Duisburg

Sportliche Heimat

Grün ist es südlich der Duisburger Innenstadt, und das milde Licht eines warmen Spätnachmittags sorgt für eine entspannte Stimmung. Für Aktive ist der Sportpark Duisburg ein Traum: Hier befindet sich das Stadion des Drittligisten MSV Duisburg, es gibt eine wettkampftaugliche Regattabahn, einen Trimm-dich-Pfad, Fußball- und Tennisplätze und eine Squash-Arena. Und mittendrin liegt die vom Fußballverband Niederrhein betriebene Sportschule Wedau.

Hier fand Ende September, Anfang Oktober der mehrtägige Sukkot-Großlehrgang von Makkabi Deutschland statt. »Wir waren schon oft hier«, sagt Alon Meyer, der Präsident des jüdischen Sportverbandes. »Duisburg ist für uns ein Stück Heimat geworden.« Im Sportpark gebe es eine große Auswahl an Sportstätten, und was vor Ort nicht vorhanden ist, läge in der Nähe und lasse sich schnell erreichen.

51 Medaillen – und das Team will sich noch steigern.

250 Sportler und Sportlerinnen sind nach Duisburg gekommen, um sich auf zwei Großereignisse vorzubereiten: Im nächsten Sommer finden in London die European Youth Games 2024 statt. Im Juli 2025 geht es dann für die Athleten nach Israel zur Makkabiade, dem weltweit größten jüdischen Sportereignis. »Der Großlehrgang ist dazu da, die Sportler zu trainieren, aber auch, um schon eine Vorauswahl zu treffen, denn nicht alle werden Makkabi Deutschland bei diesen Spielen repräsentieren können. Wir wollen mit den Besten antreten.«

Im Juli 2025 findet die Makkabiade in Israel statt

In 13 Sportarten wird Makkabi Deutschland vor Ort sein, darunter Basketball, Fußball, Beachvolleyball, Tischtennis, Fechten, Triathlon und Tennis. Bei der letzten Makkabiade 2022 war Makkabi Deutschland sehr erfolgreich: zehn Gold-, 17 Silber- und 24 Bronzemedaillen waren Beleg für die Leistungsfähigkeit der jüdischen Sportler aus Deutschland. »Wir waren zufrieden, wir haben gut abgeschnitten, aber wir wollen uns steigern«, sagt Meyer. »Wir nehmen den Sport und diesen Lehrgang sehr ernst. Sicher, es geht auch darum, eine gute Zeit miteinander zu haben, aber das ist nur ein Nebenaspekt.«

Die Teilnehmer des Sukkot-Lehrgangs kommen nicht nur aus den 13 Makkabi-Vereinen in Deutschland: »Natürlich machen bei uns auch jüdische Sportler und Sportlerinnen mit, die nicht bei Makkabi organisiert sind. Wir decken als Verband ja nicht das ganze Land in der Fläche ab.« Alon Meyer würde sich freuen, wenn sich jüdische Sportler über die Teilnahme an Makkabi-Lehrgängen und -Sportveranstaltungen in ihren Vereinen »outen« würden: »Wir wissen, dass es viele jüdische Sportler und Sportlerinnen gibt, die sich in der Öffentlichkeit noch nicht dazu bekannt haben, jüdisch zu sein.«

Die Tischtennisspielerin Lisa Michajlova, Mitglied des Vorstands der Jüdischen Studierendenunion Deutschland (JSUD), war jahrelang sogar Profi. Zurzeit studiert sie im Rahmen eines Auslandssemesters in Tel Aviv und betreibt ihren Sport vor allem als Hobby. Sie ist im Tischtennisteam von Makkabi Deutschland aktiv. »Bei den European Youth Games nächstes Jahr sind nur die Juniors dabei, da werde ich als Betreuerin oder als Teil des Social-Media-Teams mitfahren. Aber bei der Makkabiade 2025 werde ich auf jeden Fall als Sportlerin dabei sein.«

Makkabi ist für sie Familie: »Ich bin seit acht Jahren dabei. Ich kenne viele Menschen im Team. Es ist wie ein Familientreffen, wenn man zusammenkommt. Makkabi verbindet zwei wesentliche Elemente in meinem Leben: das Sportliche und das Jüdische.« Durch immer mehr Projekte wie Teambuilding, Antidiskriminierungs- und Antisemitismustraining sei nun auch die politische Komponente immer mehr dazugekommen.

Michajlova übernimmt auch Aufgaben jenseits der aktiven persönlichen Teilnahme an Wettkämpfen und wird Makkabi wohl erhalten bleiben, selbst wenn sie nicht mehr aktive Sportlerin ist: »Ich bin die Betreuerin der Tischtennisabteilung, die ehrenamtliche Social-Media-Managerin von Makkabi Deutschland und helfe dieses Wochenende auch bei der Makkabi-Deutschland-Jugendwahl. Wenn ich irgendwann zu alt bin, um Sport zu machen, werde ich mich immer noch bei Makkabi engagieren.«

Fußball ist der beliebteste Sport

Auch bei Makkabi ist Fußball der bei den Aktiven beliebteste Sport. Und so passt es, dass Fußball die erste Sportart ist, für die der Verband einen Profi-Trainer engagiert hat. Als Ansgar Brinkmann am Samstagabend an der Sportschule Wedau ankommt, wird er mit Umarmungen begrüßt. Ansgar Brinkmann ist schließlich nicht irgendwer: Der 54-Jährige galt als der letzte klassische Straßenfußballer, der es in das Lager der Profikicker schaffte.

Brinkmann spielte unter anderem bei Preußen Münster, dem VfL Osnabrück, Arminia Bielefeld und bei Eintracht Frankfurt. Seine Trainerlizenz erwarb er bereits 2009, aber Makkabi ist seine erste Trainerstation: »Nach 20 Jahren im Fußball wollte ich erst einmal etwas anderes machen und raus aus dem Hamsterrad.« Brinkmann strahlt. Man merkt ihm an, wie sehr er sich auf die Arbeit mit den Makkabi-Kickern freut.

»Es ist toll, Teil der Makkabi-Familie zu sein.«

Ansgar Brinkmann

»Es ist toll, Teil der Makkabi-Familie zu sein.« Aber bei allem Spaß an seiner Arbeit als Trainer, die er am Samstag beim Großlehrgang aufnahm, ist und bleibt er Profi: »Mein Team und ich wollen die bestmögliche Mannschaft aufstellen.«

Sein Job ist mit dem des Nationaltrainers vergleichbar. Die infrage kommenden Spieler kicken in Vereinen, die über ganz Deutschland verteilt sind. »Das ist eine große Aufgabe, aber ich habe ein tolles Team, und zusammen werden wir das schaffen.« Brinkmann geht davon aus, dass der Erfolg von Makkabi Berlin im Pokal dem jüdischen Fußball Auftrieb geben wird: »Was die Berliner da gezeigt haben, war eine großartige Leistung.

Das wird ganz sicher viele Jugendliche dazu bewegen, selbst Fußball zu spielen.« Doch es ging nicht nur um Sport an diesem Wochenende. Es gab ein eigenes Sukkot, alle, ob Juden oder nicht, feierten Schabbat, und auch Vertreter von Zusammen1, dem Präventionsprojekt von Makkabi gegen Antisemitismus, waren vor Ort.

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