Jewrovision

»Seid selbstsicher!«

»Ich bin eine sogenannte Landjüdin und habe meine Online-Gemeinde über Facebook«: Rebecca Siemoneit-Barum Foto: Stephan Pramme

Rebecca Siemoneit-Barum (37) ist neu in der Jury der Jewrovision. Die Schauspielerin, bekannt aus der Lindenstraße, trat schon als Kind im Zirkus Barum auf – ihr Vater ist der Zirkusdirektor Gerd Siemoneit-Barum. Zuletzt wurde Rebecca als Kandidatin des RTL-Dschungelcamps (»Ich bin ein Star – holt mich hier raus«) bekannt. Doch nach zehn Tagen war für die Mutter von zwei Kindern Schluss – Ende Januar wurde sie von den Zuschauern rausgewählt und kehrte aus dem Camp im sonnigen Australien zurück nach Einbeck in Niedersachsen, wo sie mit ihrer Familie lebt.

Frau Siemoneit-Barum, wie haben Sie die Teilnahme am Dschungelcamp verkraftet?
Es war toll, wieder nach Hause zu kommen. Dicke Schneeflocken fielen – das war so richtig deutsch. Ich reise ja viel, war aber noch nie so weit weg, denn ich habe Flugangst und vertraue nur der EL AL. Total viele verrückte Dinge habe ich während der Show getan, die ich sonst niemals tun würde, wie aus einem Helikopter zu springen. Ein großartiges Erlebnis.

Mussten Sie Kakerlaken essen – die ja bekanntermaßen auf keiner Koscher-Liste stehen?
Ich bin drum herum gekommen, das ist ja das Verrückte. Ich war zehn Tage lang in diesem Camp. Aber ich habe gemerkt, dass die Möglichkeiten, sich in dieser Show zu präsentieren, beschränkt sind, wenn man nicht auf Krawall aus ist – und das bin ich eben nicht. Ich bin ein ruhiger, zurückhaltender, diplomatischer Mensch, weshalb ich wenig Sendezeit bekam.

Sie sind das erste Mal Jurymitglied der Jewrovision. Was empfehlen Sie den Kids für ihren Auftritt?
Selbstsicher zu sein. Talent ist etwas, das aus den Menschen herausbrodelt. Das sieht man sofort. Das Wichtigste ist, das Lampenfieber zu überwinden. Ich hatte früher stark darunter gelitten. Meine ersten Töne waren deshalb immer schief.

Haben Sie einen Tipp?
Da hilft nur, gut vorbereitet zu sein, immer wieder aufzutreten und zu lernen, selbstsicher zu werden. Auch die Leidenschaft muss spürbar sein.

Wie wird man sicherer?
Die Vorbereitungen sind wichtig. Harte Arbeit steht am Anfang. Deshalb ist es entscheidend, was in den Jugendzentren vorher geleistet wurde.

Freuen Sie sich auf Ihre Arbeit als Jurymitglied?
Ich finde das klasse und bin gespannt auf die Show – und auch auf die Kolleginnen.

Stärkt der Song Contest die jüdische Identität?
Ja, auf jeden Fall. Es ist ja so, dass wir in Deutschland sozusagen gezwungen sind, solche Veranstaltungen durchzuführen, weil unsere jüdische Identität fast komplett ausgelöscht wurde. Es wäre schöner, wenn es die Normalität wäre.

Sie sind in Ulm aufgewachsen ...
Dort wurde ich nur geboren, ich bin im Zirkus groß geworden.

Wie kann man dort eine jüdische Identität entwickeln?

Gar nicht. Das habe ich erst später gemacht. In der Familie meiner Mutter wurde das Judentum nicht gelebt. Das Einzige, was immer an die jeweilige Tochter vererbt wurde, war ein Magen David. Und es wurde über Moses, nicht über Jesus gesprochen.

Haben Sie Weihnachten gefeiert?
Ja. Ich wurde als Kind evangelisch getauft, obwohl meine Eltern Atheisten sind. Ein Kind im Zirkus zu taufen, gehört dazu. Später besuchte ich ein katholisches Mädchengymnasium. Ich merkte, dass hier etwas nicht stimmt, denn ich fand keinen Zugang zum Christentum. Als Teenager erfuhr ich von meiner Mutter, dass ich jüdisch bin. Ich war unglaublich erleichtert und trat sofort aus der Kirche aus.

Gibt es denn überhaupt eine jüdische Infrastruktur bei Ihnen in Einbeck?
Nein, null. Ich bin eine sogenannte Landjüdin und habe meine Online-Gemeinde über Facebook. Wenn ich in anderen Städten bin, dann gehe ich in die Synagoge.

Mit der Schauspielerin sprach Christine Schmitt.

Maccabiah

Momente, Medaillen, Menschen

Nach zwei Wochen ist das größte internationale Sportevent in Jerusalem erfolgreich zu Ende gegangen

von Katrin Richter  15.07.2026

Programm

100 Synagogen, zwei Chemnitzer und ein Eis am Stiel: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 16. Juli bis zum 23. Juli

 15.07.2026

Jahrhundertzeugin

Wie eine Sintiza die Nazizeit überlebte und ihre Heiterkeit rettete

Frieda Daniels ist Hochseilartistin. Sie floh als Sintiza vor der Vernichtung durch die Nationalsozialisten. Als 93-jährige Zeitzeugin war sie nun in Heidelberg zu Gast. Eine außergewöhnliche Lebensgeschichte

von Stefanie Ball  15.07.2026

Interview

Glaubwürdigkeit schaffen

Yuki Ronen Schmidt über die Arbeit von Miphgasch/Begegnung und die eigene Rolle in dem Bildungsarbeitsprojekt

von Pascal Beck  14.07.2026

Düsseldorf

Das Om im Schalom

Die Jüdische Volkshochschule bietet Kurse an, die Yoga und Judentum verbinden. Das Online-Angebot ist auch offen für andere Gemeinden und Interessenten

von Annette Kanis  13.07.2026

Porträt der Woche

Spezialist für Musicals

Adam Benzwi ist Amerikaner und entdeckte in Berlin die Schlager der 1920er-Jahre

von Gerhard Haase-Hindenberg  12.07.2026

Berlin

Türkisches Unternehmen »Medicana« neuer Träger vom Jüdischen Krankenhaus

Die 270-jährige Tradition des Hauses bleibe bewahrt – Kritik an der Übernahme kommt von Ver.di

 10.07.2026

Entscheidung

Halberstädter Museum für jüdische Kultur wird weiter gefördert

Im Jahr 2001 wurde das Berend Lehmann Museum für jüdische Geschichte und Kultur in Halberstadt gegründet. Zum Museum gehören die frühere Mikwe sowie die Synagoge im ehemaligen rabbinischen Lehrhaus, der Klaus. Sie bekommen weiterhin eine Förderung.

 09.07.2026

Speyer, Worms und Mainz

SchUM-Stätten feiern fünfjährigen »Welterbe-Geburtstag«

Vor fünf Jahren erhielten sie wegen ihrer wichtigen Bedeutung für das mittelalterliche Judentum den Welterbe-Titel. Nun feiern die SchUM-Stätten Speyer, Worms und Mainz die Aufnahme auf die Unesco-Welterbeliste mit einer Veranstaltung in Speyer

 09.07.2026