JuKo-Umfrage

»Schlafen kann ich später«


In kürzester Zeit gab es keine freien Plätze mehr, so schnell meldeten sich mehr als 400 junge Jüdinnen und Juden für den Jugendkongress (Juko) an, der unter dem Motto »Our Turn« (»Wir sind dran«) von Donnerstag bis Sonntag in Hamburg stattfindet. Junge jüdische Erwachsene kommen zusammen, um ihre Stimme zu erheben und gemeinsam Zukunft zu gestalten. Die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST) organisiert das Event gemeinsam mit dem Zentralrat der Juden für Menschen zwischen 18 und 35 Jahren.

Die Veranstalter haben ein ambitioniertes Programm auf die Beine gestellt, das sowohl intellektuell herausfordert als auch praktische Hilfestellungen bietet. Workshops zur Krisenbewältigung, vor allem zum Umgang mit Antisemitismus und Hassrede in sozialen Medien, stehen dabei im Fokus. Die Liste der Referenten verspricht inspirierende Begegnungen mit außergewöhnlichen Persönlichkeiten: Yoseph Haddad, ein arabisch-israelischer Journalist und Aktivist, bringt bewegende Erfahrungen mit. Mit Aleeza Ben Shalom wird eine Expertin für moderne jüdische Beziehungskultur erwartet. Mit dabei ist auch der Pianist Igor Levit, der sich gegen Antisemitismus und für Menschenrechte einsetzt. Ein absolutes Highlight dürften die Schabbatfeier und die anschließende Party sein.

Roy Zvi Can Sidiropoulos, 30, Hamburg
Tatsächlich ist es mein erster Juko – und ich bin sehr gespannt, was mich erwartet. Von Freunden habe ich gehört, dass der Kongress sehr viel Spaß und viele neue Erkenntnisse bringt. Austausch und Vernetzung sind wertvoll, und ich freue mich auf das Programm und die Formate zu unterschiedlichen Themen. Und natürlich darauf, neue Leute kennenzulernen. Auf die eingeladenen Speaker bin ich sehr gespannt, vor allem auf den Journalisten Yoseph Haddad, der sich selbst als entschiedenen Verfechter Israels bezeichnet. Seit Längerem verfolge ich seine Geschichte. Am meisten freue ich mich aber auf den gemeinsamen Schabbat und die Hawdala.

David Baum, 18, Frankfurt
Ich bin total neugierig auf den Juko – schließlich ist es eine Premiere für mich. Von anderen aus der jüdischen Community habe ich gehört, dass man viel erlebt. Ich hoffe auf eine Stimmung, die an die Jewrovision erinnert. Natürlich möchte ich Leute aus anderen Städten kennenlernen. Und die Party am Samstag wird bestimmt cool. Aber auch die Workshops und Diskussionen interessieren mich, am meisten das Thema Antisemitismus. Wie können wir im Alltag damit umgehen? Ebenso bewegt mich der Nahostkonflikt und welche Lösungen für eine Entschärfung denkbar wären. Ich hoffe auf Antworten. Derzeit arbeite ich als Rettungssanitäter, und ab Herbst werde ich Medizin studieren.

Debbie Vogler, 20, Düsseldorf
Im vergangenen Jahr war ich zum ersten Mal als Teilnehmerin beim Juko. Diesmal bin ich sowohl Teilnehmerin als auch Dozentin, denn ich biete einen Yoga-Workshop an. Ich bin Sportlerin und spiele Tennis. Kurz vor den Wettkämpfen wärme ich mich immer mit Yogaübungen auf. Ich dachte mir, dass es auch in den Juko passt. Ich hoffe natürlich, dass viele kommen und wir in einer entspannten Atmosphäre agieren.

Am meisten freue ich mich, die ganze jüdische Community wieder auf einem Fleck zu sehen. Wir haben uns so viel zu erzählen und werden bis tief in die Nacht quatschen. Das Juko-Motto »Our Turn« heißt, dass wir jetzt an der Reihe sind. Die Weltlage hat sich extrem verändert – wir möchten unsere Gedanken und unsere Ideen miteinander teilen. Die Vorträge und Workshops mit unterschiedlichen Themen finde ich spannend. Politische Bildung findet in einem Safe Space statt – das ist toll. Bei den Workshops anderer Sportler möchte ich auch reinschauen. Schlafen kann ich später.

Tim Kurockin, 20, Berlin
In meiner Heimatstadt Arnberg in Bayern wuchs ich in einer eher etwas älteren Gemeinde auf. Vor etwa vier Jahren entdeckte ich das Projekt »Meet a Jew«, dank dessen ich an Seminaren teilnehmen konnte und so die jüngere jüdische Bubble kennenlernte. Beim Juko werden andere Engagierte und ich einen Workshop leiten. Ich finde es megacool, so viele Juden in meinem Alter auf dem Juko zu treffen.
Eine Gesprächsrunde beim vergangenen Juko ist mir noch sehr präsent: Überlebende des Nova-Festivals berichteten. Die politischen Themen, die in vielen Diskussionen und Vorträgen aufgegriffen werden, interessieren mich. Da konnte ich im vergangenen Jahr viel mitnehmen. Nun wird es auch um Perspektiven und Herausforderungen des jüdischen Lebens gehen. Auch beim Ausflug ins Axel-Springer-Verlagshaus bin ich dabei. In diesem Jahr wird zudem der neue Vorstand des JSUD gewählt, was spannend und wichtig ist. Eines weiß ich jetzt schon: Ich werde die Nächte durchmachen.

Yaniv Taran, 18, Trier
Mein Wunsch für den Juko? Ich möchte eine gute Zeit an den vier Tagen in Hamburg haben. Soweit ich weiß, bin ich der Einzige aus Trier, der sich am Donnerstag in den Zug setzt, um in den Norden zu fahren. Da ich schon oft bei der Jewrovision dabei war, denke ich, dass ich einige Freunde treffe. Natürlich weiß ich schon jetzt, dass sich am Ende des Jukos mein Freundeskreis deutlich erweitert haben wird. Inhaltlich interessiert mich am meisten die politische Bildung, deshalb habe ich mich gleich für zwei Workshops angemeldet. In dem einen geht es um Gaza und in welche Richtung es für diesen Ort gehen könnte. Der andere trägt den Titel »Wie schreibt man über junges jüdisches Leben?«. Allerdings weiß ich nicht genau, was sich dahinter verbirgt. Ich lasse mich überraschen. Und ich bin sehr gespannt auf den Besuch im Axel-Springer-Verlag, bei dem ich auch eine Redaktion kennenlerne. Natürlich stehen zudem die Wahlen bei der Jüdischen Studierendenunion Deutschland (JSUD) im Fokus. Mit 18 Jahren kann ich mich nun in der JSUD engagieren und so meine Generation vertreten. Passend zum Juko-Motto »Our Turn« freue ich mich darauf, jetzt dran zu sein, Einfluss zu haben und den neuen Präsidenten sowie den neuen Vorstand zu wählen – eine Verantwortung, die ich ernst nehme und die für die Zukunft jüdischen studentischen Lebens in Deutschland entscheidend ist.

Juwal Dattner, 24, München
Viermal war ich bisher dabei, nun wird es also mein fünfter. Ich kann es jedem jüdischen Studenten oder frisch Arbeitstätigen nur nahelegen, teilzunehmen. Die Tage sind voll mit Programm – und die Atmosphäre hat das vertraute Machane-Feeling. Es ist die perfekte Gelegenheit, alte Bekannte zu treffen und neue Netzwerke zu knüpfen. Besonders gespannt bin ich auf die Diskussionen zu jüdischen Themen, die von Experten geleitet werden und hoffentlich neue Perspektiven eröffnen – sei es zum Nahostkonflikt oder zur aktuellen Situation des steigenden Antisemitismus. Trotz ernster Themen sollte der Jugendkongress aber nicht die Stimmung trüben, sondern wichtige Debatten ermöglichen und gleichzeitig Raum für Wiedersehen und Feiern bieten. Jedes Jahr begeistert mich das breite Angebot an Ausflügen, auch wenn die besten Plätze immer schnell vergriffen sind. Dieses Mal werde ich an der Sightseeingtour teilnehmen, nachdem meine Wunschführung im NDR-Fernsehstudio bereits ausgebucht war.

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