Leipzig

Per App zur Synagoge

Stadtrundgang: neue App fürs Smartphone Foto: Heidrun Böger

In Leipzig können sich Interessierte seit Kurzem per Audioguide auf die Spuren jüdischen Lebens begeben. Unter www.juedischesleipzig.de lässt sich ein 60-minütiger Hörrundgang auf den MP3-Player herunterladen, dazu gibt es einen speziellen Stadtplan mit den verschiedenen Stationen des Rundgangs. Neu ist eine App für Smartphones.

»Die Idee entstand 2007 anlässlich der jüdischen Woche in Leipzig aus rein privater Initiative heraus«, erzählt Dana Krätzsch. Gemeinsam mit Rafael Klitzing habe sie die Idee zum jüdischen Hörrundgang entwickelt und in die Tat umgesetzt. Entstanden ist ein Rundgang mit insgesamt 23 Stationen auf dem Faltplan, von denen zehn gesprochen als Download zur Verfügung stehen. Touristen, aber auch geschichtsinteressierte Leipziger können sich entsprechend ausgestattet an die Orte jüdischen Lebens begeben.

Kroch-Haus Prägnant und über Leipzig hinaus bekannt ist die Gedenkstätte Große Gemeindesynagoge in der Gottschedstraße/Ecke Zentralstraße. Typisch für jüdisches Leben in der Messestadt sind aber auch der Königsbau und das Kroch-Haus in der Goethestraße, die Volks- und Höhere Israelitische Schule in der Gustav-Adolf-Straße 7 und die »Judenhäuser«.

»Wir haben viel dazu recherchiert und zum Beispiel mit Henry Bamberger, einem in Los Angeles lebenden Nachfahren der Kaufhaus-Dynastie, telefoniert«, erzählt Dana Krätzsch. Seine Eltern, die Eheleute Olla und Ludwig Bamberger, führten seit 1911 in Leipzig das Herrenkonfektionshaus Bamberger und Hertz am Augustusplatz. Es gehörte zu den bedeutendsten Konfektionshäusern Deutschlands. Die Besitzer starben in Theresienstadt.

Im Hörrundgang enthalten sind darüber hinaus die aktuellen Stätten jüdischen Lebens in Leipzig: die Israelitische Religionsgemeinde in der Löhrstraße, die Gemeindesynagoge in der Keilstraße und das Begegnungszentrum in der Hinrichsenstraße 14. Der gesprochene Teil des Rundgangs konzentriert sich im Wesentlichen auf die Leipziger Innenstadt, damit er als Rundgang auch funktioniert.

Idee »Rafael Klitzing und ich wussten, dass es bis zur Nazizeit ein vielfältiges jüdisches Leben in Leipzig gegeben hatte. Das zu dokumentieren, war uns wichtig«, beschreibt Dana Krätzsch die Idee zu dem Rundgang.

Die Israelitische Religionsgemeinde zu Leipzig gründete sich 1847. 1925 war sie mit rund 13.000 Mitgliedern die sechstgrößte jüdische Gemeinde in Deutschland und die größte in Sachsen. Inzwischen gibt es auf der Internetseite neben der englischen auch eine russische Übersetzung des Rundgangs, die damit vor allem den Zuwanderern untern den rund 1.300 Mitgliedern der jüdischen Gemeinde entgegenkommt. Allerdings steht die russische Version noch nicht als Hörrundgang, sondern nur in schriftlicher Form zur Verfügung.

Aber es gibt auch Leute, die ihre jüdischen Vorfahren suchen oder Fragen zum Judentum haben. Da die beiden Initiatoren des Rundgangs mittlerweile gut vernetzt sind, geben sie solche Anfragen zum Beispiel an die Israelitische Religionsgemeinde weiter.

www.juedischesleipzig.de

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