Berlin

Schabbat unterm Regenbogen

Symbol für Vielfalt Foto: picture alliance / Peter Schatz

Es ist Freitagabend, und die Gemeinde bereitet sich auf einen ganz besonderen Schabbat vor. Zum dritten Mal in Folge öffnet die Synagoge ihre Türen für den »Keshet Pride Shabbat« – eine Veranstaltung, die die Vielfalt jüdischen Lebens feiert und queere Jüdinnen und Juden willkommen heißt.

Keshet Deutschland, eine Organisation für jüdische LGBTQ+-Menschen, hat dieses Event ins Leben gerufen, um einen Raum zu schaffen, in dem queere Jüdinnen und Juden ihre Identität vollständig leben können. David Studniberg, einer der Organisatoren, betont die Bedeutung dieses Ereignisses: »Der Pride Shabbat ist für uns das Highlight des Jahres. Es erfüllt mich total mit Glück und auch ein bisschen Stolz.«

Nach der Feier gibt es ein liebevoll organisiertes Buffet.

Die Synagoge füllt sich, und der diesjährige Pride Shabbat beginnt. Ariel Elbert, Vorstandsmitglied von Keshet, hält heute Abend die Drascha und betont die Vielfalt innerhalb des Judentums sowie die Bedeutung von Inklusion. »Von den ersten Kapiteln an betont die Tora die Vielfalt der Schöpfung. Haschem schuf nicht nur eine einzige Art von Lebewesen, sondern eine reiche Vielfalt: an Pflanzen, Tieren und Menschen. Jeder von uns ist einzigartig, geschaffen im Ebenbild Haschems, und doch sind wir alle Teil dieser größeren Einheit.« Nach dem Gottesdienst setzt sich die Feier mit einem liebevoll organisierten und eindrucksvollen Buffet im Garten der Synagoge am Fraenkelufer fort. Die Gemeinschaft, die sich hier gebildet hat, ist spürbar – einige Gäste beschließen, den Abend gemeinsam im Club About Blank in Berlin-Friedrichshain fortzusetzen.

Die Kooperation zwischen Keshet Deutschland und der Synagoge am Fraenkelufer ist ein Beispiel für gelungene Inklusion. Seit der Gründung von Keshet hat die Gemeinde die Organisation unterstützt und ihre Türen geöffnet. Gezielt wurden Angebote für junge Menschen und Familien geschaffen und dabei auch queere Menschen ausdrücklich willkommen geheißen. Diese Offenheit hat Früchte getragen. 

Die Synagoge am Fraenkelufer ist für viele Keshet-Mitglieder zu einer Art »inoffizieller Keshet-Synagoge« geworden - ein Ort, an dem sie sich auch außerhalb des Pride Shabbats willkommen und akzeptiert fühlen. Diese Entwicklung zeigt, wie wichtig es ist, Räume zu schaffen, in denen sich alle Menschen in ihrer Gesamtheit angenommen fühlen. »Viele haben das Gefühl, dass sie in einigen Gemeinden als queere Menschen nicht so willkommen sind«, erklärt Studniberg. »Hier können sie ihre Identität vollständig leben, ohne sich entscheiden zu müssen.« Diese Möglichkeit, beide Aspekte der Identität - jüdisch und queer - gleichzeitig ausleben zu können, ist für viele Teilnehmende eine befreiende Erfahrung.

Zahlreiche ehrenamtliche Helferinnen und Helfer tragen zum Erfolg des Schabbats bei

Der Erfolg von Keshet Deutschland und des Pride Shabbats basiert auf dem unermüdlichen Engagement zahlreicher Ehrenamtlicher. »Ich finde es unglaublich schön und sehr besonders, dass wir bei Keshet so viele engagierte und hoch motivierte Leute haben«, betont Studniberg. »Ehrenamtliches Engagement kann viel bewegen. Das sieht man am Pride Shabbat, und das sehe ich total in dem, was wir schon alles geschafft haben.«

Die Wirkung von Keshet und dem Pride Shabbat reicht weit über die Grenzen der Synagoge am Fraenkelufer hinaus. Auch andere Gemeinden in Berlin haben die Organisation bereits willkommen geheißen. Das langfristige Ziel ist es, selbst in konservativeren Gemeinden ein Bewusstsein für die Vielfalt jüdischen Lebens zu schaffen.

In einer Welt, die oft von Vorurteilen geprägt ist, demonstriert der Pride Shabbat eindrucksvoll, wie jüdische Traditionen und queere Identitäten nicht nur koexistieren, sondern sich gegenseitig bereichern können. Indem er Toleranz, Respekt und Vielfalt zelebriert, setzt er ein kraftvolles Zeichen, das weit über die Grenzen der jüdischen Gemeinschaft hinausreicht. Keshets Erfolg macht Mut und gibt Hoffnung - nicht nur für queere Jüdinnen und Juden, sondern für alle, die sich eine offenere und inklusivere Gesellschaft wünschen.

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