JewTalks

Schnitzel und Hummus

Sorgten für einen kurzweiligen Abend: Kochbuch-Bestsellerautorin Haya Molcho, JNF-Vizepräsident Guy Katz und Moderatorin Jil Meiteles (v.l.) Foto: Daniel Schvarcz

Wie kann es gelingen, Menschen aller Generationen zusammenzubringen? Die Antwort lautet: mit interessanten Themen, besonderen Gästen und in entspannter Atmosphäre. Mit ebendiesen Zutaten wurde eine neue Gesprächsreihe in der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern gegründet, die vom Jüdischen Nationalfonds – Keren Kayemeth LeIsrael (JNF-KKL) – in Zusammenarbeit mit dem Kulturzentrum der IKG unter dem Motto »JewTalks« umgesetzt wird.

Beim ersten Termin im Januar war der Sicherheitsexperte Avraham Katz zu Gast, nun stand die Gastronomin und Kochbuch-Bestsellerautorin Haya Molcho dem Publikum Rede und Antwort.

Als JNF-Vizepräsident begrüßte Guy Katz die Gäste, darunter die Deutschland-Repräsentantin des Vereins mit Sitz in Frankfurt, Ruth Eitan. Das Logo der nach den Worten von Katz ältesten zionistischen Organisation beinhaltet Bäume, urbar gemachtes Land, Wasser und damit ökologische Kernaufgaben. Aktuell spielen jedoch auch soziale Anliegen eine große Rolle.

THERAPIE-ZENTRUM Der JNF pflegt seit geraumer Zeit ein Projekt, das mithilfe von Tieren und Pflanzen traumatisierten Kindern aus der Grenzregion zum Gazastreifen helfen will. Das Tiertherapie-Zentrum Sderot soll ein Gewächshaus bekommen, das eine kombinierte Behandlungsmethode ermöglichen wird. Eine neue Initiative mit dem Titel »Wir schlagen Wurzeln« gilt Jugendlichen, die im Zuge der Corona-Pandemie die Orientierung verloren haben und teilweise auf der Straße gelandet sind. Mit ihnen in Baumpflanzungen zu arbeiten, hat sich als probates Mittel erwiesen, den Weg zurück in ein geordnetes Leben zu finden.

Den Jüdischen Nationalfonds zu unterstützen, darum musste man die gebürtige Israelin Haya Molcho nicht lange bitten.

Den Jüdischen Nationalfonds zu unterstützen, darum musste man die gebürtige Israelin Haya Molcho nicht lange bitten. Die viel beschäftigte Unternehmerin, die seit etlichen Jahren in Wien lebt, wo ihr Mann Samy eine Professur an der Universität für Musik und darstellende Kunst und am Max Reinhardt Seminar innehatte, brachte eines ihrer überaus begehrten Kochbücher in dreifacher Ausfertigung zur Verlosung unter den Gästen mit.

Alle anderen stürmten den Büchertisch, an dem aktuell sechs Werke präsentiert werden konnten. Ob Balagan!, Hayas Küche, Tel Aviv, Wien, Coming Home oder Lust auf fremde Küche: NENI – Die Rezept-Klassiker, immer geht es um unkomplizierte, leichte Speisen, gewürzt mit Familiengeschichten, häufig angereichert mit Kombinierbarem aus der lokalen Küche.

loblied Bunt und lebendig wie ihre Speisepläne war auch das Gespräch, das Jil Meiteles mit dem Gast führte. Haya Molcho begann mit einem Loblied auf die gastgebende Stadt: »München ist eine tolle Stadt. Wien ist schön, München ist wunderschön.«

Dann gab sie bereitwillig und temperamentvoll Auskunft über ihr Leben. Die Tochter eines Zahnarztes, die 1955 in Tel Aviv geboren wurde und in Bremen aufwuchs, studierte Psychologie und arbeitete mit schwer erziehbaren Kindern, bis sie 1973 ihrem späteren Mann begegnete.

Was sie nicht erzählte, aber zum Verständnis ihres Charakters und Charmes gehört: Sie ging mit dem 37-jährigen, international berühmten Tanzstar und Pantomimen so unverkrampft und offen um, dass er sofort von ihr fasziniert war. Sie begleitete ihren Mann, mit dem sie seit 1978 verheiratet ist, sieben Jahre auf Tourneen durch die Welt und lernte auf diese Weise Indien, Japan und China kennen.

GASTFREUNDLICHKEIT Von zu Hause mit gutem Essen vertraut, wo rumänisch-jüdische Kochkunst und Gastfreundlichkeit gepflegt wurden, lernte sie fremde Kochwelten, vor allem den großzügigen Umgang mit Kräutern und Gewürzen kennen und lieben. Haya Molcho wuchs »mit Schnitzel und Hummus« auf und erzählt, in Israel würden die Kinder mit »Hummus statt Muttermilch« aufgezogen. Schlagfertig und humorvoll resümierte sie, dass sie – als sie verstanden hatte, wer er war – Samy Molcho drei Monate bewunderte und dann befand, dass sie an seiner Seite ihren eigenen Platz im Leben finden müsse.

Haya Molcho begann ihre Karriere mit einem Catering für eine Freundin.

Die israelische Küche sei eine Weltküche, in die Einwanderer zahlreiche Varianten aus ihren Herkunftsländern eingebracht hätten. Molcho war und ist von der Balance der Gewürze in der indischen Küche, den Geschmackselementen süß, sauer, salzig und bitter, fasziniert; hinzu komme »Umami« aus dem Japanischen, was herzhaft beziehungsweise vollmundig umschreibt.

Haya Molcho begann ihre Karriere mit einem Catering für eine Freundin, die zu ihrem 40. Geburtstag 200 Freunde bewirtete. Dann folgte ihr erstes Lokal am Wiener Naschmarkt, der sie ein wenig an einen israelischen Schuk erinnerte. Heute betreibt sie Restaurants in verschiedenen europäischen Metropolen. Die Hotelkette »25 Hours« engagierte sie für gastronomische Konzepte in Wien, Berlin und in München am Bahnhofsplatz.

söhne Obwohl ihr Mann Samy nicht wollte, dass die vier gemeinsamen Söhne in die Gastronomie einsteigen, ist genau das geschehen. Nuriel (der inzwischen auch noch eine Hut-Manufaktur in Wien betreibt), Elior, Nadiv und Ilan sind sogar die Namensgeber der Marke NENI, die für Haya Molchos Restaurants und eine ganze Produktpalette steht, die in Supermärkten angeboten wird.

Gibt es Diskussionen über neues Marketing, dann hat Haya Molcho das letzte Wort, es sei denn, ihr Mann springt als Mediator ein. Hier ist Kochkunst in einem Familienunternehmen auch Familienkitt – legendär ist daher auch Hayas Sonntags-Brunch.

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