Frankfurt

Sichere Bank

Mit Shmuel Hoffmann hat die Repräsentanz von Israel-Bonds in Frankfurt am Main neuerdings erstmals einen in Deutschland verwurzelten Leiter. Der 44-Jährige wird derzeit von seinem Vorgänger Amnon Rimon eingearbeitet. »Ich würde mich sehr freuen, wenn wir den Bekanntheitsgrad der Israel-Bonds besonders in Deutschland und seinen jüdischen Gemeinden vergrößern können«, beschreibt Hoffmann im Gespräch mit der Jüdischen Allgemeinen seine Erwartungen.

»Eigentlich bin ich Berliner«, sagt Hoffmann über seine Herkunft. Zwar wurde er im israelischen Naharija geboren, aber schon im Alter von fünf Jahren siedelte seine Familie nach Deutschland über, wo er lange in der Hauptstadt lebte. Dort, an der Freien Universität, absolvierte Hoffmann auch sein Studium der Betriebswirtschaftslehre. Danach verbrachte er erneut einige Jahre in Israel, ehe er begann, für die Israelische Botschaft in Berlin zu arbeiten. Zehn Jahre war er dort in der Abteilung des Handelsattachés tätig. Auch in der Jüdischen Gemeinde zu Berlin war der Wirtschaftsspezialist Mitglied.

Für seine neue Funktion musste Hoffmann jetzt die Stadt wechseln – von der Spree an den Main. Das Büro der Repräsentanz der State of Israel Bonds befindet sich im Frankfurter Nordend, wo auch die Jewish Agency und die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland angesiedelt sind. Von hier werden die Israel-Bonds in ganz Deutschland und Österreich vertrieben.

Bankgeheimnis Wie der Name vermuten lässt, verkauft »State of Israel Bonds« verzinste Wertpapiere des Staates Israel – mit Staatsgarantie und Bankgeheimnis. Die Einrichtung gehört zum israelischen Finanzministerium. »Doch«, betont Hoffmann, »diese Art Organisation haben andere Länder gar nicht!« Denn die Anleihen werden nicht in erster Linie an Fonds und Banken, sondern an Privatleute verkauft.

»So können die Anleger über die Spendenebene hinaus auch durch Investitionen ihre Bindung zu Israel pflegen«, sagt der neue Deutschland-Direktor. Israel-Bonds seien attraktive Anlagen, aber auch sehr sicher. Denn Zahlungsausfälle habe es noch nie gegeben, bei den Ratingagenturen bekämen die Wertpapiere sehr gute Bewertungen – viel bessere als die Anleihen so manchen Euro-Staates.

Aufgelegt wurden die Israel-Bonds Anfang der 50er-Jahre auf Initiative David Ben Gurions, um die Masseneinwanderung nach der Schoa auch finanziell zu bewältigen und die nötige Infrastruktur aufzubauen. Israels frühere Premierministerin Golda Meir sagte einst den Käufern der Anleihen: »Sie kaufen einen Anteil an jedem Tropfen Wasser, den wir in unser Land gießen, an jeder neu gebauten Meile Straße, an jedem Kilowatt Strom, an jedem Acker und in jeder Fabrik.«

Europa Allein im Jahr 2011 wurden Israel-Bonds im Wert von mehr als einer Milliarde US-Dollar verkauft, mehr als die Hälfte davon ging in die USA. Da liegt es nahe, dass der Absatz in anderen Weltregionen noch größer sein könnte. Das sieht auch Victor Harel so. Der Europa-Chef der Organisation weilte vergangene Woche in Frankfurt. Zum einen, um Hoffmann den Start zu erleichtern. Zum anderen traf sich der Israeli mit Vertretern der Jüdischen Gemeinde, des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Hessen und des Zentralrates der Juden in Deutschland.

Für Harel, der als Botschafter unter anderem in Spanien wirkte, war es der erste Besuch in der Mainmetropole. Er setzt darauf, dass es Hoffmann und seinem Team gelingt, »vor allem noch mehr Mitglieder von jüdischen Gemeinden in Deutschland« zur Investition in Israel-Bonds zu ermutigen. Hoffmann als Gemeindemitglied, zuvor in Berlin und zukünftig hoffentlich in Frankfurt, sei dafür besonders geeignet.

Harel, über vier Jahrzehnte im diplomatischen Dienst Israels tätig, sieht in Deutschland den engsten Verbündeten des jüdischen Staates in Europa. Er lobt insbesondere die klaren Positionen von Bundeskanzlerin Merkel.

Einig sind sich Hoffmann und Harel, dass etwaige künftige kriegerische Auseinandersetzungen im Nahen Osten keinen Einfluss auf die Sicherheit der Anleihen hätten. »Israel hat bewiesen, dass es schwierige Situationen meistern kann«, betont Hoffmann. Aber nach wie vor sei die Unterstützung von Freunden in aller Welt wichtig – nicht zuletzt duch den Kauf von Israel-Bonds.

Wuppertal

Am helllichten Tag

Nach dem Brandanschlag auf die Synagoge geht das Gemeindeleben in der nordrhein-westfälischen Stadt weiter. Aber was bedeutet diese Normalität?

von Helmut Kuhn  01.10.2026

Rostock

Zunehmend sprachlos

Die Gemeinde hatte Schlimmeres befürchtet, doch Sorgen bleiben auch nach den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern

 01.10.2026

Wiedervereinigung

Zeit der Blüte

Am 3. Oktober 1990 trat die DDR der Bundesrepublik Deutschland bei. Für jüdische Gemeinden in Ost und West war dies ein neuer Anfang, für manche auch die Rettung. Drei Gemeindemitglieder erzählen, wie sie diese Zeit erlebten

von Christine Schmitt  01.10.2026

Deutschland

Holocaust-Überlebende: Regierung der Linkspartei in Berlin wäre eine Katastrophe

»Hier muss die Politik gründlich aufpassen, dass das nicht passiert«, sagt Charlotte Knobloch bei »Maischberger«

 01.10.2026

Wahl

»Der Schock sitzt tief«

Jüdinnen und Juden blicken mit großer Skepsis auf eine mögliche Regierungsbeteiligung der Linken. Sie fordern klare Zusagen zum Kampf gegen Antisemitismus

von Christine Schmitt  30.09.2026

Rathaus Neukölln

Berlin

Hillel zieht seine Chanukkia aus dem Rathaus Neukölln ab

Der jüdische Bildungsverein will seine Chanukka-Feier künftig an einem »neutralen Ort« abhalten. Für den scheidenden Bürgermeister Martin Hikel ist die Entscheidung ein Schock

 01.10.2026 Aktualisiert

Programm

Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 1. Oktober bis zum 8. Oktober

 30.09.2026

Chemnitz

Gestohlener Davidstern sichergestellt

Unbekannte hatten laut Polizei in der Dauerausstellung des Lern- und Gedenkortes eine Schautafel beschädigt und den Davidstern mitgenommen

 28.09.2026

Archäologie

Hoffnung auf Latrinen - Grabung legt mittelalterliche Keller frei

Die Funde auf dem Areal der zweiten Jüdischen Gemeinde informieren über das Leben im mittelalterliche Erfurt. Zugleich geben sie Einblicke in die Stadtplanung des 13. Jahrhunderts

von Matthias Thüsing  28.09.2026