Die Synagoge auf Rädern soll »in Berlin an verschiedenen Stellen stehen«, wie Rabbiner Teichtal erklärte. Auch wird sie »zu Gemeinden fahren können, in denen es keine festen Synagogen gibt.« Ein aus offensichtlichen Gründen nicht weiter ausgeführtes Sicherheitskonzept hat das Mitzwa Mobil. Nicht alle Standorte sollen im Voraus bekannt gegeben werden. Das Interesse ist groß. »Anfragen aus Stadtverwaltungen und Gemeinden in verschiedenen Bundesländern gibt es bereits«, sagt Rabbiner Teichtal. Alle 16 Bundesländer werden abgedeckt.

Wer sich über das Judentum und seine Traditionen informieren will, ist im Mitzwa Mobil an der richtigen Adresse. Interessierte bekommen Broschüren über die verschiedensten Themen, vom Purim-Fest, das heute beginnt, bis hin zur Beschneidung jüdischer Jungen.

»Es wird hoffentlich mehr mobile Synagogen in Deutschland geben.«

Rabbiner Mendel Brandwine

Gebildet Rabbiner Mendel Brandwine aus Brooklyn, New York, wird mit einem Fahrer an Bord sein. Er soll sowohl Gottesdienste abhalten als auch mit Menschen in der gesamten Republik sprechen. Dies wird zunächst auf Englisch geschehen. »Die Deutschen sind gebildet und sprechen Englisch«, sagt der junge Rabbiner. »Aber ich bin auch dabei, Deutsch zu lernen.«

»Es wird hoffentlich mehr mobile Synagogen in Deutschland geben«, so Rabbi Brandwine. »Ich freue mich darauf, das Selbstbewusstsein des Judentums in Deutschland zu stärken. Positivität ist ebenfalls wichtig.«

Die jüdische Schauspielerin Susan Sideropoulos war Teil der Einweihungszeremonie bei Chabad Lubawitsch Berlin und betrat das Rednerpult: »Als Mensch des öffentlichen Lebens versuche ich, mein jüdisches Leben auf den sozialen Medien sichtbar zu machen, mit den schönen Seiten und den Feiertagen.« Sie versprach, die mobile Synagoge auf ihren Kanälen vorzustellen.

Camper Die fahrende Synagoge hat den Triebkopf eines Citroën Jumper und einen kastenförmigen Aufbau, dessen Sitzgruppen, Mini-Küche und per Knopfdruck ausfahrbare Einstiegsstufe für die Seitentür aus dem Wohnmobil-Bereich bekannt sind. Aber welcher Camper hat schon eine Mesusa und eine Tora?

Ermöglicht wurde der Kauf des 100.000 Euro teuren Fahrzeuges durch drei Berliner Familien, darunter der von Roy Friedling. Mit seiner Familie sei er unlängst in New York im Haus eines Rabbiners gewesen, sagte er dieser Zeitung. »Wir sind rausgekommen und vor dem Haus hat ein Mitzwa Mobil gestanden. Dann haben wir uns alle angeschaut und gesagt: Mensch, das müssen wir eigentlich in Berlin machen.« So kam es dann auch.

Die erste Synagoge auf Rädern in Deutschland fuhr gleich nach der Einweihungszeremonie los. Damit ist das Judentum ab sofort noch etwas präsenter als zuvor.

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