Bielefeld

Rabbiner und Kantor ordiniert

Rabbiner Walter Jacob, der Präsident des Abraham Geiger Kolleg, bei der Ordination von Rabbinerin Natalia Verzhbovska Foto: dpa

Vier Rabbiner und ein Kantor sind mit einer feierlichen Ordination am Montag in der Bielefelder Synagoge in ihr Amt eingeführt worden.

Die vier Rabbiner, darunter zwei Frauen, sind Absolventen des liberalen Abraham Geiger Kollegs an der Universität Potsdam. Mit Natalia Verzhbovska aus der Ukraine wird erstmals eine Frau als Rabbinerin in Nordrhein-Westfalen tätig. Sie wird für die liberalen jüdischen Gemeinden Köln, Oberhausen und Unna zuständig sein.

Karriere Zu Rabbinern ordiniert wurden zudem Eli Reich, Sonja Keren Pilz und Alexander Grodensky. Der Kantor Amnon Seelig wurde eingekleidet. Grodensky wird Gemeinderabbiner im luxemburgischen Esch. Sonja Keren Pilz aus Berlin, die in Gemeinden in Deutschland und in der Schweiz arbeitet, will ihre wissenschaftliche Karriere fortsetzen. Der in Schweden geborene Reich, der in Israel studierte, lehrte in den vergangenen Jahren in amerikanischen Synagogen. Seelig, der unter anderem in einem jüdischen Forschungszentrum an der Universität Erfurt arbeitet, kündigte an, eine Doktorarbeit schreiben zu wollen.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) würdigte die Ordination der jüdischen Geistlichen als ein positives Zeichen. Sie wisse, dass es für die jüdische Gemeinschaft weder leicht noch selbstverständlich sei, Deutschland wieder als Heimat zu sehen, sagte Kraft beim Festakt.

Deshalb sei dies ein großer Tag der Freude und Dankbarkeit. Kraft versicherte, dass die Landesregierung alles tue, »um jede Form von Antisemitismus und jede Gefährdung des jüdischen Lebens in unserem Land mit allen Mitteln des Rechtsstaates zu verfolgen«.

An der Ordinationsfeier nahmen neben Thüringens Regierungschef Bodo Ramelow (Linke) auch der Vizepräsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Abraham Lehrer, und der Vorsitzender der Allgemeinen Rabbinerkonferenz, Henry G. Brandt, teil.

Dresden Die ersten Absolventen des Rabbinerseminars, das nach dem jüdischen Reformer Abraham Geiger (1810-1874) benannt ist, wurden 2006 in Dresden ordiniert. Seitdem wurden 20 Rabbiner und sechs Kantoren in ihre Ämter eingeführt. Das Abraham Geiger Kolleg führt die Tradition der 1872 eröffneten und 1942 von den Nazis geschlossenen Berliner Hochschule für die Wissenschaft des Judentums fort.

Als erste Rabbinerin seit der Schoa wurde in Deutschland 2010 Alina Treiger ordiniert, die ebenfalls Absolventin des liberalen Rabbinerseminars ist.

Die Berlinerin Regina Jonas war 1935 die weltweit erste Frau, die zur Rabbinerin ordiniert wurde. Ausüben konnte sie ihren Beruf nur mit Einschränkungen, weil die jüdischen Gemeinden sie nur als Religionslehrerin akzeptierten. 1942 wurde Regina Jonas von den Nazis gemeinsam mit ihrer Mutter nach Theresienstadt deportiert und 1944 in Auschwitz ermordet. epd

Interview

»In eine Synagoge bin ich das erste Mal in Deutschland gegangen«

Ab den 90er-Jahren fingen viele sowjetische Juden in Deutschland noch einmal von vorn an. Sind sie angekommen? Ein Gespräch über Flüchtlingsheime, nicht anerkannte Diplome und die Wiederentdeckung jüdischer Traditionen

von Mascha Malburg  29.01.2026

Meinung

Die Täter müssen sich schämen

Ein Missbrauchsskandal erschüttert derzeit die jüdische Gemeinschaft Deutschlands. Wer solche Taten besser verhindern will, muss Betroffene in die Lage versetzen, angstfrei über ihre schrecklichen Erfahrungen sprechen zu können

von Daniela Fabian  29.01.2026

Urteil

Fristlose Kündigung eines Rabbiners bestätigt

Die Jüdische Gemeinde Berlin hatte im Sommer 2023 einem Rabbiner wegen sexueller Übergriffigkeit fristlos gekündigt. Eine Klage des Mannes dagegen wurde jetzt auch in zweiter Instanz zurückgewiesen

 29.01.2026

Holocaust-Gedenktag

»Mama, wo sind all die Menschen?«

Tova Friedman sprach im Deutschen Bundestag über ihre Deportation nach Auschwitz, das Grauen im KZ und darüber, was das Überleben mit ihr gemacht hat. Wir dokumentieren ihre Rede

von Tova Friedman  28.01.2026

Programm

Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 29. Januar bis zum 5. Februar

 28.01.2026

Meinung

Was würden Saba und Safta sagen?

Sie würden uns zurufen: »Wehrt euch gegen diesen Hass! Schließt euch mit denen zusammen, die in Deutschland bisher schweigen, aber dennoch die Mehrheit darstellen«

von Avitall Gerstetter  28.01.2026

Berlin

Feuer im Jüdischen Krankenhaus: Kein antisemitisches Motiv

In der Nacht kommt es zu einem Feueralarm. Ein Patient steht im Verdacht, einen Brand verursacht zu haben. Viele Details sind weiterhin unklar

 28.01.2026 Aktualisiert

Gedenken

Union Berlin und Hertha BSC gedenken gemeinsam der Holocaust-Opfer

Am internationalen Holocaust-Gedenktag erinnerten die beiden Stadtrivalen Hertha BSC und Union Berlin gemeinsam an die Deportationen, die in der NS-Zeit vom S-Bahnhof Grunewald ausgingen Beide Vereine mahnten zum Vertrauen in die Demokratie

 27.01.2026

Gedenken

Iris Berben erinnert an Schoa-Überlebende Margot Friedländer

Die Schauspielerin engagiert sich im Projekt »Ich bin Zweitzeugin von...«. So soll die Erinnerung an die Überlebenden des Holocaust wach bleiben

von Anita Hirschbeck  27.01.2026