Pessach

Symbol der Hoffnung

Es gibt allemal Gründe, an Pessach positiv und optimistisch nach vorn zu blicken und wertzuschätzen, was wir heute haben. Foto: Marina Maisel

Es sind unruhige Zeiten, in denen wir uns derzeit auf Pessach vorbereiten. Das Fest der Freiheit werden viele von uns in diesem Jahr ungewohnt eingeschränkt feiern: im sehr kleinen Kreis, oft in Abwesenheit älterer Familienmitglieder, und auch in vielen Fällen nicht völlig frei von Angst. Die sehr weitreichenden Maßnahmen zur Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie machen auch vor lieb gewonnenen Gewohnheiten nicht halt.

Ich brauche Ihnen nicht zu sagen, dass unsere Kultusgemeinde und erst recht das jüdische Volk schon weit größere Herausforderungen gemeistert und weit schwierigere Prüfungen bestanden haben als diese Krise. Als Mitglieder der jüdischen Gemeinschaft wissen wir genau: Auch diese schwierigen Zeiten werden vorübergehen.

Sieg Auch wenn diese Situation ungewohnt ist: An der monumentalen Bedeutung von Pessach für uns ändert sie nichts. Der ehemalige Oberrabbiner von Großbritannien, Sir Jonathan Sacks, hat diese Bedeutung perfekt auf den Punkt gebracht.

Die Geschichte von Pessach, schreibt er, erzähle vom Sieg des Möglichen über das Wahrscheinliche: »Pessach beschreibt, was es heißt, jüdisch zu sein: ein lebendes Symbol der Hoffnung.«

zukunft Mit Hoffnung will auch ich in diesem Frühling meinen Blick in die Zukunft richten. Nicht zuletzt, weil es allemal Gründe gibt, positiv und optimistisch nach vorn zu blicken und wertzuschätzen, was wir heute haben – Corona hin oder her.

Dazu passt, dass just diese ersten Monate des Jahres 2020 von einer Reihe von Gedenktagen geprägt sind. Diese Tage erinnern uns an die Zeit vor 75 Jahren, als mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs auch das Ende des nationalsozialistischen Terrorregimes und des von ihm begangenen Völkermordes an den europäischen Juden immer näher rückte.

Ein erstes solches Datum konnten wir Ende Januar gemeinsam begehen, als die Welt an den 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau erinnerte – ein Ort, dessen Name bis heute als Synonym für den deutschen Zivilisationsbruch des Holocaust steht. Auch die zahlreichen jüdischen Veteranen haben ihren Beitrag dazu geleistet, dieses Morden zu beenden. Das werden wir ihnen niemals vergessen!

Befreiung Diese schmerzhafte Geschichte werden wir uns mit dem Jahrestag der Befreiung des Lagers Dachau und schließlich des Kriegsendes selbst Ende April und Anfang Mai erneut ins Gedächtnis rufen – auch wenn die Gedenkveranstaltungen leider nicht stattfinden können.

Aber wir erinnern nicht nur an das Elend und die Verfolgung, sondern auch und besonders an den Wiederbeginn der Freiheit, die ihr ein Ende machte; wir erinnern an den Sieg des Lebens über den Tod. Wie alljährlich zu Pessach erinnern wir daran, dass die Feinde des jüdischen Volkes am Ende niemals gewinnen werden.

Die zentrale Botschaft von Pessach gibt auch in der heutigen Zeit Mut und Kraft.

Diese zentrale Botschaft muss uns auch in der heutigen Zeit Mut und Kraft geben. Selbst heute, da der Judenhass überall auf der Welt und leider auch in Deutschland weiter zunimmt. Selbst heute, da der politische Rechts­extremismus ebenso wie rechtsextremer Terror in unserem Land ihr hässliches Haupt höher heben als je zuvor seit 1945, als der Albtraum für die jüdischen Menschen endete. Selbst heute, da die Gemeinde mehr und mehr tun muss, um Sicherheit für sich und ihre Mitglieder zu garantieren.

zuversicht Ich erlaube mir diese Zuversicht unter anderem auch, weil wir 2020 noch einen weiteren wichtigen Jahrestag feiern: Die Wiedergründung der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern jährt sich im Juli ebenfalls zum 75. Mal.

Menschen, die die Hölle auf Erden durchlebt hatten, kamen damals in einer zerstörten Stadt zusammen, um ein fast ausgelöschtes jüdisches Leben zu bewahren, wiederaufzubauen und weiterzugeben. Diese Menschen waren der Sieg des Möglichen über das Wahrscheinliche. Sie wollten, um mit Rabbiner Sacks zu sprechen, lebende Symbole der Hoffnung sein.

Gebet Diese Geschichte lebt in unserer Kultusgemeinde jeden Tag sichtbar weiter. Mit jedem Gebet in unserer Synagoge, mit jedem Besuch im Gemeindezentrum, mit jedem Kiddusch, jeder kulturellen Veranstaltung, jeder Lesung, jeder Peulah im Jugendzentrum und jedem Kind, das in unseren Schulen die jüdische Tradition kennenlernt, schreiben wir die Chronik unserer Gemeinde weiter und die Geschichte des Überlebens, die jeder und jede von uns symbolisiert. Darauf können, darauf müssen wir stolz sein.

Natürlich darf dieser Stolz uns heute nicht blind machen für die großen Herausforderungen, vor denen wir stehen. Jüdisches Leben in den beginnenden 20er-Jahren auf eine feste Grundlage zu stellen, bleibt eine große und schwierige Aufgabe. Dabei spreche ich nicht nur vom sich verändernden gesellschaftlichen Klima und dem zunehmenden Rechtsextremismus, den zu bekämpfen die Pflicht und Schuldigkeit der Mehrheitsgesellschaft ist.

zusammenhalt Ich spreche auch vom inneren Zusammenhalt unserer Gemeinschaft. Die Freiheit, die wir an Pessach feiern, können nur wir füreinander erhalten. Die Welle von Hilfsbereitschaft und Solidarität in der aktuellen Krise hat mich dabei tief berührt.

Solange die Mitglieder unserer Gemeinde weiterhin in dieser Art Verantwortung füreinander übernehmen, mache ich mir um unsere Zukunft keine Sorgen. Wenn wir zusammenstehen, bleibt die IKG, was sie ist: Ein lebendes Symbol der Hoffnung.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Ihren Familien neben Gesundheit und Wohlergehen auch in diesem Jahr Pessach Kascher we-Sameach!

Braunschweig

»Judenpresse«-Rufe: Rechtsextremist zu Bewährungsstrafe verurteilt

Martin Kiese ist ehemaliger Landesvorsitzender der Partei »Die Rechte«, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird

 23.02.2024

Theater im Delphi

Widmung an den Onkel

Der New Yorker Musiker Roger Peltzman erzählt in dem Stück »Dedication« die Geschichte seiner Familie, die von den Nazis vertrieben wurde

von Katrin Richter  22.02.2024

Frankfurt

Bewusste Gedenkkultur

Die Jüdische Gemeinde vergibt den Beni-Bloch-Preis für Jugendengagement

 22.02.2024

Potsdam

Dringender Appell

Das Zacharias Frankel College sorgt sich um die Zukunft

von Michael Thaidigsmann  22.02.2024

Geflüchtete

Sehnsucht nach früher

Natalia, Tatjana und Slavik stammen aus der Ukraine und leben nun in Deutschland

von Christine Schmitt  22.02.2024

München

»Das war eine Zäsur«

IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch über den Brandanschlag auf das jüdische Gemeindehaus in der Reichenbachstraße und das Gedenken an den 13. Februar 1970

von Leo Grudenberg  21.02.2024

München

Roth würdigt verstorbenen Direktor des Jüdischen Museums

Als Gründungsdirektor prägte Bernhard Purin die Einrichtung

 21.02.2024

München

Verloren und verstreut

Die Historikerin Julia Schneidawind stellte im Gemeindezentrum ihre Dissertation über deutsch-jüdische Privatbibliotheken vor

von Nora Niemann  20.02.2024

München

Direktor des Jüdischen Museums unerwartet gestorben

Bernhard Purin war weltweit als Experte für Judaica geschätzt

 20.02.2024