Interview

»Sechs Wochen jüdische Kultur«

Herr Waldmann, am 7. Mai beginnt das erste Mainzer »Jüdische Kulturfestival«. Was erwartet die Besucher?
Ich glaube, uns ist es gleich zu Beginn gelungen, ein hochkarätig besetztes Programm auf die Beine zu stellen. Unter anderem wird der Sänger Lou Reed ein Open-Air-Konzert geben. Die Autoren Henryk M. Broder und Claude Lanzmann werden aus ihren aktuellen Büchern vorlesen, und der Comedian Oliver Polak wird mit seinem Programm »Ich darf das, ich bin Jude« auftreten.

Wie haben Sie es geschafft, das Festival zu finanzieren?
Wir wurden maßgeblich von der rheinland-pfälzischen Landesregierung unterstützt. Darüber hinaus haben uns auch der Zentralrat der Juden in Deutschland, der SWR sowie das Literaturbüro Mainz geholfen. Selbstverständlich aber tragen wir als Landesverband durch Kartenverkäufe und Ähnlichem finanziell auch unseren Anteil.

Mit wie vielen Besuchern rechnen Sie?
Lou Reeds Konzert wird aller Voraussicht nach ausverkauft sein. Für die Lesungen der bekannten Publizisten wie Broder und Lanzmann wird die neue Synagoge Mainz mit rund 300 Besuchern mit großer Wahrscheinlichkeit ebenfalls ausverkauft sein. Wir hoffen natürlich, dass im Windschatten dieser Zugpferde auch unsere kleineren Veranstaltungen ein bisschen profitieren können. Sollte es in etwa so kommen, wären wir schon sehr zufrieden.

Was war Ihnen bei der Gestaltung des Programms wichtig?
Das Festival läuft unter dem Titel »Hip im Exil. Facetten des Judentums«. Wir legen in diesem Jahr also einen Schwerpunkt auf das Thema jüdische Identität in der deutschen Diaspora. Uns ist wichtig zu zeigen, wie man in Deutschland sein Judentum in vielfältiger Art und Weise leben kann.

Inwiefern unterscheidet sich Ihr Festival dabei von anderen jüdischen Kulturtagen?
Wir möchten die jüdische Kultur aus der Befangenheit herausholen und zeigen, wie reich und lebendig sie ist. Denn nicht selten fixieren sich Jüdische Kulturtage allzu sehr auf das Thema Schoa. Es ist ja richtig, niemals zu vergessen. Aber dabei sollten wir das jüdische Leben der Gegenwart nicht aus dem Blick verlieren.

Der religiöse Aspekt des Judentums scheint bei dem Programm etwas zu kurz zu kommen.
Wir konzentrieren uns in diesem Jahr auf die Frage, wie man als säkularer Jude in der Diaspora leben kann, ohne seine Jüdischkeit zu verlieren. Um die Religion nicht ganz außen vor zu lassen, plant die Jüdische Gemeinde Mainz zurzeit eine Veranstaltung mit Vertonungen der liturgischen Gedichte Pijutim, die in Mainz geschrieben wurden.

Das Festival dauert anderthalb Monate. Im Vergleich zu anderen Jüdischen Kulturtagen ist das ungewöhnlich lange.
Ja, das Jüdische Kulturfestival ist eingebettet in den Kultursommer Rheinland-Pfalz, und der umfasst sechs Monate, deswegen verteilt sich unser Programm auf mehrere Wochen. Mir persönlich gefällt das: Sechs Wochen lang wird nun jüdische Kultur in Mainz sichtbar sein.

Sie haben das Kulturfestival in diesem Jahr zum ersten Mal organisiert. Wird im kommenden Jahr ein Weiteres folgen?
Ich glaube schon, dass sich das Ganze mittelfristig institutionalisieren lässt. Und inhaltlich gesehen haben wir unser Pulver noch lange nicht verschossen.

Mit dem Vorsitzenden des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Rheinland-Pfalz sprach Philipp Peyman Engel.

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