Karl-Adler-Musikwettbewerb

Meisterkonzert der jungen Profis

Dana Bostedt (Violine) und Theresa Heidler (Klavier) spielten Felix Mendelssohn Bartholdy. Foto: Brigitte Jähnigen

Erster Preis beim 12. Internationalen Karl-Adler-Jugend-Musikwettbewerb, Erste Preise beim Bundeswettbewerb »Jugend musiziert«, Mitglied des Bundesjugendorchesters, Teilnahme an vielen Meisterkursen: Mit dem Saxofonisten Michael-Oliver Stemmer wurde beim Konzert mit dem Kammerorchester Nigun am vergangenen Wochenende ein junger Musiker präsentiert, der sehr viele Erwartungen beim Stuttgarter Publikum weckte – und erfüllte.

Unter der künstlerischen Leitung von Christoph Wyneken interpretierte der knapp 17-Jährige im Mozartsaal des Kultur- und Kongresszentrums das Konzert für Saxofon und Orchester in d-Moll von Alessandro Marcello (1673–1747). Technisch brillant, im Ausdruck reif, zeigte der in Öhringen Geborene eine erstaunliche Bühnenpräsenz.

Multitalent Michael-Oliver Stemmer ist zudem ein musikalisches Multitalent: Er spielt nicht nur Saxofon, sondern auch Klavier und Orgel und wurde auf diesen Instrumenten Preisträger bei verschiedenen Wettbewerben. In den Applaus der Zuhörer mischten sich einige anerkennende »Bravo«-Rufe.

Eine ähnlich starke Resonanz erwirkten Dana Bostedt (Violine) und Theresa Heidler (Klavier). Wie Stemmer waren auch die beiden Jungmusikerinnen Preisträger des Karl-Adler-Jugend-Musikwettbewerbs 2018. https://www.juedische-allgemeine.de/unsere-woche/sonate-und-nigun/ Mit den drei Sätzen des Konzertes für Violine, Klavier und Orchester in d-Moll von Felix Mendelssohn Bartholdy kam Musikliteratur aus dem 19. Jahrhundert zu Gehör.

Konzertbesucher Toppen konnten das Duo seinen Vortrag nur noch durch die Zugabe: Fazil Says Sonata op. 7, 3, Perpetuum mobile, Presto zog das Publikum in einen Hörrausch und zeigte, wie aufgeschlossen Konzertbesucher gegenüber zeitgenössischen Kompositionen sein können. »Mehr davon«, kommentierte in der anschließenden Pause ein Teil des restlos begeisterten Publikums.

Um Preisträgern des Musikwettbewerbs, der in diesem Jahr zum 13. Mal stattfinden wird, ein Forum für die Präsentation ihrer Kunst zu geben, wurde 2014 in Stuttgart die Internationale Musikakademie »Nigun e.V.« gegründet. Das eigens von Nigun e.V. ins Leben gerufene Kammerorchester besteht aus 30 professionellen jüdischen und nichtjüdischen Musikern und ist ein zukunftweisendes Beispiel für Interkulturalität, Interreligiosität und Integration.

Initiatorin »Wir sind glücklich und wissen es zu schätzen, dass wir mit Margarita Volkova-Mendzelevskaya, Mitinitiatorin des Karl-Adler-Jugend-Musikwettbewerbs und Initiatorin von ›Nigun e.V.‹, eine leidenschaftliche und professionelle Streiterin für die Musik haben«, sagte Susanne Jakubowski, Mitglied der Repräsentanz der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs (IRGW) zur Begrüßung. Zahlreiche private und öffentliche Sponsoren unterstützen dieses Anliegen, unter anderem der Zentralrat der Juden in Deutschland, die IRGW und die Stiftung für interreligiösen Dialog Stuttgarter Lehrhaus.

Mit seinem Talent überrascht hätte ganz sicher am Sonntagabend im Mozartsaal auch Julian Lehmann. Von ihm wird berichtet, dass er völlig unvorbereitet als Siebenjähriger ein Violoncello zur Hand nahm und seinem Lieblingsopa darauf ein Geburtstagsständchen spielte. Inzwischen sind sieben weitere Jahre vergangen, und Julian Lehmanns Können umfasst bereits ein höchst anspruchsvolles Repertoire.

Absage Leider musste der Cellist absagen. Für ihn sprang Mikael Samsonov ein. Der weltweit gefragte Solocellist »vertrat« Julian Lehmann mit der Interpretation aller Sätze des Konzerts für Violoncello und Orchester Nr. 1 in C-Dur von Joseph Haydn (1732-1809). Auch seine Zugabe begeisterte das Publikum: Giovanni Sollimas Komposition Lamentatio verlangt vom Cellisten einen höchst virtuosen Umgang sowohl mit seinem Instrument als auch mit seiner Gesangsstimme. Ein brillantes Stück, ein stürmisch gefeierter Mikael Samsonov. Mit Antonin Dvoraks Serenade in E-Dur, op. 22 beschloss das Kammerorchester Nigun diesen einmaligen Konzertabend.

Standort

Yad Vashem am Karolinenplatz

Die Holocaust-Gedenkstätte errichtet in München ihr erstes Bildungszentrum außerhalb Israels

von Luis Gruhler  09.06.2026

Meinung

Nein, ein Davidstern ist keine Provokation

Im Amtsgericht Flensburg wurde einer Frau der Zutritt zum Saal nur unter der Bedingung gewährt, dass sie ihre Kette mit einem jüdischen Symbol ablegt. Das ist keine Auslegungsfrage, sondern ein Justizskandal

von Annabelle Ganapol-Vučelić  09.06.2026

Schwäbisch Hall

Wenn Elefanten Synagogen tragen

In der kleinen Stadt sind die beiden einzigen erhaltenen Werke des Synagogenmalers Elieser Sussmann zu sehen – Paneele aus der Betstube von Unterlimpurg und der Frauenschul von Steinbach

von Michael Schleicher  09.06.2026

Interview

»Selbst ernannte progressive Linke haben offenbar das völkische Denken gelernt. Das ist alles so absurd«

Der Kabarettist Dieter Nuhr über den Erhalt des Leo-Baeck-Preises, Solidarität mit Israel und Kritik an seiner Person

von Detlef David Kauschke  09.06.2026

Fußball

Fußball auf dem Appellplatz von Buchenwald

Seit der Europameisterschaft 2024 erinnert die Gedenkstätte Buchenwald im Internet an Fußballer, Funktionäre und Spiele im ehemaligen Konzentrationslager. Der Appellplatz war Spielstätte, Häftlinge konnten kurz dem Lageralltag entfliehen

von Matthias Thüsing  09.06.2026

Brandenburg

Antisemitismusbeauftragter fordert stärkeren Kampf gegen Judenhass

Antisemitismus im digitalen Raum entschiedener bekämpfen, Prävention besser finanzieren und jüdische Perspektiven stärker berücksichtigen: Dies fordert Brandenburgs Antisemitismusbeauftragter in seinem ersten Tätigkeitsbericht

von Yvonne Jennerjahn  09.06.2026

Bremerhaven

Synagoge im Visier: Jahrelange Haft und Psychiatrie für Anschlagspläne

Ein perfider Plan, gefährliche Stoffe und eine Sprengstoffweste: Wie Ermittler zufällig auf brisante Chats stießen - und welche Konsequenzen die Vorbereitung eines Anschlags für die Angeklagten hat

 08.06.2026

Buchvorstellung

Gefährliche Ideologien

Der Journalist und Autor Nicholas Potter sprach im Gemeindezentrum über Antisemitismus in der Linken und die Bedrohung der Demokratie

von Luis Gruhler  08.06.2026

Interessenvertretung

Jüdische Lehrkräfte gründen eigenen Verband

Jüdische Perspektiven im Bildungswesen sichtbarer machen: Ein neuer Bundesverband vernetzt Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte und unterstützt sie im Umgang mit Antisemitismus

von Christoph Schmidt  08.06.2026