München

»Nicht nur reden«

Der Politiker Thomas Oppermann sprach in der IKG über die GroKo, Israel und den Umgang mit der AfD
Am 15. Februar hat Thomas Oppermann, Vizepräsident des Deutschen Bundestags, die Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern besucht. Präsidentin Charlotte Knobloch dankte ihm für seine beeindruckende Leitung der Bundestagssitzung am 18. Januar dieses Jahres, in der auf Antrag von CDU/CSU, SPD, FDP und Bündnis 90/Die Grünen einstimmig der entschlossene Kampf gegen Antisemitismus beschlossen wurde.

»Es war eine sehr bewegende Sitzung, von der ein wichtiges Signal ausging«, betonte Knobloch. Gerade auch deshalb, darin waren sich Knobloch und Oppermann einig, weil der in dem Beschluss vorgesehene Antisemitismusbeauftragte nicht nur für die Bekämpfung des Judenhasses zuständig sein soll, sondern auch für die weitere Förderung der jüdischen Gemeinden und des aktiven jüdischen Lebens in unserem Land. Das, so die IKG-Präsidentin, sei mit Blick auf die nächsten jüdischen Generationen in Deutschland von größter Relevanz.

geschichte Oppermann bezeichnete es als »großes Glück, dass jüdisches Leben in Deutschland wieder in ungeahnter Blüte präsent ist«. Auch in seiner Heimat Göttingen, wo es wieder eine jüdische Gemeinde und eine wiederhergestellte Synagoge gibt. Nur ein Beispiel, so Oppermann, »wie die zerstörerische Kraft der Geschichte besiegt wurde«.

Knobloch unterstrich, dass man daran weiter arbeiten müsse. Auch die Politik müsse nachdenken, wie Normalität zwischen Nichtjuden und Juden zu erreichen sei. »Ich habe das Gefühl, dass Brücken gebaut und wieder eingerissen werden«, sagte Knobloch. Normalität, so ihre Hoffnung, könne vielleicht den noch immer sehr starken Antisemitismus abbauen.

Die IKG-Präsidentin verwies darauf, dass Judenfeindlichkeit heute insbesondere unter dem Deckmantel der »Israelkritik« zum Ausdruck komme, leider gerade im linken politischen Spektrum. Dieser Problematik ist sich auch Oppermann bewusst, der selbst seit vielen Jahren eine tiefe Verbundenheit mit Israel pflegt. Das erste Mal bereiste er den jüdischen Staat im Jahr 1993 als Landtagsabgeordneter. Seit 2005 ist er mindestens einmal jährlich dort.

Populisten Aktuell gelte seine ganze Konzentration der raschen Bildung einer stabilen Regierung. Er hoffe daher auf die Zustimmung der SPD-Basis zur Fortsetzung der Großen Koalition. »Die Menschen wollen Ergebnisse, wir müssen liefern, Fakten schaffen und Probleme lösen, nicht nur reden«, so Oppermann. Das sei das wirksamste Mittel gegen die Populisten. Die AfD verfüge aufgrund ihrer Mandate auf Landes- und Bundesebene über einen wachsenden Apparat, der genutzt werde, um Stimmung gegen Minderheiten und für Nationalismus zu machen.

So sei es auch beim politischen Aschermittwoch zu spüren gewesen. »Das muss Punkt für Punkt widerlegt werden«, so Oppermann. »Durch den Einzug der AfD hat sich der Bundestag verändert.« Es sei eine »angespannte Atmosphäre« zu spüren und eine neue Form der Wachsamkeit. »Alle müssen sich nun anstrengen, um der AfD nichts durchgehen zu lassen.« abu

Seder

Es ist unsere Freiheit

Zu Pessach setzen wir unser Vertrauen in die Kraft des Guten

von Charlotte Knobloch  31.03.2026

Pessach

Der leere Stuhl

Für viele bedeutet der Seder, auf geliebte Menschen zu verzichten. Hier erzählen vier Frauen und Männer, wer an Pessach fehlt – und was ihnen Hoffnung gibt

von Nicole Dreyfus  31.03.2026

Programm

Führung, Erinnerung und Vorträge: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 2. April bis zum 16. April

 30.03.2026

»Koscher-Licious«

Mazze, Challe, Wodka

Viele Besucher und noch mehr gute Laune gab es beim Streetfoodfestival auf dem Pears-Campus von Chabad in Berlin. Bereits zum fünften Mal probierten sich Gäste durch das Angebot

von Alicia Rust  29.03.2026

Meinung

Das Gedenken schützen

Ein linksextremes Bündnis plant zum Jahrestag der Befreiung Buchenwalds eine antisemitische Kundgebung. Thüringens Juden wehren sich gegen die Provokation

von Reinhard Schramm, Marek Sierka  29.03.2026

Porträt der Woche

Für alt und jung

Judit Marach hat in einem Seniorenheim gearbeitet – heute ist sie Schulsekretärin

von Gerhard Haase-Hindenberg  29.03.2026

Frankfurt

Wieder zusammen

Fast neun Jahrzehnte nach dem Novemberpogrom 1938 wird der Silberschmuck einer Torarolle erstmals als Einheit präsentiert

von Eugen El  29.03.2026

Ilja Richter

Zu Hause zwischen den Stühlen

Der Schauspieler stellte sein neues Buch vor und verzauberte das Publikum mit Gesang, Rezitationen – und sogar als Bauchredner

von Nora Niemann  29.03.2026

Oldenburg

»Es ist gesund, wenn nicht alles von nur einem Rabbiner abhängt«

Seit einem Jahr amtieren Netanel Olhoeft und Levi Israel Ufferfilge in der Gemeinde. Nun wurden sie auch offiziell eingeführt. Wie funktioniert die rabbinische »Doppelspitze«?

von Mascha Malburg  28.03.2026