EILMELDUNG! Likud-Bündnis mit 54 Sitzen vorn. Eisenkots Bündnis kommt auf 47 Sitze

Stuttgart

Opfer eines Schauprozesses

Bei der Übergabe des Platzes nannte Barbara Traub, die Vorstandssprecherin der IRGW, den neu geschaffenen Ort »einen Raum für Vielfalt«. Foto: Brigitte Jähnigen

Es hat 26 Jahre gedauert, bis aus einem schäbigen Stuttgarter Hinterhof mit Tiefgarageneinfahrt ein wirklicher Platz im Herzen der Stadt wurde. Er ist Joseph Süß Oppenheimer (1698–1738) gewidmet, dem Geheimen Finanzrat am Hof des württembergischen Herzogs Karl Alexander. Weil Oppenheimer in judenfeindliche Intrigen des Landes geriet, wurde er nach einem Schauprozess 1738 getötet. Die Hinrichtung Oppenheimers war ein Spektakel und zog 20.000 Schaulustige an. Anschließend blieb der tote Körper Oppenheimers jahrelang unter freiem Himmel in einem Käfig am Galgen hängen und war den Rachegelüsten der Bevölkerung ausgesetzt.

Bei der Übergabe des Platzes nannte Barbara Traub, die Vorstandssprecherin der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs (IRGW), den neu geschaffenen Ort »einen Raum für Vielfalt«. Joseph Ben Issachar Süßkind sei, in der Gestalt des »Jud Süß« aus der Literatur- und Kulturgeschichte, vor allem jedoch durch den Propagandafilm der Nazis aus dem Jahr 1940 »bekannt«, so Traub.

Die Person hinter dem geschaffenen Zerrbild aber sei verborgen geblieben. Obendrein habe der Finanzrat später den Nazis dazu gedient, Judenhass zu befeuern. Für Barbara Traub ist Oppenheimers Geschichte unverändert aktuell. Seine Ermordung stehe »sinnbildlich für viele Episoden der Ausgrenzung in unserer Geschichte«. Der Platz, so Traub, sei ein geeigneter Ort, um Entwicklungen unserer Gesellschaft »bewusst zu reflektieren und zu erkennen, wie vielfältig wir sind«.

Für Barbara Traub ist Oppenheimers Geschichte unverändert aktuell

Die Vorstandssprecherin dankte der Stiftung Geißstraße – bei der offiziellen Übergabe des Platzes auch durch den Geschäftsführer der Stiftung, Michael Kienzle, vertreten –, dass sie fast drei Jahrzehnte auf die Aufwertung des Platzes hingewirkt hatte. Unter den Gästen stand neben Landtagspräsidentin Muhterem Aras der eigens aus Australien angereiste, in Stuttgart geborene Schoa-Überlebende Garry Fabian mit seiner Tochter.

Ihre Anwesenheit setze »ein Zeichen jüdischen Lebens«, freute sich Barbara Traub. Die junge jüdische Generation war mit einer Performance der Jugendgruppe »Halev« der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs vertreten. Der Stuttgarter Oberbürgermeister Frank Nopper sieht in dem neuen Platz, der 2,5 Millionen Euro kostete, auch einen »Lernort für Schulklassen«, der über antisemitische Verzerrungen informiere.

Das Zentrum des Erinnerungsortes bilden drei Cortenstahlplatten, in die der Name Oppenheimers gefräst ist. Sie sind durch Stahlträger miteinander verbunden und bilden einen Pavillon. Mehrere Sitz­inseln laden zum Verweilen ein und zum Austausch über die Inhalte von Tafeln, die über das Leben und Sterben des Geheimen Finanzrats informieren.

Seele

Wenn alles zu viel ist

Erstarkende Extreme, Gedanken ans Auswandern, Rechtfertigen im Alltag – eine virtuelle Begegnung mit Jüdinnen und Juden und der Frage: Wie gehtʼs dir?

von Katrin Richter  27.10.2026

Ausstellung

Waschgefäß ohne Geschichte

Das Jüdische Historische Institut in Warschau zeigt Exponate aus dem ehemaligen Berliner Jüdischen Museum – ohne klare Verweise und mit auffälliger Distanzierung

von Ingo Loose  27.10.2026

Frankfurt am Main

Ort jüdischen Denkens: Akademie öffnet

Es ist die erste Institution dieser Art in der Bundesrepublik. Was hat es damit auf sich?

 27.10.2026

Deutschland

Zentralrat der Juden warnt vor möglicher antisemitischer Gewalt bei Protesten am 31. Oktober

In einem Schreiben wird für das Wochenende zu Vorsicht und verschärften Sicherheitsmaßnahmen geraten

 26.10.2026

Brandenburg

Neuer Staatsvertrag für jüdische Gemeinden in Brandenburg

In Brandenburg hat die Bekämpfung des Antisemitismus seit 2022 Verfassungsrang. Nun soll der Staatsvertrag mit den jüdischen Gemeinden verbessert werden

 25.10.2026

Porträt der Woche

Die Erinnerung muss bleiben

Thomas Gabelin wurde in Theresienstadt geboren. Heute ist er aktiver Zeitzeuge

von Christine Schmitt  25.10.2026

Jubiläum

Brücke nach Israel

TAMAD feiert 25 Jahre Freundschaft und kulturellen Dialog mit dem jüdischen Staat

von Luis Gruhler  25.10.2026

Brustkrebs

»Vorsorge ist entscheidend«

Hannah Arbitmann über Mammakarzinome, Gentests und die Menopause

von Katrin Richter  23.10.2026

Würdigung

Bayerischer Walk of Fame

Zwei Lebensgeschichten, ein gemeinsames Zeichen: Charlotte Knobloch und Herzog Franz von Bayern werden für ihr Engagement geehrt

von Luis Gruhler  23.10.2026