Berlin

Süße Unikate

Was hat das Geigenspiel mit der Zubereitung eines Macarons gemein? Beides erfordert einiges an Talent, viel Geschick, vor allem Ausdauer. Und wenn man nicht aufpasst, kann beides ziemlich schnell schiefgehen.

Für Lotan Bar Hama, den Inhaber von »Loti Pantón« in Mitte, war die Gründung einer eigenen Manufaktur die Erfüllung eines lang gehegten Traums. Und das bittere Eingeständnis, dass er als Musiker schlussendlich gescheitert war. »Die Musik hatte mein ganzes Leben vom sechsten Lebensjahr an bestimmt. Bis ich 22 Jahre alt war, habe ich mit großer Leidenschaft Geige gespielt und mehrfach am Tag viele Stunden geübt«, sagt der gebürtige Israeli, der seit 2012 in Berlin lebt.

Wunderkind Für ihn, das ehemalige »Wunderkind« aus Dimona im Süden Israels – später lebte er in Tel Aviv –, war irgendwann klar, dass eine professionelle Karriere in der Musik nicht alles im Leben gewesen sein konnte. Nach zwei gescheiterten Aufnahmeprüfungen an der Universität der Künste in Berlin wurde die Geige schließlich in den Kasten gelegt.

Die Gründung einer eigenen Manufaktur war die Erfüllung eines lang gehegten Traums.

»Damals eine absolute Katastrophe für mich«, gibt Loti, wie er genannt wird, freimütig zu. Doch als er den Kopf wieder frei hatte, habe er sich ganz auf die Gründung eines Unternehmens konzentrieren können. Rückblickend das Beste, was ihm im Leben passieren konnte.

Mit der gleichen Hingabe und Disziplin wie einst in der Musik widmete er sich fortan den Macarons, die ursprünglich aus Frankreich kommen. Sie gelten als die am schwierigsten zuzubereitende Süßspeise. Und Loti wollte es sich nicht unbedingt leichter machen, denn seine Macarons sollten raffinierter als die herkömmlichen sein, mit ungewöhnlichen Zutaten und immer frisch. So der Plan.

Perfektion Doch bis aus dem ersten Versuch auch ein Produkt wurde, brauchte es zahlreiche Anläufe. »Ich habe geübt, geübt, geübt, bis zur Perfektion.« Erst beim 17. Anlauf für das erste Rezept habe es schließlich geklappt. In der »Boutique«, wie er und seine Frau Carolina die Manufaktur in der Linienstraße 141 nennen, könnte ebenso gut Designermode oder Schmuck präsentiert werden.

Puristisch und in strahlendem Weiß gehalten, werden die Macarons – hier fünf Zentimeter im Durchmesser und nicht drei wie die klassischen – in einer Glasvitrine präsentiert. Beleuchtet von kupferfarbenen Strahlern, die die zwölf Kreationen pro »Kollektion« – in sämtlichen Farben des Regenbogens – in ein warmes Licht tauchen.

Pro Jahreszeit gebe es immer eine ganz neue Kollektion. Die Geschmacksrichtungen werden in süß, säuerlich, erdig und würzig unterteilt. Zusätzlich gibt es spezielle Kompositionen zu Feiertagen, Tastings mit Wein und Kooperationen mit dem geschichtsträchtigen KaDeWe.

Was so federleicht nach Erfolg klingt, hat viel Kraft gekostet.

Doch was so federleicht nach Erfolg klingt, hat viel Kraft gekostet. Erst 2020 in Covid-Zeiten in Zehlendorf gegründet, brannte das erste Ladenlokal Mitte November – nach nur sieben Monaten – durch eine Gasexplosion in einem benachbarten Restaurant ab. »Eine weitere Katas­trophe, die wir dank der Unterstützung von Freunden überstanden haben, deren Profiküchen wir nutzen durften.« So habe man sich in der wichtigen Wintersaison über Wasser gehalten. Bis ein neuer Laden gefunden wurde.

Arak Die Namen der kleinen Baiser-Stückchen mit der cremigen Füllung machen neugierig: »KEMI« schmeckt nach Preiselbeere und Camembert, »RIO« ist eine Mischung aus Cachaça, Limette und Koriander, »TEL AVIV« erinnert mit seinem Mix aus Grapefruit, Anis und Minze an Arak, den Anisschnaps, der sich in Israel großer Beliebtheit erfreut.
Außen knackig, innen cremig. Jedes Stückchen sei ein Unikat, es habe Herz und Seele, sagt Loti.

Sein Geheimnis? »Definitv der Kern«, der immer aus einer Überraschung bestehe. Irgendwann würde er neben Berlin gern ganz Deutschland mit seinen Macarons beliefern. »Bis dahin arbeite ich weiter 14 bis 15 Stunden am Tag.«

Programm

Lesung, Erkundung, Abrechnung: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 19. Februar bis zum 25. Februar

 19.02.2026

Jewrovision

Unterwegs zum Wettbewerb

Die Lieder stehen fest, die Proben laufen – Hunderte Kinder und Jugendliche in ganz Deutschland fiebern dem Mini-Machane und der Show Mitte Mai schon jetzt entgegen

von Christine Schmitt  19.02.2026

Ukraine-Hilfe

Viele Aufgaben – wenig Geld

Aufwendige Prüfverfahren, zahlreiche Überstunden und unsichere Finanzierung – die Israelitische Gemeinde nimmt auch vier Jahre nach Beginn des Krieges weiterhin Geflüchtete auf

von Anja Bochtler  19.02.2026

Potsdam

Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg und Levinson Stiftung vereinbaren enge Zusammenarbeit

Die Vereinbarung gilt als wichtiger Schritt, um akademische Forschung und rabbinische Ausbildung enger miteinander zu verzahnen und jüdisches Leben in Deutschland langfristig zu stärken

 18.02.2026

Brandenburg

Gesetzestreue Jüdische Landesgemeinde kritisiert Ministerium

Seit vielen Jahren versucht eine streng orthodoxe jüdische Gemeinde in Brandenburg, höhere staatliche Zuschüsse zu bekommen. Dafür werden auch immer wieder die Gerichte eingeschaltet

 18.02.2026

Jugendkongress

400 junge Juden treffen sich in Hamburg

»Strong. Jewish. Here.« - unter diesem Motto kommen rund 400 jüdische junge Erwachsene in Hamburg zu einem bundesweiten Kongress zusammen. Das Treffen soll ein besonderes Signal in politisch angespannten Zeiten sein

von Michael Althaus  18.02.2026

Dresden

Workshops für Polizisten

Der Landesverband Sachsen der Jüdischen Gemeinden und das Sächsische Innenministerium unterzeichneten einen Kooperationsvertrag

von Helmut Kuhn  17.02.2026

Thüringen

Landesgemeinde dringt auf Ehrung von Klaus Trostorff

Klaus Trostorff war Buchenwald-Häftling und leitete später die Mahn- und Gedenkstätte der DDR. Die Jüdische Landesgemeinde will ihm in Erfurt eine Straße widmen

 17.02.2026

Hamburg

Altona war schon immer toleranter

Ein Projektraum im Regionalmuseum zeigt 400 Jahre jüdische Geschichte der gesamten Hansestadt

von Heike Linde-Lembke  16.02.2026