Interview

»Schnittmengen finden«

Oleg Pronitschew Foto: PR

Interview

»Schnittmengen finden«

Oleg Pronitschew über sein Amt als Geschäftsführer der JSUD, Argumente und junge Juden

von Katrin Richter  07.08.2017 18:30 Uhr

Herr Pronitschew, Sie sind seit Kurzem Geschäftsführer der Jüdischen Studierendenunion Deutschland (JSUD). Was haben Sie sich für Ihr Amt vorgenommen?
Ich möchte bei der Umsetzung der Ziele unseres Vorstandes mitwirken, unsere Organisation präsentieren und habe vor, die Infrastruktur der Jüdischen Studierendenunion Deutschland auszubauen. In meinem Aufgabenbereich liegt zudem die logistische Unterstützung unserer einzelnen Referate – Politik, Gesellschaft & Soziales, Öffentlichkeitsarbeit, Regionales – sowie unserer Präsidentin Dalia Grinfeld.

Vor welchen Herausforderungen steht die JSUD?
Die einzelnen Interessen zusammenzutragen, die es in der jüdischen Gemeinschaft gibt, ist sicherlich eines unserer Hauptthemen. Wir repräsentieren die Altersgruppe zwischen 18 und 35 Jahren, in der verschiedene politische Standpunkte vertreten sind. Deswegen ist es für uns wichtig, die Kommunikation aufrechtzuerhalten, die einzelnen Interessen auszuloten, Schnittmengen zu finden und diese in unsere Arbeit zu integrieren. Wir bemühen uns darüber hinaus, nicht nur einzelne Bereiche thematisch abzudecken, sondern auch allgemeine gesellschaftspolitische Themen anzusprechen und zu ihnen Stellung zu beziehen.

An welche Themen denken Sie dabei?
Zuletzt begrüßten wir zum Beispiel den Beschluss der gleichgeschlechtlichen Ehe durch den Bundestag. Daneben äußern wir uns zu Entwicklungen in der Flüchtlings-, Europa- und Nahostpolitik.

Wie möchten Sie junge Juden erreichen?
Indem wir versuchen, in den sozialen Medien wie vor Ort präsent zu sein. Wir nehmen an so vielen Veranstaltungen der jüdischen Gemeinschaft teil, wie es möglich ist. Erst kürzlich waren wir beim Schabbaton der Studentenverbände in München und haben dort den persönlichen Austausch mit jungen jüdischen Erwachsenen. Wir möchten junge Jüdinnen und Juden dazu anregen, sich in der Arbeit von jüdischen Gemeinden und Initiativen zu engagieren.

Mit welchen Problemen kommen Studenten zu Ihnen?
Viele Jugendliche möchten sich gern in den Gemeinden engagieren und ihre Vorstellung davon, wie es ist, jüdisch zu sein, in den öffentlichen Diskurs einbringen. Neben omnipräsenten Themen wie Antisemitismus hat für sie die Gemeinschaftsbildung eine hohe Bedeutung. Junge Juden wünschen sich darüber hinaus Unterstützung und Argumentationshilfen, wenn zum Beispiel auf dem Campus »israelkritische« Initiativen auftauchen oder es Vorträge von rechtspopulistischen Gruppen gibt.

Wie ist Ihr persönlicher Hintergrund?
Ich komme aus Schleswig-Holstein und bin Mitglied der Jüdischen Gemeinde Kiel und Region. Seit diesem Jahr bin ich Alumnus des Ernst-Ludwig-Ehrlich-Studienwerks und schließe gerade meine Dissertation in Kulturwissenschaften ab.

Haben Sie als Student Erfahrungen mit Israelkritik oder Antisemitismus gemacht?
An meiner Universität gab es aus meiner Sicht wenige Bündnisse, die sich proisraelisch positionierten oder zu jüdischen Themen Stellung bezogen. Ich habe mir zu meiner regulären Studienzeit viele Gedanken darum gemacht, wie man in dieser Atmosphäre eigene Positionen hörbar machen und Gleichgesinnte finden kann. Jetzt bin ich froh, Teil einer Organisation zu sein, die gerade für solche Situationen Hilfe und Beratung anbietet.

Mit dem Geschäftsführer der Jüdischen Studierendenunion sprach Katrin Richter.

Engagement

Grenzenlose Solidarität

Spenden und Gespräche: Die jüdische Community ist schockiert über die dramatische Lage in der Ukraine und hilft – jeder so, wie er kann

von Christine Schmitt  05.02.2026

Gesellschaft

Einfach machen!

Seit dem Jahr 2000 zeichnet die amerikanische Obermayer Foundation ehrenamtlich engagierte Bürgerinnen und Bürger aus. So wie am vergangenen Sonntag im Jüdischen Museum in Berlin

von Katrin Richter  05.02.2026

Hilfe

Wärme schenken

Die Mitzwe Makers unterstützen mit der »Warmnachten«-Aktion obdachlose Menschen in der kalten Jahreszeit mit Sachspenden

von Esther Martel  04.02.2026

Podcast

Von Adelheid bis Henriette

Journalisten und Historiker gehen dem Leben jüdischer Frauen im 19. und 20. Jahrhundert nach

von Katrin Richter  04.02.2026

Umwidmung

Kein Zeitplan für Yad-Vashem-Straße in Berlin

Nach der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem soll ein Straßenabschnitt im Herzen von Berlin benannt werden. Bislang ist unklar, wann dies erfolgt

 03.02.2026

Tu Bischwat

Erste Blätter

Wie stellen sich jüdische Kinder das Neujahrsfest der Bäume vor? Wir haben einige Mädchen und Jungen gebeten, für uns zu malen

 02.02.2026

Berlin

Lehrerin und Heimatforscher mit Obermayer Awards ausgezeichnet

Seit dem Jahr 2000 verleiht die US-amerikanische Obermayer-Stiftung jährlich einen Geschichtspreis an Heimatforscher und Gedenk- und Aufarbeitungsprojekte in Deutschland. In diesem Jahr wurden vier Personen und eine Initiative geehrt

 01.02.2026

Porträt der Woche

Willkommen zu Hause

Laurette Dassui wuchs in Paris auf und entdeckte in Berlin ihr Jüdischsein neu

von Gerhard Haase-Hindenberg  01.02.2026

München

Wege aus dem Hass

Der amerikanisch-israelische Psychologe Dan Ariely und Guy Katz sprachen im »Prof-Talk« über Antisemitismus aus unterschiedlicher Perspektive

von Esther Martel  31.01.2026