Berlin

Schoa-Überlebende werden geehrt

Margot Friedländer und Inge Deutschkron (v.l.) Foto: dpa

Inge Deutschkron und Margot Friedländer werden Ehrenbürgerinnen des Landes Berlin. Die beiden Holocaust-Überlebenden hätten einen bedeutenden Beitrag zur Aufarbeitung der Geschichte des Nationalsozialismus geleistet, begründete Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) seinen Vorschlag. Alle Senatsmitglieder stimmten demnach in der Sitzung am Dienstag der geplanten Verleihung der Ehrenbürgerwürde des Landes Berlin zu.

»Beider Lebensgeschichten sind mit Leid und entsetzlichen Erfahrungen in Deutschland verbunden und dennoch sind sie hierher zurückgekommen, weil sie den Glauben an ein Deutschland ohne Antisemitismus, Rassismus und Militarismus nicht aufgeben wollten«, sagte Müller. Beide sähen es zudem auch im hohen Alter als ihre Pflicht an, ihr Wissen und ihre Erfahrungen an junge Menschen weiterzugeben, um für ein friedliches und demokratisches Deutschland einzutreten.

zivilcourage »Dass Margot Friedländer und Inge Deutschkron sich Deutschland und Berlin wieder zugewandt haben, ist sehr bemerkenswert. Schließlich sind sie hier in Berlin entrechtet und gedemütigt worden, haben hier ihre Familien verloren, sind von Nazi-Schergen im Untergrund gejagt worden und haben nur durch viel Glück überlebt«, betonte Müller.

Der Regierende Bürgermeister würdigte die zwei Frauen als »besondere Persönlichkeiten, von denen wir alle viel über Mut, Zivilcourage und Menschlichkeit lernen können«. Die Begegnung mit beiden sei beeindruckend und bereichernd. »Es ist an der Zeit, diese beiden bedeutenden Zeitzeuginnen des schlimmsten Kapitels deutscher Geschichte zu ehren«, sagte Müller.

Margot Friedländer wurde 1921 in Berlin geboren und lebte bis zu ihrer Deportation ins Ghetto Theresienstadt 1944 im Untergrund in Berlin. Ihre Mutter Auguste Bendheim und ihr Bruder Ralph kamen im Vernichtungslager Auschwitz ums Leben. Auch ihr Vater wurde in einem Vernichtungslager ermordet.

zeitzeuginnen Die heute 96-Jährige war 2010 aus den USA in ihre Heimatstadt Berlin zurückgekehrt, um in Schulen und Einrichtungen persönlich Zeugnis über die Schoa abzulegen. Seit 2011 ist sie Trägerin des Bundesverdienstkreuzes. Ein 2014 durch die Schwarzkopf-Stiftung gestifteter Preis trägt ihren Namen. Der Preis und der dazugehörige Wettbewerb sollen Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte motivieren, sich mit dem Holocaust und Erinnerungskultur auseinanderzusetzen und sich mit den daraus gewonnenen Erkenntnissen im Kampf gegen Antisemitismus, Rechtsextremismus und Ausgrenzung zu engagieren.

Die Schriftstellerin Inge Deutschkron wurde 1922 als Tochter jüdischer Eltern im brandenburgischen Finsterwalde geboren. Ihr Vater, ein sozialdemokratischer Gymnasiallehrer, konnte 1939 nach England fliehen, während seine Frau und seine Tochter zurückbleiben mussten. Beide waren in der Blindenwerkstatt Otto Weidt in Berlin-Mitte tätig und lebten später bis Kriegsende im Untergrund. Nach dem Krieg arbeitete Inge Deutschkron lange Zeit in Deutschland und Israel. Seit 1992 lebt sie als freie Schriftstellerin in Tel Aviv und Berlin.

Die 95-Jährige ist Trägerin des Verdienstordens des Landes Berlin und wurde 2008 mit der Louise-Schroeder-Medaille des Landes Berlin ausgezeichnet. Mehrfach hat sie die Auszeichnung mit dem Bundesverdienstkreuz abgelehnt. Am 30. Januar 2013 hielt sie im Deutschen Bundestag die Rede anlässlich der Gedenkstunde zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. ksh/epd

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