München

»Rechtsradikale und rassistische Gesinnung«

Gedenkstätte für die Opfer des Attentats vom 22. Juli 2016 im Olympia-Einkaufszentrum in München Foto: imago/Revierfoto

Mehr als drei Jahre liegt der Terroranschlag im Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) zurück, bei dem ein 18-jähriger Münchner neun Menschen und anschließend sich selbst erschoss. Das Landeskriminalamt, das einen politischen Hintergrund bisher ausschloss, bewertet das Verbrechen neu und spricht nun von einer »rechtsradikalen und rassistischen Gesinnung« des Täters.

Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, zeigte sich von der Neubewertung der Tat durch die Behörden nicht überrascht. Mehrere Aspekte hatten bereits kurz nach dem Verbrechen auf einen möglichen rassistischen und rechtsextremistischen Hintergrund hingedeutet.

antisemitismus Man habe bereits damals gesehen, wohin der blinde Hass führen könne, der sich in der Gesellschaft immer weiter ausbreite, kommentierte die IKG-Präsidentin die neue Einschätzung der Behörden: »Wenn von Schulhöfen bis in die Parlamente hinein immer öfter extremistische Positionen unwidersprochen formuliert werden, wenn Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit zunehmen – dann darf es uns nicht überraschen, wenn aus menschenverachtenden Worten brutale Taten werden.«

Die Ermittler waren bisher von einem Racheakt des psychisch labilen Täters ausgegangen, der sich von türkischen Jugendlichen gemobbt gefühlt habe.

Die Ermittler waren bisher von einem Racheakt des psychisch labilen Täters ausgegangen, der sich von türkischen Jugendlichen gemobbt gefühlt habe. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) wies darauf hin, dass die Ermittlungen, die erst vor Kurzem abgeschlossen worden seien, ein ganzes Bündel an Motiven zutage gefördert hätten. »Aber der Täter hatte zweifelsohne auch rassistische Beweggründe«, machte er deutlich.

Hinweise auf eine rechtsextremistische Gesinnung des 18-Jährigen hatte es schon kurz nach dem Mordanschlag gegeben. Etwa ein Jahr vor dem Attentat hatte dieser den Ermittlungen zufolge ein Manifest verfasst, das sich gezielt gegen Migranten richtete, die er als »Untermenschen« und »Kakerlaken« bezeichnete.

opfer Nahezu alle Opfer in München hatten einen Migrationshintergrund. Den Anschlag hatte er zudem am fünften Jahrestag des Amoklaufs von Utoya und Oslo begangen, bei dem der Rechtsterrorist Anders Breivik 77 Menschen ermordete. Diese und noch einige andere Aspekte führten bei der abschließenden Bewertung des Falls durch das Landeskriminalamt zu einer Kehrtwende.

Im Gutachten der Behörde heißt es jetzt: »In Zusammenfassung der Erkenntnisse der letzten drei Jahre Ermittlungsarbeit erscheint es gerechtfertigt, von einer politischen Motivation zu sprechen.«

Pädagogik

Neues Onlinespiel soll gegen Antisemitismus im Netz helfen

In sozialen Medien wird Judenhass verbreitet und auch der Holocaust falsch dargestellt. Damit junge Menschen solche Inhalte besser erkennen, können Lehrkräfte ein neues Onlinespiel nutzen

von Alexander Riedel  26.06.2026

Köln

»Russisch gehört zum Familienleben«

Hana Fischer bietet in der Kulturakademie Sprachkurse für Kinder an. Ein Gespräch über spielerisches Lernen, Vokabeln und das beliebte Bingo-Alphabet

von Christine Schmitt  26.06.2026

Dresden/Gohrisch

Sächsische Schostakowitsch Tage eröffnet

Das Festival widmet sich bis Sonntag jüdischen Einflüssen auf das Werk des russischen Komponisten

 26.06.2026

Chabad

Jüdische Gemeinde verschiebt Fest wegen Hitze

Neuer Termin nun Ende August

 25.06.2026

Musik

Vielstimmig

Das Festival »Shirat Haʼam« der ZWST hat sich zu einer kleinen Tradition entwickelt und ist so beliebt, dass Chöre weite Reisen auf sich nehmen, um dabei zu sein. Wir haben mitgehört

von Anja Bochtler  25.06.2026

Zwickau

Ausstellung zu jüdischen Lebensgeschichten

Im Jahr 2022 ist in Zwickau eine alte Torarolle wiederentdeckt worden. Die Schrift der früheren jüdischen Ortsgemeinde bildet nun das Herzstück einer Ausstellung

 24.06.2026

Dresden

Sachsen erwägt Verbindungsbüro in Israel

Das sächsische Kabinett stehe seiner Anregung dazu positiv gegenüber, sagt der Beauftragte für jüdisches Leben, Thomas Feist

 24.06.2026

Dresden

Jüdisches Leben: Gefühl von Unsicherheit im Alltag

In Sachsen gestalten Jüdinnen und Juden das kulturelle und gesellschaftliche Leben entscheidend mit. Dennoch bleibt Antisemitismus ein präsentes Problem

 23.06.2026

Meinung

Essen mit Beigeschmack

Katrin Richter kritisiert, dass jüdische und israelische Küche zunehmend nur noch mit Schutzkonzept serviert werden kann

von Katrin Richter  23.06.2026