Jewrovision

Nie wieder Letzte werden

Zum Gewinnen verpflichtet: Teilnehmer von Am Echad Foto: IKG

Jewrovision

Nie wieder Letzte werden

Was die Kids aus Bayern unternehmen, um in die Top Ten des jüdischen Song Contests zu gelangen

von Christine Schmitt  05.02.2018 18:54 Uhr

Sie wollen nie wieder auf dem letzten Platz landen. Um nie mehr Schlusslicht bei der Jewrovision zu werden, haben sie sich etwas ganz Besonderes ausgedacht. »Hiermit verpflichte ich mich, sowohl im Training als auch bei der Jewrovision mein Allerbestes zu geben und Am Echad Bayern mit all meiner Kraft und meinem ganzen Herzen zu vertreten und in die Top Ten der Jewrovision zu führen.« Was wie ein Kampfruf anmutet, ist ein Vertrag, den die 22 Kinder und Jugendlichen aus dem Freistaat gerne unterschrieben haben.

»Wir lassen uns nicht unterkriegen«, sagt die 17-jährige Lena, die als Tänzerin auf der Bühne stehen wird. Zum fünften Mal ist sie nun dabei und hat miterleben müssen, zweimal auf dem letzten und einmal auf dem vorletzten Platz zu landen. Da seien die Vorbereitungen nicht optimal gewesen, erinnert sie sich. Es habe nicht so geklappt, wie sie es sich gewünscht hätten. Jetzt aber sei alles anders: Denn die schlechte Platzierung ist nun Ansporn, besser zu werden. Das Training läuft super, und »ich bin motiviert, den Vertrag einzuhalten«, sagt Lena, die in Nürnberg wohnt. Vor allem aber sind alle mit Spaß bei der Sache. »Unsere Jewrovision-Familie wird immer größer, denn es engagieren sich jedes Jahr neue Kinder.«

Anreise Die Jugendlichen der Jewrovision-Gruppe des Landesverbandes Bayern kommen aus fünf verschiedenen Städten nach Nürnberg. Neben den ortsansässigen Kindern wohnen sie in Würzburg, Augsburg, Straubing und Hof. Die weiteste Anreise hat Sofiya aus Regensburg, die in der letzten Zeit jeden Sonntag zweieinhalb Stunden zum gemeinsamen Training und zweieinhalb Stunden zurück einplanen muss.

»Klar habe ich meinen Namen unter den Vertrag gesetzt, und es ist eine Ehrensache, dass ich mich daran halten werde«, sagt die 16-Jährige. Sie sei dankbar, als Tänzerin mit auf der Bühne stehen zu dürfen. Für sie ist es das zweite Mal. Sie tanze auch in ihrer Freizeit viel, am liebsten kreiere sie ihren eigenen Stil. Das ist bei der Jewrovision natürlich anders, denn da ist jeder Schritt festgelegt.

Neuerung Noch etwas ist neu: Früher sind sie als Landesverband Bayern angetreten, nun haben sie sich einen neuen Namen überlegt, nämlich Am Echad, was übersetzt »ein Volk« heißt. Fünf Städte werden so zu einem großen Ganzen, sagt Mike Delberg, der als Coach die Gruppe trainiert. »Mit dem letzten Platz die Jewrovision zu verlassen, ist hart«, meint er. Ihm sei aufgefallen, wie engagiert und begeistert die Kids nun bei der Musik, dem Gesang und dem Tanz sind. Das habe ihn sehr berührt.

Und er kennt sich mit der Jewrovision bestens aus, da er viele Gruppen als Coach trainiert hat. Der Landesmeister in Lateinamerikanischen Tänzen hat gemeinsam mit seiner Schwester Leni die Berliner mehrmals auf Platz eins geführt.
Michael, zehn Jahre alt, ist neu im Team. »Ich denke schon, dass wir unter die Top Ten kommen werden, wenn wir wirklich alle unser Bestes geben.« Wenn er die weiße Hose anzieht, in die weißen Schuhe steigt und ein weißes Shirt überzieht, dann bekommt er schon gute Laune. »Es ist nicht schlimm, wenn man verliert, denn wir können es jetzt besser machen.« Keine Angst vor dem Verlieren – so klappt es dann vielleicht wirklich besser.

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