Querdenker

»Neuartige Strömungen«

Schoa-Relativierung bei Protesten gegen die Corona-Maßnahmen Foto: imago images/Hannelore Förster

Querdenker

»Neuartige Strömungen«

Der bayerische Verfassungsschutz nimmt die gewaltbereiten Akteure der Szene in den Blick

von Helmut Reister  21.08.2021 22:00 Uhr

Das Bayerische Landesamt für Verfassungsschutz beobachtet seit Kurzem Teile der »Querdenker«-Szene. Nach Angaben von Innenminister Joachim Herrmann hat die Behörde Einzelpersonen und Zusammenschlüsse im Blick, die zu gewaltsamen Aktionen gegen staatliche Einrichtungen aufrufen oder sich daran beteiligen. Dazu zählten auch Angriffe gegen Politiker auf kommunaler Ebene, auf Bürgermeister oder Gemeinderäte.

Demonstrationen der »Querdenker«-Bewe­gung fanden in den zurückliegenden Monaten immer wieder statt. Der Protest der Teilnehmer richtete sich dabei gegen die Beschränkungen im Zusammenhang mit der Bekämpfung der Corona-Pandemie. Daran nahmen auch bekannte Neonazis und sogenannte Reichsbürger teil.

rechtsextremisten Innenminister Herrmann wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Rechtsextremisten und »Reichsbürger« unter den heterogenen Teilnehmern der Demonstrationen zahlenmäßig nur einen relativ kleinen Teil ausmachten. Er richtete seinen Blick in diesem Zusammenhang auf den »Sturm auf den Reichstag« in Berlin, an dem eben nicht nur Rechtsextremisten beteiligt gewesen seien.

Aktivisten der »Querdenker«-Szene, so Innenminister Joachim Herrmann, würden den Staat als »Unrechtsregime« ansehen und den Einsatz von Gewalt als gerechtfertigt.

In einer Erklärung im Bayerischen Landtag hatte der Innenminister auf »neuartige Strömungen« hingewiesen, die nicht einfach dem Rechtsextremismus zuzuordnen seien, aber dennoch eine Gefahr für die Demokratie darstellten.

Aktivisten der »Querdenker«-Szene, so Herrmann, würden den Staat als »Unrechtsregime« ansehen und den Einsatz von Gewalt als gerechtfertigt: »Mit legitimem Protest hat das nichts mehr zu tun, hier ist eine Reaktion der Sicherheitsbehörden die zwingende Konsequenz.«

antisemitismus Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, die sich erschüttert darüber zeigt, wie offen Antisemitismus auf diesen Demonstrationen transportiert wird, beobachtet aber noch eine weitere Entwicklung mit großer Sorge. »Viel zu viele der Protestierer sind mit den Querdenkern bereits ins extremistische Lager abgerutscht.«

Die Verfassungsschützer konzentrieren sich dem Innenminister zufolge auf die gewaltbereiten Akteure. Herrmann betonte, dass es nicht darum gehe, jeden Demons­tranten oder Kritiker zu behelligen.

Berlin

Gedenken zum ersten Todestag von Margot Friedländer

Zum ersten Todestag von Margot Friedländer gibt es auf dem jüdischen Friedhof eine Gedenkveranstaltung. Berlins Regierender Bürgermeister findet emotionale Worte zum Jahrestag

 10.05.2026

Medien

Kristin Helberg, der Hass auf Israel und der urdeutsche Wunsch nach Entlastung

Ein Kommentar von Jan Fleischhauer

von Jan Fleischhauer  10.05.2026

Gedenken

»Beklemmende Aktualität«

Charlotte Knobloch und Josef Schuster sprachen zum 81. Jahrestag der Befreiung des KZ Dachau

von Vivian Rosen  10.05.2026

Meinung

»Boykottlisten« gegen »Zionisten«? Die 30er-Jahre lassen grüßen

Streit um eine Palästina-Halskette: Was wirklich im Berliner Café »The Barn« passierte, was das Café »Acid« damit zu tun hat und welche Rolle die Lokalpresse spielt

von Ayala Goldmann  08.05.2026

Andenken

Vier Schulen und mehrere Plätze nach Margot Friedländer benannt

Vor einem Jahr - am 9. Mai - starb die Holocaust-Überlebende Margot Friedländer mit 103 Jahren. Für viele war sie ein Vorbild. Inzwischen tragen immer mehr Schulen, Straßen und Plätze ihren Namen. Eine Übersicht

von Karin Wollschläger  08.05.2026

Meinung

LMU München: Ein Abschiedsbrief an meine geliebte Alma Mater

Ein Liebesbrief aus Enttäuschung an eine Universität, die sich selbst zu verlieren droht

von Guy Katz  08.05.2026

Redaktion

Die Menschen hinter der Jüdischen Allgemeinen

Wer textet und redigiert, gestaltet, illustriert und organisiert heute die Jüdische Allgemeine? 18 Menschen, neun Ressorts – wir stellen uns vor

 07.05.2026

Andenken

Berlin hat jetzt einen Margot-Friedländer-Platz

Bei der Einweihungszeremonie sagt Cornelia Seibeld (CDU), die Präsidentin des Abgeordnetenhauses, die »Herzkammer der Demokratie« habe nun eine neue Adresse

 07.05.2026

Deutschland

»Die Jüdische Allgemeine gehört einfach dazu«

Seit drei Generationen ist die Jüdische Allgemeine ein Kompass für die jüdische Welt. Prominente Leserinnen und Leser erzählen, warum ihnen die Zeitung wichtig ist

 07.05.2026